KI – Dialog 6 (Kontaktvermeidung jetzt sogar empfohlen)

K: HERKOS IMAUFLU (Herr Koske, immer auf der Flucht)
II: IMI META (Imaginäre Instanz auf einer Metaebene)

I: Tja, Herr Koske – haben Sie sich übernommen oder nehmen Sie Anlauf für Ihre 10000-Worte-an-einem-Tag-Übung?

K: Sie wissen doch, wie das ist! Der Kleinbürger schwankt, wie Dr. Uljanow richtig bemerkte. – War nich‘ alles schlecht, bla bla. – Nachdem ich ein paar Tage recht heftig getippselt habe, ist jetzt wieder Schicht im Schacht. Der Künstler wartet auf das übermannt Werden von der großen Idee, hoho! Und nach wochenlanger Jogging-Abstinenz renne ich jetzt zwei Tage hintereinander wie ’n Besengter und latsche dann auch noch am Abend paar Kilometer durch M.

I: Es wird Ihnen wieder einmal gar nicht gefallen, was ich sage – aber das ist doch eigentlich was Positives…

K: Das ist Quatsch! Ich täusche Dynamik vor, indem ich von einem Extrem ins andere schaukele. Ich hab‘ mich doch voll durchschaut, hähä.

I: Ah – super! Freut mich! Es scheint Ihnen gut zu gehen, denn Sie fangen schon nach paar Sätzen mit der mentalen Selbstgeißelung an…

K: Na ja – ich spüre jetzt jedem Kratzen im Hals hinterher usw. Ich bilde mir ein, durch das Laufen und anschließendes heiß und kalt Duschen allerlei scheußliche Kleinstwesen aus meinem Organismus zu vertreiben. Dabei gehöre ich eigentlich zu einer Risikogruppe. 58, durch die Leukämie etwas angeknackst im persönlichem Immunwesen oder so ähnlich und dann auch noch in einem Boardinghaus. Ich bin gespannt, ob ich neugierig bin.

I: Sie fühlen sich gewissermaßen höheren Mächten hilflos ausgeliefert, die selbst Sie aus der Distanz des Epoché-Menschen heraus zwingen?

K: Jetzt geht das wieder los! Verbalisierung emotionalen Inhalts als Bestandteil der therapeutischen Trias. – Machen Sie auch ’ne Ausbildung zum Therapeuten? – Ich fühle mich quasi wie zu Hause, sehr frei nach Alligatoah…

I: Äh… – die frühen Prägungen der, wie Sie sagen würden, „durchhusteten Kindheit“?

K: Nee. Als Absolvent der DDR mit Prädikat „Genügend“ zeigt mein irreführend markantes Gesicht deutliche Zeichen heiteren Wiedererkennens vor leeren Regal-Fächern selbst in Supermärkten. – Ja ja, ich bin ein Zynist!

I: Die Fächer sind nachweislich am nächsten Morgen wieder voll – man hat gar auf Weihnachtsmodus umgeschalten in diversen Shops und Märkten…

K: Trotzdem! Was zum Teufel hat Klopapier mit Viren-Abwehr zu tun? Was soll das denn? Ich wollte mit einer Zwei-Rollen-Packung meine ganz normale Monatsration für meinen Durchschnittsarsch einkrallen – kannste vergessen! Ich war in zwei Drogerien und bin gleich wieder rückwärts raus. Dabei war es gegen zehn Uhr vormittags. – Muss ich wahrscheinlich früh vor Ladenöffnung an der Tür stehen oder was?! – Wieder ’n Grund, aufzustehen, ha ha…

I: Haben Sie eigentlich eine Theorie oder ’ne These zur Pandemie? – Aber ich denke, dass es wohl eher verwunderlich wäre, wenn Sie die nicht hätten…

K: Ich bin überrascht, dass das durchaus zu erwarten gewesene ausgebremst Werden des ewigen Wachstums ausgerechnet auf diese Weise einzusetzen scheint. – Ja ja, Verschwörungstheorie, bla. – Aber wieder trifft es die Schwächsten, die jetzt an einem Virus sterben. Außerdem ärgern mich die immer wieder zu hörenden Erklärungen, niemand hätte mit so was gerechnet. Es werden seit Jahrzehnten Bücher, Filme und Games veröffentlicht, die entsprechende Szenarien bis in alle denkbaren Details durchspielen. Hier rächt sich wieder der Ausschluß von Wirklichkeit. Games etwa sind Ballerspiele und gehören verboten usw. – Aber kann man sich ’ne Welt vorstellen, in der man mehr auf Künstler hört als auf Betriebswirte und Börsenschamanen? Lustich!!!

I: Hm. Sie brechen irgendwie abrupt ab…

K: Ich sinne meinem tiefem Scharfsinn oder meinem scharfen Tiefsinn nach… Har. Har. Was bin ich schlau! Was scheiße ich klug! – Und? Hat wer was davon? – Aber immerhin komme ich zu einem Thema zurück: Klopapier. Har. Har. Har.

I: Sie leiden unter Ihrem Unvermögen, immer wieder durchaus adäquate Einsichten praktisch umzusetzen?

K: Jetzt hören Sie doch mit Ihrem Verbalisierungsscheiß auf, Sie virtueller Freud-Verschnitt! – „-scheiß!“ Ich bleibe beim Thema, ha! – Wenn alles gut geht, bin ich kurzfristig in ’ner Therapiegruppe und da triasen dann alle eh‘ therapeutisch.

I: War das Ihr „Latschen durch M“?

K: Bingo! Vielleicht lässt sich doch noch ein bisschen was aufräumen auf den vielen halbfertig verlassenen Baustellen meines Lebens, ach…

I: Okay, dann legen Sie los!

K: Mache ich! – Ich lege mich bisschen hin!!!

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