(… d a s  sind Dialoge, Herr K….)

(Season 6/Episode 14, ab 35:40)

Eugene: (Erwacht auf seinem provisorischem Krankenlager aus der Ohnmacht und hustet röchelnd.)
Rosita: Bist Du da?
Eugene: Anwesend.
Abraham: Gut.
Eugene: Ich wollte nicht, dass sie Dich töten. Hab‘ nur auf ’ne Gelegenheit gewartet.
Abraham: War die richtige.
Eugene: Entschuldigst Du Dich, weil… Du mich in Frage gestellt hast?
Abraham: Entschuldigung, dass ich Dich in Frage gestellt habe. Du weißt, wie man in einen Schwanz beißt, und ich sage das mit dem größtem Respekt. Willkommen in Phase 2!
Eugene: Heiße mich bitte nicht willkommen! Ich bin schon länger hier.

An dieser Stelle musste ich mich altersadäquat ächzend von meinem Lotterlager hoch hieven, weil ich mich sonst vor Lachen verschluckt hätte und womöglich unbeabsichtigt das Tablet durch meine karge sowohl als auch komfortable Klause geworfen.

Eugene hat beim vorangegangenem Kampf die Saviors, nachdem er von ihnen gefangen genommen wurde, auf Abraham aufmerksam gemacht, der sich hinter einem Stapel Benzin-Tonnen versteckt hat. Dann aber führt er bei diesem Scharmützel die Wende herbei, indem er dem Wortführer der Saviorsgruppe vor Ort durch den Stoff der Hose aktiv-dynamisch in den Schwanz beißt. „Phase 2“ schließlich bezieht sich auf die Wahrnehmung Abrahams, dass alle Überlebenden der globalen Zombiefikation bestimmte Stufen charakterlicher Entwicklung durchlaufen würden.

(… überall und immer wieder AK 47… irre…)

Ja, Herr K. könnte oder sollte gar solche Gelegenheiten nutzen, seine Sprachkenntnisse schier spielerisch wenigstens aufzubessern, denn his English is bullshit. Nein, Herr K. unterliegt keineswegs freudloser Freudscher Kastrationsangst. Nein, Herr K. wünscht nicht, im Unbewusstem, einen Schwanz zu lutschen, thx! Aber dazu komme ich noch. Wirklich gute Arbeit, Genossen Tschekisten, die noch Jahrzehnte nach dem Einstellen der operativen Bearbeitung wirkt! Nein, an der Stelle bin ich, har har, mit Sicherheit nicht paranoid. Schöne Grüße nach Friedrichshagen, was immer schöne Grüße sein mögen!

Hier könnte jetzt per Mental-Funk etwas kommen wie ‚Siehta sich wieda als Schauspieler!‘ oder ‚Siehta sich wieda als Drehbuchautor!‘ Das kam auch schon, aber nicht jetzt. Sehr wahrscheinlich kommt auch gleich ‚Huhu?!‘ oder ‚Kuckuck?!‘

Ich muss das schreiben, weil ich aussteigen will aus dem Budenzauber. Har har. Ich ahne doch immer wieder, dass das nicht geht. Man kann nicht aus der Menschheit aussteigen, wie Dr. Luxemburg sagte (aber die kannte mich nicht). Allein, ich versuche es immer wieder.

(… es kam jetzt stattdessen etwas mit ‚Willa wieda hierbleim!‘… ich sollte demnach wieder irgendwo hin wollen, aber es hat wieder nicht geklappt, wahrscheinlich schon nicht mit der entsprechenden Traum-Prüfung…)

K. weigert sich nach wie vor, sich der Realität zu stellen. Neuerlich nutzt er in allerdings gerade im Prekariat verbreiteter Weise Fernsehserien als Familienersatz. ‚Weilla keen Zuhause mehr hat!‘, wird hierzu immer einmal wieder per Mental-Funk gesendet.

Was ist Realität? … das, worüber sich die jeweilige Gruppe geeinigt hat, dass es Realität wäre… Dr. Sch., damals, ach…

Wer legt fest, was ein Anderer als Realität wahrzunehmen hat? Darum geht es, nicht um Land, Bodenschätze, Produktionsstätten usw. usf., sondern um die Muster der Wahrnehmung der Welt und der Reaktion auf diese Wahrnehmungen.

Die Infragestellung oder auch nur Relativierung der eigenen Wahrnehmungsmuster muss von sehr vielen Menschen schon sehr früh als derart bedrohlich empfunden worden sein, dass sie oft bereits diese Relativierung buchstäblich bis aufs Blut bekämpfen zu müssen scheinen. Ich nicht, ich bin sensibel und zart, *kraftvollst hüstel*…

(… willa wieda die Welt retten… höhöhö…)

***

Schon beim erstem Anspielen von „Half-Life“ vor fast genau 20 Jahren bin ich meiner paradoxen Reaktion leicht erstaunt gewahr geworden. Ich bin von der Darstellung und spielerisch-metaphorischen Ausübung von Gewalt nicht hochgeschaukelt worden, sondern habe mich in für die sogenannte Realität nutzbringender Weise abreagiert. Das geht mir beim Ansehen bei der Rezeption von audiovisuellen Kommunikaten wie z. B. dieser Serie ebenso. Aber ich bin halt nicht normal, heule heule.

Mir ist durchaus klar, dass Leutinnen und Leute Angst haben könnten, weil ich vor einem Dutzend Jahren nach einem Sturztrunk völlig ausgerastet bin. Aber diesem Empfinden liegen mindestens zwei Trugschlüsse zugrunde.

Erstens bin ich nicht gefährdet, ein in den Augen dieser Leutinnen und Leute potentieller Gefährder zu werden. Diese Störungen der Impulskontrolle sind nicht Ausdruck und Ergebnis meiner sozialen Isolation, meines Mangels an Kontakten, Beziehungen, igitt, Bindungen oder auch nur Ansprechpartnern usw.

‚Er weeß nich‘, wo er hingehen soll, er weeß nich‘, wo er hingehen soll!‘, kommt hierzu immer wieder per Mental-Funk. Gute Arbeit, von wem auch immer, oder hatte ich das schon gesagt? Herr Dr. Milton Erickson, Ihre späten Schüler haben schwer was auf der Kirsche, wie ich mit der mir eigenen anachronistischen, ja schier fossilen Ritterlichkeit immer wieder zuzugeben bereit bin.

Soziale Isolation ist vielmehr mein Normalzustand, auf den ich in meinen ersten sieben Lebensjahren konditioniert wurde. Dies ohne eigenes Verschulden. Ein Fünfjähriger vermag nicht nach hinreichender Reflexion zu dem Entschluss zu kommen, und Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, dass er kraft seiner fünf Jahre Lebenserfahrung mal eben auschecken sollte, weil die Mutter gewissermaßen nur körperlich anwesend ist und der Vater ein verkappter Sadist usw.

Auch für mich selbst beängstigend unkontrollierte Impulsdurchbrüche habe ich erst nach der Zerstörung dieser Schutzblase 1986 erlebt. Wie schon mehrfach angemerkt, hat bereits Freud sinngemäß erklärt, es gäbe Leute, für die Neurose weniger ein Symptom-Komplex wäre, sondern eher eine Art goldener Kompromiss, der sie überhaupt halbwegs lebensfähig machen würde. Man kann hier „Neurose“ durch andere Bezeichnungen ersetzen; Freud spricht naturgemäß in den Begrenzungen seiner Zeit.

Dies zum Einen. Zum Anderen muss ich in diesem Kontext immer wieder an einen Film denken, dessen Titel ich leider, und wahrscheinlich bezeichnenderweise, vergessen habe. Wie in einem Kammerspiel geht es darin um Gespräche einer Therapeutin mit einer jungen Frau, die in Haft ist, nachdem sie ihr Kind getötet hat. Die Kindsmörderin sagt in diesen Gesprächen sinngemäß, sie hätte früher gedacht, dass man eine Mörderin des eigenen Kindes gleich an die Wand stellen müsste. Jetzt aber wäre sie überzeugt, dass jede in eine solche Extremsituation kommen könne; man müsse „nur“ die Rahmenbedingungen ihres alltäglichen Lebens entsprechend ändern.

Eben. Ein Typ, der durchs Einkaufszentrum tobt, als Beispiel, trägt etwas aus. Er agiert die Wut aus, auf der sehr viele Menschen drauf sitzen. Deswegen brauchen sie ihn ja als Symptomträger und Sündenbock, um nicht über die mindestens unangenehmen eigenen Aggressionen arbeiten zu müssen. Ich war eher geschützt vor derartigem Ausrasten, bis mir mein goldener Kompromiss, siehe eben oben, zerstört wurde.

Bla.

So weit wieder eine graphomanische Orgie der Rechtfertigung des K. vom Rande dieser unserer Gesellschaft. Dies war das Wort zum Sonntag von unten!

Gott ist tot – es lebe die Göttin! An Guadn, liebste völlig zu Recht zahlreiche Nichtleser!

„Und diese Gier nach Zufriedenheit/ohne die Last wär‘ ich doppelt so weit!“ Alter! Derlei Texte sind… äh… – selten, *hüstel*. Das ist keine Ostalgie oder so ’n Scheiß. Der Texter ist Diplom-Philosoph, aber der hat den skurril-originell-realsozialistischen Titel zu Recht. Vor allem bringt er, was er zu sagen hat, rüber in einer Weise, dass Ottilie Normalverbraucherin es mit etwas Mühe oder auch nur Aufmerksamkeit schnallen kann. Blubb.

PS: Von allen in Frage kommenden Therapien und TherapeutInnen habe ich mit geradezu instinktiver Sicherheit genau jene gesucht und gefunden, in und mit der oder denen ich nicht aus der Spur gekommen bin, sondern eher… äh… – sozusagen im Gegenteil. Das habe ich gemacht, wohlgemerkt; dieselben Therapien und Therapeutinnen mögen für Andere ein Segen und vielleicht gar lebensrettend gewesen sein. Allein, man kommt nicht umhin, den Gedanken vorsichtig zuzulassen, dass es ganz eventuell ein Unbewusstes geben könnte, *abschließend theatralisch hüstel*. In coronierten Zeiten muss man ja vorsichtig sein mit solchen geluftröhrten Lautäußerungen, muss man nicht?

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