(… nix Neues beim den Simulanten spielenden K….)

Mindestens interessant! Ich träume von einer der Gruppensitzungen, wie sie heute Abend wieder stattfindet. Das heißt, ich vermute, dass sie stattfindet. Ich rechne ständig mit allem; Therapeuten krank, Haus nicht zugänglich usw. Auch eine Art des in der Welt Seins! Ich rechne ständig mit allem und bin daher gewissermaßen ständig in Alarmbereitschaft. Kein Wunder, dass ich Bluthochdruck habe!

Ich hatte schon einmal erwähnt, dass ich dieses Phänomen ausgerechnet in „Felidae“ von Akif Pirinçci beschrieben gefunden habe. Kater Francis als Ich-Erzähler, gnihi, erklärt schon auf der ersten Seite des Buches fast wörtlich, man müsse ständig damit rechnen, dass Alles über einen herein brechen könne.

Woher kommt diese Haltung? Sie wird wohl etwas mit Ungnade der späten Geburt zu tun haben, d. h., mit dem vielen über die Generationen des besonders irren XX. Jahrhunderts weiter geschleppten seelisch Unerledigten. Aber das ist Psycho-Club und kann vernachlässigt werden. Halbes Jahr Tiefbau, denn is‘ Schluss mit Fühlosophie, was, Nossinnunnossn, hähähä?! Jaha, auch der Humor kommt nicht zu kurz in unseren Diensteinheiten!!!*

Dass Pirinçci das Problem zu „lösen“ versucht, indem er rechtspopulistisch ausagiert, ist traurig, denn die Monologe eines Katers haben durchaus Alleinstellungsmerkmale. Es ist nicht ganz Gespensterhoffmann aus Königsberg, aber hat voll was, Alta!

Allein, es geschieht häufig, dass Schriftsteller wirres Zeug äußern, wenn sie sich quasi vom Schreibtisch weg bewegen. Sind ja auch nur Menschen, bla bla. Korrekt, mit dem Reden von wirrem Zeug kenne ich mich aus! Aber ich stelle mich damit nicht auf die Agora und suche Zeit-, Streit- und Leidgenossen zu agitieren oder gar zu rekrutieren.

Es passiert im Traum, Überraschung, was ich aus der sogenannten Realität kenne. Ich strampele mich ab, um mich verständlich zu machen. Man hört mir entweder nicht zu oder versteht mich nicht oder will mich nicht verstehen oder jemand platzt in den Raum und die Situation hinein. Ich steige aus, brülle irgend etwas und verlasse die Gruppe und den Raum. Eine Szene, die ich in der sogenannten Realität unzählige Male erlebt habe bzw. provoziert oder inszeniert oder wie auch immer.

In dieser sogenannten Realität scheine ich mit Maske übrigens verständlicher zu sein als ohne, was auch wieder als bemerkenswert wahrgenommen werden könnte. Überhaupt komme ich mit der Maske in der Welt da draußen besser klar als ohne. Ich bin weniger sichtbar, ein bisschen versteckt. Ist das paradox oder dialektisch?

Ich bin ein bisschen gespannt! Im Kontext der therapeutischen Schule, in deren Institut ich jetzt wieder einmal in der Woche leibhaftig erscheine, gilt die schier goldene Regel, was im Traum wäre, müsse nicht ausagiert werden. Klar, dass ich mit meinen „Deutungsversuchen“ meiner von wo auch immer gesendeten Träume nicht weit komme. Diese Versuche werden als konkretistisch angesehen, indem unter anderem man fragt, für wen oder was diese geträumte Person oder jener geträumte Gegenstand stehen würden usw. Wenn ich versuche zu vermitteln, dass ich diese und jene Traumszene nach einer Art Lotterie-Prinzip verteilt in der Wirklichkeit wiederfinde, habe ich keine Chance.

Ich habe mir dennoch und erst recht schon des Öfteren überlegt, was passieren würde, wenn nach hochwertiger Ausbildung diplomierte und promovierte Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse mir glauben würden. Und? Was sollen die dann tun? Wenn sie meine Erzählungen wirklich ernst nehmen würden, müssten sie zugeben, das da wer auch immer in vivo Therapie macht, so dass ihre Therapie in vitro, in Instituten, Praxen, Kliniken, WGs usw. mindestens fragwürdig erscheinen könnte.

Wie vor allem sollen die mir dann heraus helfen aus dem Budenzauber, hähä? Zumal ich selbst immer wieder überzeugt bin, dass es der Spießer in mir ist, der „aussteigen“ will; „Weil, so schließt er messerscharf/nicht sein kann, was nicht sein darf“, Christian Morgenstern. „In der Bahnhofshalle/nicht für es gebaut/steht ein Huhn.“ Muaha! Ich schweife ab – das Alter!

Ja. Na ja. – So vergehen die Tage, die auf Erden mir gegeben sind! Vorhin habe ich wieder einmal mit nicht verohropaxten oder bekopfhörerten Ohren bei offenem Fenster getippselt und es kam sofort etwas mit ‚Verhinderter Schriftsteller!‘ und ‚Bilditt sich ein, er is‘ geisteskrank!‘ Usw. usw. usf., und grüßig murmt das Eweltier.

Da sind real Leute und die reden real und ich weiß, mit dem Kopf, dass sie nicht über mich reden können oder jedenfalls nicht immer wieder oder gar ständig; trotzdem werden diese „Rückmeldungen“ generiert. Wer macht das, seit 34 Jahren? Wie? Warum?

Bla.

* Nachdem ich das jetzt geschrieben habe, wird demnächst, „Wenn Du schon gar nicht mehr dran denkst!“, ein Arbeiter im Tiefbau auf mich reagieren, entweder freundlich einladend oder mit höhnischen Rückmeldungen wie etwa „Jetzt schlendert er wieder durch die Straßen, damit die Leute denken, er geht arbeiten!“ Das hat mein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre gemacht, es ist irre! Korrekt, dergleichen habe ich viele Dutzende Male in der sogenannten Realität erlebt. Vor einigen Monaten zum Beispiel habe ich mich wieder einmal „verlaufen“, süüüß, und bin in eine Sackgasse mit einer Baustelle geraten. Ein junger Bauarbeiter hat mich ohne Ironie und Hohn usw. begrüßt, als wollte er sagen: „Willkommen! Kannst mitmachen!“ Ich habe sofort bemerkt, dass dies wieder eine der Szenen in der sogenannten Realität war, die einer Traumprüfung entsprochen hat. Es sollte eine Bindung an den Job des Bauarbeiters erzeugt werden. Nicht bestanden, natürlich. Wer macht das? Warum? Wie? Nicht so drängeln, liebste diplomierte und promovierte Spezialistinnen und Spezialisten! So. Jetzt werde ich wieder meine Wut aus dem Bauch rennen; es sind 24°, geht so, Mann!

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