(… K. wünscht, im  U n b e w u s s t e n, Guru zu werden…)

Das war einer der im Vollzug mündlicher Legendenbildungen weitergegebenen Bonmots Günter Ammons, über die ich einen halben Tag lang gekichert habe, „Lieber Guru als Beamter!“ Hat was – hat es nicht?!*

Ich muss Ammons Sprüche, Thesen, Definitionsversuche usw. schon deshalb voll cool finden, Alter, weil sie mir des Öfteren als Antworten auf Fragen erschienen, die zu stellen ich längst aufgegeben oder gar nicht erst versucht hatte, was mir selbst gar nicht bewusst geworden war. Diese sozusagen Aha-Effekte habe ich jedoch vor allem außerhalb des Freudeskreises Anna Lyse erlebt, was mindestens erstaunlich zu finden ich nicht müde werde.

Eine dieser Aussagen Ammons aber war die, dass Alkohol vergiftete Muttermilch wäre. Das dürfte jedoch auf alle Drogen zutreffen. Es mag sein, dass überragende Geister wie Leary etwas wie Bewusstseinserweiterung erlebt haben beim Konsum mental illuminierender Substanzen. In den allermeisten Fällen aber scheint dieser Konsum zur Regression bis in die symbiotische frühe Mutter-Kind-Beziehung zu führen; Legalisierung hin, Legalisierung her, die ich übrigens befürworte.

Ich bin stolz darauf, die Arroganz gewagt zu haben, eine solche Aussage zu treffen, ha! Arroganz ist keine Zier, doch wenn Du sie brauchst, dann bediene Dich ihr. Oder so ähnlich…

(… wirklich krass ist Arroganz bei Dummen und Beschränkten, die ihr Gesichtsfeld für den Erdkreis halten, mit einem Selbstbewusstsein, von dem ich des Öfteren gern außerhalb von Texten ein bisschen hätte… aber das ist wieder ein anderes Thema, wie ich immerhin wahrnehme… merke – auch die Dummen und Beschränkten sind immer die Anderen… hähä…)

Nun liest man einen solchen Sinnspruch sinngemäß auf der Tafel einer Gaststätte oder dergleichen. Das gestatte ich mir deshalb bemerkenswert zu finden, weil ich derartige scheinbare oder tatsächliche sozusagen Belege für mindestens umstrittene Behauptungen immer wieder an Stellen finde, wo ich sie nicht gesucht, weil nie vermutet hätte.

Da ist etwa dieser, har har, Ödipus-Komplex… Was für ein Quatsch, nicht wahr?! Diese Zücho-Spinner! Die haben doch echt alle selbst Einen an der Klatsche, höhö!

Leider finde ich die Quelle nicht mehr, aber einmal habe ich im Netz einen Beitrag aus dem 19. Jahrhundert gefunden; von 1848, wenn ich mich recht entsinne, und aus einer Zeitung. Es hieß da in einer Karikatur, etwas wäre wie bei Muttern; es ging wohl um eine Mahlzeit. Mit Muttern aber war – die mehr oder weniger holde Ehefrau gemeint. Dies jedoch lange, bevor Freud überhaupt ans Licht dieser Welt gepresst worden war geschweige denn er seine Thesen und Theorien wie etwa die über den Ödipus-Komplex zu veröffentlichen begonnen hatte.

Der stärkste Beitrag zu diesem Thema war für mich ein vor, ach, auch schon wieder etlichen Jahren erschienener „Spiegel“-Artikel. Der war, glaube ich mich recht zu entsinnen, gar Titelthema. Die wichtigste Aussage des Beitrages bestand für mich in der Feststellung, dass die jahrzehntelangen sozusagen Grabenkämpfe zwischen den, bitte Anführungsstriche beachten, „Psycho-Onkels hinter der Couch“ und den „knallhart-seriös-wissenschaftlichen“ Psychologen und Psychiatern, die ich oft und gern Hirnbiochemiker nenne, Scheingefechte gewesen wären. Durch aktuelle Forschungsmethoden wären Vermutungen und Thesen von Vertretern der ersten Gruppe auch oder gerade überzeugend für Vertreter der zweiten Gruppe gewissermaßen organisch-materiell belegt worden. Sogar Traumatisierungen ließen sich über Generationen hinweg quasi hirnorganisch nachweisen usw.

Warum schreibe ich das jetzt auf? – „Vielleicht, um überhaupt etwas zu tun zu haben?“ Thomas Mann, „Der Bajazzo“. – Hier sieht sich der Klient neuerlich als Nachfolger von Thomas Mann, wir bitten um Unverständnis!

(… „Halbes Jahr Tiefbau, denn is‘ Schluss mit Fühlosofie, höhöhö!“… was, Nossinnunnossn…)

***

Das Bild aber ist, was viele meiner völlig zu Recht zahlreichen Nichtleser überraschen muss, aus „Pinterest“. Fast täglich finde ich an dieser Online-Pinnwand Beiträge, die mich aus meiner anhedonisch-misanthropischen Grundstimmung wenigstens für Augenblicke heraus reißen, indem ich mimisches Ausdrucksverhalten entwickle, das man mit einigem gutem Willen etwa als „Grienen“, „Grinsen“ oder „Kichern“ bezeichnen könnte.

Dabei fällt mir immer wieder eine Äußerung meines Bio-Lehrers von der fünften Klasse bis zum erstem Halbjahr der Zehnten ein, der nicht nur meiner Wahrnehmung nach eine lokale Legende war und nicht nur von den Jungen meiner Klasse „Daniel Boone“ genannt wurde. Der Mann äußerte sinngemäß, nach einigen weiteren Jahrhunderten der Geschichte müsste die durch dann zahlreiche Goethes, Shakespeares usw. erzeugte gewissermaßen Geräuschkulisse an die einer Robben-Herde am Strand erinnern. Dieses böse sowohl als auch leicht melancholisch-resignierte Bonmot passte schon deshalb, weil etliche der besagten Jungen sich gerade an seewölfischen gymnastischen Übungen versuchten.**

Allein – Daniel Boone hatte Recht! Schon jetzt findet man nicht nur bei „Pinterest“ Tausende Bonmots, die über die durchschnittliche Produktion von Berufstextern weit hinaus gehen. Das scheint nur ein Aspekt der Realisierung des berühmten Satzes zu sein, jeder Mensch wäre ein Künstler.

Mit anderen Worten – lohnt sich alles nicht mehr… Geh‘ wieder arbeiten, Ost-Koske!

Was das betrifft, so hat sich beim gestrigem Gespräch mit einem Coach eine Möglichkeit angedeutet, auf die ich gar nicht kommen konnte. Ich sehe mir das mal an, dann werde ich ja sehen, nich’…

** Immer einmal wieder eine kleine Übung im englischem Fragesatz, nicht wahr, *hüstel*… My English is bullshit, wir berichteten; ich habe in den Lessons immer von russischen Frollein geträumt usw.
** Bildquelle.

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