Schnappschüsse. Quasi. (Es  v e r s u c h t, sich kurz zu fassen.)

Eine wirklich voll fette Frau, und: nein, das ist nicht frauenfeindlich, auf einem Fahrrad (das natürlich „Platte“ hatte, obwohl die Reifen bzw. Schläuche sicher prall aufgepumpt waren), amüsiert sich köstlich, als sie mich vorbei joggen sieht… verdrehte Welt… natürlich habe ich mich nachher in der Sanitärzelle eingeschlossen und bitterlich ins Handtuch geschluchzt, wie es meine Natur ist…

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Ich „erkunde“ tatsächlich die Stadt im Dauerlauf und das hat echt was. So ist der Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, auch für mich zu ertragen, ja, sogar in Ansätzen angenehm. – Bis auf diese Episödchen wie die eben oben gepostete, versteht sich!

Ja, aber wie soll das gehen? Ich kann nicht den ganzen Tag durch die Stadt hasten und damit Geld verdienen. Doch, kann ich! Zum Beispiel als Fahrradkurier! Der Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf. Zumal ich nicht mehr gruppenfähig zu sein scheine, wie mein letzter Arbeitsversuch gezeigt hat, und ich eigentlich auch nichts mehr daran ändern will.

Deshalb könnte Rikscha-Fahrer mit Vorbehalt auch was für mich sein. Das wäre vielleicht fast wieder zu eng, andererseits ich da meine Neigung, sturzbachartig Text abzusondern, sinnvoll „umwerten“ könnte, indem ich Touristen münchensüchtig quassele. Aber ich glaube, da bin ich nicht lebensprall-dynamisch genug, bla.

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Trotzdem mir seit vielen Monden klar ist, dass und warum ich mich als mobiler Container für Übertragungen und Projektionen anbiete, bin ich doch immer wieder überrascht.

Zum erstem Mal stutzig geworden bin ich bereits 1999. Da hat nahe des Hauptbahnhofes in M eine mit ihrem amtlich Begattungsberechtigtem an mir vorbei gehende Frau wütend etwas mit „Milieutherapie“ gezischt. Jahre später, sooo süß, ist mir klar geworden, was die meinte. Die glaubte, das Wort hätte etwas mit „Milieu“ im Sinne etwa von Bahnhofsmilieu zu tun, aharhar.

So weit, so ungut! Einstein, nicht wahr; Dummheit und Universum.

Allein, 2014 in Iron Hut City ging auch das wieder los. Da grölten Viertelstarke in der Lindenallee mir etwas aus dem Fenster hinterher, das auf Schwuler und Stricher „hinwies“. Nun weiß ich, wie gesagt, warum ich Übertragungen auslöse, aber manchmal bin ich dann doch sprachlos.

Das könnte tatsächlich alles auf die „Elfe“ mit den roten Haaren bis unter den Hintern zurückgehen, in die ich mich 1984 irrsinniger Weise in der psychotherapeutischen Station in Berlin-Hirschgarten verknallt habe. Der Papa war nicht nur bei denen, sondern wohl gar bei der Elite der Elite, der HVA; das weiß ich aber nicht mehr genau. Ach, war ich herrlich naiv! Ohne Ironie! Schon beim zweitem Mal, als ich sie in diesem seltsamen Wohngebiet in Friedrichshagen besucht habe, schmachtend verschmelzend, fuhr einer dieser LADA mit vier Herren im Anzug an mir vorbei, die glotzten, als hätte ich ’ne Bombe in der Tasche.

Die hat „eine Rolle gespielt“, das war mir schon klar, und offensichtlich nicht nur mir. Ich hatte über diese Neigung der vorwiegend hysterisch Strukturierten, Helden aus Filmen oder Büchern „nachzuspielen“, in dem Fachbuch des Klinikchefs gelesen, das ich bezeichnenderweise vor der Therapie gründlich durchgearbeitet hatte. Da war diese Episode zwischen Baracke und künstlicher Ruine. Ich hatte eine Granate eingeschmuggelt, was tut man nicht alles. Die hat die Flasche einmal angesetzt und, schwupp, war ’n Viertel des Inhalts weg. Ich war nicht nur baff, sondern habe auch deutlich gemerkt, dass die jetzt gewissermaßen in einer Rolle war.

Welche, konnte ich ja nicht wissen, weil ich aus Prinzip keinen Fernseher hatte. Buch und Film von „Christiane F.“ habe ich erst einige Jahre danach gelesen und gesehen.

Warum ich gerade jetzt darauf komme? – Vor ein paar Tagen ist bei meinem Joggen ein Kleinwagen mit Viertelstarken an mir vorbei gebrettert, und einer hat aus dem Fenster gebrüllt: „Hurenbock!“

Wenn die operative Zersetzung noch dreißig Jahre nach der Wende nachwirkt, muss ich immer wieder sagen – gute Arbeit, Nossinnunnossn! Hut ab! Denn selbstverständlich hatte ich nie homosexuelle Kontakte usw. Alles wieder einmal Projektion. Der gelernte DDR-Bürger sieht sich nach der Wende mit der Tatsache konfrontiert, sich verkaufen zu müssen und das verständlicherweise daraus resultierende Unbehagen muss irgendwohin abgeleitet werden…

So weit wieder der Klugschiss to go aus der Unterschicht! Old Ron geht jetzt wieder rennen, was seinen konstitutionell fixierten Drang dämpfen wird, Witwen zu grillen, ha!

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