(… sie kam zu spät, die Pubertät…)

  Hü: Immerhin! Geht doch! Du bist früh aufgestanden und sitzt am Schreibtisch und hackst in die Tasten! Weiter so! Nach einigen Monden Übung sitzt Du jeden Tag von dann bis dann am Gerät und kloppst Dein Pensum in die Maschine!

Hott: Ich tue was Verbotenes! Ich spüre es! Die „Symptome“ gehen auch wieder los! ‚Er will nich‘ arbeiten, er will nich‘ arbeiten!‘, ‚Willa wieda berühmt werden!‘ usw. usw. usf. Außerdem und vor allem hatte ich -zig Jahre Zeit zur Selbststrukturierung und habe es nicht gepackt! Die emotionale Intelligenz klappert der klassisch-rationalen erbärmlich hinterher!

  Hü: Es gibt noch jede Menge Wohnungsangebote auch außerhalb der Makler-Paradiese wie M! Ich fange nochmal von vorn an! Trotz erster Handicaps bin ich noch ganz fit!

Hott: Lass es sein, Ost-Koske! Du kommst „in freier Wildbahn“ nicht klar! Natürlich ist das ’ne schwere narzisstische Kränkung! Aber Du solltest die Möglichkeiten nutzen, so lange Du noch ’ne Wahl hast! Wenn Du erst vom U-Boot überfahren worden bist oder dgl., wird Dir im mehrfachem Sinn ein Platz zugewiesen… – Geh‘ ins Heim zurück und ziehe Deine kleinen Kreise, friedlich und freundlich!

  Hü: „Ich war noch niemals in New York!“ Dieser Ober-Psycho hatte wohl Recht – „Sie müssen reisen, Herr Koske!“ Bla bla bla. Diese verwöhnten Wohlstandsneurotiker! Haben mich überhaupt nicht mitbekommen. – „Sie sind nicht sichtbar geworden, Herr Koske! Kommen Sie in die Tanztherapie, wie für Sie gemacht!“, würde der Typ jetzt sagen! – Aber auch die gute Frau D. in P. hat so einen Knackspruch abgelassen, der voll rein geknallt hat, Alta! Offenbar strahle ich etwas aus, das Leutinnen und Leute veranlasst, mich intensiv erziehen zu wollen. – Ich wäre vielleicht einfach gar nicht der Nest-Typ, sondern der Flug-Typ. Hat sie sinngemäß gesagt… Ha! – Die hatte ja nun immense Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, die Frau! Also – sollte ich nicht die Flatter machen? Weil unser einziges Nest unsere Flügel sind usw., in Klammer Lindegren? Bla?

Hott: Jetzt „nehmen Sie Platz“! „Kommen Sie doch erst einmal an!“Ist was dran, nich‘? – Wie oft haben Sie es schon bereut, dass Sie wo abgehauen sind, weil sich relativ kurze Zeit danach Dinge von selbst geregelt haben, die Ihnen zugesetzt haben?

  Hü: Alter! Ich habe den Scheiß jetzt fast 34 Jahre lang durchgestanden, hokus pokus Eso-Scheiß! Das ist gemacht, von wem auch immer! – Ja ja, die mangelnde Krankheitseinsicht ist ein störungsspezifisches Symptom. Geht mal alle schön kacken, liebste Psycho-Docs! – Was soll ich nach so langer Zeit ohne sie jetzt noch mit Smarties? Außerdem: „Der genaue Wirkmechanismus von Neuroleptika ist nicht vollständig geklärt und Gegenstand aktueller Forschung“. Sagt Tante Wiki! Man kloppt nach wie vor an der Wand herum, in der Hoffnung, den Nagel zu treffen. Sehr frei nach Goethe. – Ja ja, auch der Größenwahn ist störungsspezifisch! – Eigentlich wissen die gar nichts! Die wissen nicht mal, warum Menschen schlafen müssen. Und dann – die Nebenwirkungen! Ich bin nach etlichen Monden von 112, 113 Kilo auf 92, 93, 94 Kilo runter – soll ich jetzt auf 120 Kilo aufschließen, um als Medikamentenzombie halbwegs betriebstüchtig zu sein? – Nee, nee, nee…

Hott: Herr Koske! Die Medizin macht Fortschritte! Auch, man glaubt es kaum, die Psychiatrie! Haben Sie es einmal wirklich ernsthaft versucht mit Neuroleptika? Wenigstens die paar Wochen, bis die antipsychotische Wirkung einsetzt? Vielleicht ist dann der „Budenzauber“ weg?

  Hü: Ich sollte noch einmal richtig einzusteigen versuchen! Erst letztens habe ich wieder von einer 93jährigen Promovendin gelesen. Und das ist der Trend! Es werden immer mehr Leute sehr alt und bleiben leistungsfähig und tun, „was sie schon immer tun wollten“ und so. Bla.

Hott: Akzeptiere endlich deine Traumgrenzen, Alter! – Das passt sogar im wörtlichem Sinne! Du hast tausende Träume erlebt, in denen es um die Bindung an einen Job ging, und sie alle nicht bestanden. – Sei einfach ein einfacher Arbeiter und anständiger Mensch wenigstens noch auf der letzten Strecke!

  Hü: Manchmal kriege ich es ja sogar mit, dass es etliche Angebote gibt, auf die ich gar nicht gekommen wäre! Es gibt Musik- und Tanzschulen mit extra Kursen für Leute 50+ oder 60+. Und gerade in Großstädten wie dem Hauptversammlungsplatz der Bajuwaren ist das Angebot an Schreibgruppen- und Kursen riesig! Ich sollte mich da endlich mal irgendwo mit rein hängen!

Hott: Herr Koske, Sie wissen ganz tief drin, dass der Spruch von Liebermann abgewandelt auf Sie zutrifft! Sie haben sich das Schreiben „ooch bloß so anjewöhnt“. Phantasie kann man nicht erzwingen! Und wie lange versuchen Sie nun schon, aus dem Status des tumben Berichterstatters heraus zu kommen und zum Dichter und Erdichter „richtiger“ Geschichten zu werden? Drei Jahrzehnte? Kein Wunder, dass man Sie ganz gelegentlich für einen verkrochenen Stasi hält, obwohl Sie nicht einmal als IM auch nur geworben worden sind! Das leuchtet Ihnen doch ein, oder? Und was soll das mit der Musik? Sie können nicht einmal ’ne Gitarre stimmen und die Griffe haben Sie sich monoton-mechanisch antrainiert! So was wie ein Gehör haben Sie gar nicht und das wissen Sie auch. Lächerlichkeit ist der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit und Sie laufen Gefahr, sich schwerstens lächerlich zu machen! Wahrscheinlich ist Ihr Mangel an Phantasie konstitutionell und da kann man nicht dran herum therapieren. Lassen Sie doch endlich los!!!

  Hü: Ich sollte wenigstens noch einmal versuchen, eine Gruppe zu finden wie die von London im „Martin Eden“ beschriebene „wahre Erdkrume“. Irgendwann habe ich, ohne es selbst zu bemerken, eine Art Gelübde abgelegt, in möglichst völlig inadäquater Umgebung „zu bestehen“. – Ich kann mich noch genau an die entsetzten Blicke etlicher Kollegen erinnern, als ich mich quasi freiwillig zu den Heizern strafversetzt habe. – Ich habe es nicht einmal ausprobiert, wie es sein könnte, in ermunternd zugewandten Gruppen zu agieren…

Hott: Herr Koske, wie oft haben Sie jetzt schon festgestellt, dass Leute, die Sie als Spießer abgewertet haben, in Wahrheit in einer Weise „geerdet“ waren, von der Sie bestenfalls ahnen können, wie Sie sich anfühlen mag? Haben Sie wirklich ernsthaft versucht, diese Leute, mit denen Sie zugegebenermaßen keinen gemeinsamen Zeichenvorrat zu haben scheinen, in der Tiefe zu verstehen?

  Hü: Hü!

Hott: Hott!

(usw.) (usw.) (usf.) Bla bla bla.

PS: Man könnte den Versuch wagen, die Gesamtsituation zu charakterisieren etwa mit den Worten, der Klient würde im Fühlen und Wollen ein wenig zur Ambivalenz neigen… – So. Jetzt sind es 1027 Worte – Tagespensum nach Mister Master London reichlich gepackt. Und? Hat wer was davon? Mitnichten! Bla.

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2 Antworten zu (… sie kam zu spät, die Pubertät…)

  1. Gisela Schall sagt:

    Hat wer was davon?
    Ja, erst einmal Du selbst. Denn Du hast diese „Prüfung“, wenn Du es so nennen willst (?) bestanden! Du hast Dein heutiges Ziel (oder eines Deiner heutigen Ziele(?)) erreicht. Deine Blogbeiträge sind in Worte gefasste Gedanken/Ideen/Überlegungen/Abwägungen/Einschätzungen. Und das machst Du sehr gut! Also bin ich der Meinung, Du kannst stolz auf Dich sein, Dir auf die Schulter klopfen und Dich für diesen Erfolg loben! Ein weiterer Schritt. Vorwärts!

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