Ja, wo läufta denn hin? (sehr frei nach Prof. von Bülow)…

Ich habe sie nicht mehr alle. – Das muss überraschen! – Ich merke auch nichts. – Das überrascht denn in der Tat! – Eigentlich wollte ich zur Borstei laufen, und natürlich zurück. Aber dann… – Es ist schon ein bisschen hinterfötzig! Jetzt, wo Straßen, Läden, Lokale und weitere, yeah, locations leer coroniert sind, erkundet das alte Kind M., Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren.

Mal ein bisschen zum Englischem Garten und ein bisschen durch den Englischen Garten. – Die Braut war ein bisschen schwanger, aharhar. – An der Uni vorbei, in der nicht gelehrt wird, weil sie geleert wurde.

Schließlich bin ich schier plötzlich in der Biedersteiner Straße und bilde mir ein, zu meiner Zustellstrecke laufen zu müssen. – Wann war ich da noch mal Zusteller? – Alles versunken im betongrauem Depri-Nebel… Laufen wirkt antidepressiv, korrekt! Alles Hirnbiochemie!

Kurz vor der Osterwaldstraße abgebogen, ein bisschen die Ungerer Straße nach Norden und durch das coole Neubauviertel an der Berliner Straße. Dort habe ich in der Tat damals in derart rasender Weise zugestellt, dass… äh… – Kameraden Volksschützer* der berühmten Schwabinger Wache mehrfach aufmerksam wurden.

Ach, wäre ich doch endlich ein kleines unscheinbares Männchen, das man überall nach fünf Minuten vergessen hat! Aber mit dem auffälligem Schädel, der mehr verspricht, als ich hätte halten können selbst dann, wenn meine persönliche Humanontogenese „gerade“ verlaufen wäre, bla… Blockhütte in Syberia ist angesagt, Alter; mit Kater, Köter und Kalaschnikow!

Ja, und dann bin ich über die Leopold am Schwabinger Krankenhaus vorbei getappt und dort war es auf der Turmuhr bereits paar Minuten nach vierzehn Uhr. Das heißt, es war natürlich überhaupt und grundsätzlich einige Minuten nach vierzehn Uhr, aber dies wurde auch turmuhrig weithin deutlich angezeigt.

Los gelaufen bin ich high noon, Alter! Nach 145 Minuten ununterbrochener Bewegung habe ich schließlich wieder meine karge zwar, aber doch auch komfortable Klause durchaus erreicht mit ganz leichtem Keuchen.

Nein, kein Aprilscherz, Arschgeigen Gesäßstreichinstrumente! Allein, was passiert mit mir? Was geht ab, Alter? Wo soll das hinführen? – Das Beknackte ist ja, dass ich mitnichten das Gefühl habe, am Limit zu sein, hähä…

(… Männer müssen angeben – steht im Internet… aaaber – erst mal sehen, wie lange ich das jetzt durchziehe, hihi…)

Das Gefühl habe ich schon seit Langem immer einmal wieder. – Wie jetzt, Sie haben Gefühle, Herr Koske?! – „In der Tat!“, wie Teal’c gesagt hätte. – Das Gefühl nämlich, ich könnte, ja, müsste den ganzen Tag laufen. Dann wäre ich wirklich in der Welt zugegen. Oder so…

Ein freier Bereich offenbar, wie die Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse sagen würden. Bis zum Montagswendepunkt 1986 war der das Schreiben. Wie – ich würde doch immer noch schreiben? Ja, aber das ist eben wie bei einer Uhr, die immer noch weiter läuft, weil die Feder noch nicht entspannt ist, obgleich die Zeiger abgebrochen sind und das Zifferblatt zerkratzt ist.

„Schönes“ Gleichnis, nich‘? Bachmannpreis? – Brauchense nich‘ einwickeln, esse ich gleich hier! – Aber nicht schreiben geht eben auch nicht, siehe ganz oben. Dann würde ich wie Ringo Starr nach der Auflösung der Beatles ’n Jahr im Garten sitzen und überlegen, was ich machen sollte. Nur war ich nie in einer Gruppe, habe keinen Garten und auch nicht das Zeug zum Schlagen, wäh. Jammer, jammer…

(… nein, kein Größenwahn – es geht ums Prinzip…)

„Ach.“ (Prof. von Bülow)

* Franz Fühmann in „Saiäns fiktschen“.

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