KI – Dialog 5 (… Nicht-Tun ist nicht nichts tun, Herr K. …)

K: HERKOS IMAUFLU (Herr Koske, immer auf der Flucht)
II: IMI META (Imaginäre Instanz auf einer Metaebene)

I: Herr Koske, Sie wissen, warum wir an Sie herantreten?

K: Schon wieder! Sie treten doch gar nicht heran, Sie sind plötzlich da, esoterisch-mystisch-quantentechnisch…

I: Da hat sich wieder Einer fortgebildet und weiß nur nicht, wohin…

K: Ah – auch Sie arbeiten an Humor-Algorithmen! Faszinierend, wie Mr. Spock völlig zu Recht sagen würde! Aber – is‘ nur Viertelbildung, das ist ja das Problem. Außerdem und vor allem aber weiß ich natürlich, warum Sie, ha, herantreten. Ich bin dermaßen durchschnittlich und mittelmäßig, dass ich schon wieder repräsentativ bin. Richtig? – Richtig! Das hatten wir doch schon, Leute, ich bin doch noch nicht komplett senil!

I: Okay, so weit das übliche verbale Geplänkel zum Erreichen der Betriebstemperatur Ihres zerebralen Zentralrechners! Äh… – wie Sie sagen würden! Ja, wir passen uns an unsere Klientel an! Alles für das Wohl der Bewohner des dritten Planeten in diesem Solar-System! – Damit können wir ja versuchen, zu einer Art Thema zu kommen. Was geht, gibt es Neues? Lässt sie das Neue vielleicht gar aus der Klientel der Mittelmäßigen heraus treten, so dass wir Sie aus dem Fokus unserer Wahrnehmung heraus lassen können? – Sprechen Sie ungeniert von der Leber weg! Sie kennen das ja, freie Assoziation usw.

K: Eher von der Galle weg, sorry! – Was soll ich sagen?! Der Kleinbürger schwankt, wie Dr. Uljanow richtig bemerkte.

I: Sie sind mal wieder überzeugt, dass Leute mal wieder überzeugt wären, Sie würden Einen auf Lenin machen? Das ist jedoch nichts Neues! – Aber zwischen welchen Umkehrpunkten pendeln oder schwanken Sie denn, um in Ihrem Bild zu bleiben?

K: Tja, ich bin mehrmals täglich völlig meiner Meinung – aber es ist jedes Mal ’ne andere. – Was bin ich wieder kein Schelm, frei nach Heinz Ehrhardt gesprochen!!! – Ich sollte an der LMU zu studieren beginnen – ich sollte bei der Stadtreinigung anfangen. Ich sollte mich an der Fern-Uni Hagen einschreiben – ich sollte als Briefträger anfangen. Ich sollte ’n Studium an einer Fern-FH anfangen, wo ich jederzeit einsteigen kann, nicht nur zu Semesterbeginn – ich sollte es nochmal in diesem Unternehmen versuchen, das Alltags-Begleiter vermittelt. Ich sollte nach Berlin zurück ziehen – ich sollte die Gelegenheit nutzen, in dem einem Jahr, das mir hier im Boardinghaus bleibt, Kontakte zu knüpfen und zu halten und vielleicht sogar ein paar, igitt, Bindungen aufzubauen. Ich sollte mir einen „richtigen“ Fulltime-Job suchen, mit Unterkunft, auf dem Bau oder so – ich sollte in Rente gehen, denn das wird nichts mehr mit meiner Gesamtsituation. Ich sollte nach Hütte zurückziehen, weil da gerade wieder super Wohnungen angeboten werden – ich sollte mir hier im Großraum M eine dauerhafte Bleibe suchen, weil hier gerade wieder super Angebote für Marginal-Personen im Netz zappeln. – Meine Güte, wie poetisch! – Ich sollte nach New York durchbrennen und richtig von vorn anfangen, nicht wie 1983 in meiner Prenzlauer-Berg-Hütte – ich sollte hier in ein Wohnheim (zurück) ziehen, denn ich bin unrockbar und komme nicht mehr raus aus der Spur. Und hü und hott und hü und hott und hü und hott! Grässlich, kräftezehrend, pathologisch! Kurz gesagt – sie kam zu spät, die Pubertät!

I: … äh… – da hatten Sie schon einmal etwas angedeutet… Etwa des Inhalts, dass immer dann, wenn Sie therapeutische Begleitung suchen würden, und auch anzunehmen bereit wären, keiner erreichbar wäre. So was in der Art – erinnern Sie sich?

K: Da ist auch was, igitt, angedacht. – Ich wollte dieses beknackte Wort „angedacht“ schon lange einmal anbringen, und hiermit hätte ich nun. Ich meine – angebracht. Und weil ich gerade dabei bin – „therapeutische Begleitung“ is‘ ’ne Tautologie! Sorry, aber das musste jetzt raus, chch! Ja ja – zur Sache! Mit etwas Glück kann ich in ca. vier Wochen in ’ne Gruppe – aber ich sollte doch eigentlich mit diesen „Begleitungen“ durch Sozpäds oder gar Mitgliederinnen und Mitglieder des Freudeskreises Anna Lyse abschließen. Kurzum – siehe oben! Hü und hott! Trallala!

I: Da kann ich gleich wieder sinngemäß auf etwas zurück kommen, das Sie vor geraumer Zeit geäußert haben – …

K: Ja, ich nehme wahr, dass Sie mich wahrnehmen, voll cool, man hört mir zu, ich werde gesehen, Wahnsinn!!!

I: … – und zwar haben Sie sich bezogen auf die sozusagen Erdung durch ganz alltägliche, „banale“, „kleine“ Tätigkeiten. Nicht entfremdete Tätigkeiten, bei denen man sich spüren könne, gewissermaßen der Realität anhaften würde usw.

K: Wenn mir wer vor zwanzig Jahren gesagt hätte, dass es einmal der Höhepunkt meines Tages sein würde, mir eine veganymedizinisch hochwertige Mahlzeit zuzubereiten, dann hätte ich dem ’n Vogel gezeigt. – Also nicht, um ihn zu braten, den Vogel, aharhar! – Tja, und nu? Ich schnippele und häcksele und schäle und würfle und dünste und koche und brate vor mich hin, dass ich im wörtlichem Sinne unter einer Dunstglocke lebe.

I: Ja, das ist doch aber was! – Oder ist das nichts, zefix? Das ist doch neu und durchaus kreativ! Sie scheinen zudem die vegane Ernährung tatsächlich durch zu ziehen, was Sie sich sicher selbst nicht zugetraut hätten. – Sorry, aber ’n bisschen kenne ich Sie ja nun doch! – Ein neuer freier Bereich scheint sich aufgetan zu haben! Mit dem Schreiben und Samplen läuft ja bei Ihnen momentan gar nichts…

K: Das mussten Sie jetzt sagen, das war klar! Vielleicht sollten Sie über eine Fortbildung zum Kinder- und Jugendlichen-Therapeuten nachdenken! – Ja, es klemmt noch mehr als „gewöhnlich“! Sobald Leute auf meine Produktion reagieren, stelle ich die Produktion ein. Is‘ irre! Entspricht auch nicht einem oder gar dem Grundgedanken des Bloggens. Wahrscheinlich bewirken schon Kommentare im Blog eine Art Identitätsdiffusion… – Ich bin halt was ganz Besonderes, aharhar, außergewöhnlich edel gestört! – Sie müssen jetzt fragen, was ich jetzt wieder zu mache!

I: Ich zitiere Koske, sinngemäß – das Einzige, was ich wirklich muss, ist regelmäßig müssen, sonst kommt es zur Verstopfung!

K: Sie sind ja heute in Hochform – ein Update für den zerebralen Zentralrechner gehabt?

I: Nee, aber im Ernst – mit Essen Kochen und Essen Essen füllen Sie doch wohl nicht den ganzen Tag aus?

K: Ich schreibe seit fast auf den Tag genau einem Monat Morgenseiten nach Julia Cameron… Aber da ist wohl Schmu und Beschiss dabei! Ich schreibe die eben nicht, nachdem ich den Wecker vor meiner normalen Zeit zum Aufstehen habe klingeln lassen. Manchmal krakele ich erst nach dem Aufstehen um acht los. Ja, das Lotterleben der Unterschicht, ist ja gut! Ich weiß nicht, ob diese Grundübung dann wirklich wirkt. Schwester Gisela sagt, ja, sie würde wirken. Aber ich bin, Überraschung, misstrauisch. – Na ja, und dann war ich heute wieder einmal laufen…

I: Das haben Sie auch seit fast zwei Wochen nicht getan – Sie können mir es nicht übel nehmen, dass ich das jetzt nicht übel finde…

K: Ist so ähnlich wie – siehe oben… Der Tonio-Kröger-Effekt wirkt zudem immer einmal wieder! Was ausgesprochen ist, ist erledigt… Ich habe ein Posting gepostet über meine Hügel-Lauferei – und dann laufe ich nicht mehr. – Heute war ich übrigens nicht auf dem Hügel, sondern bin drumherum gelaufen, weil Luitpold ja eh‘ nicht da ist, wie erst etwa 22 Mal angemerkt. Äh… – aharhar!

I: So weit, so gut bzw. so nah dran, so ungut! – Sie haben Recht, ich scheine heute zur Hochform aufzulaufen! Ich bin mir sicher, dass Sie misstrauisch werden würden, wenn ich diese Frage jetzt nicht stellen würde – was meldet die Hauptverwaltung Budenzauber per Mental-Funk zurück?

K: Ja, was schon – das Übliche! ‚Komm, gib auf!‘, kam vorhin. Und dann immer einmal wieder, natürlich: ‚Er dichtet doch nich‘!‘ Tja – und das ist zutreffend! So lange ich nicht aus der Spur komme, tun die es auch nicht, wer immer „die“ sein mögen, bla!

I: Und täglich grüßt das Murmeltier-Regiment! Wieder scheint der Zeitpunkt gekommen, Schluss zu machen mit dem Versuch eines Dialogs! – Wollen Sie sich auch heute an etwas Abschließendem und wenigstens halbwegs Abrundendem versuchen?

K: Ja, ich will! – Har har har! Sorry! „Nun schon zur Tradition geworden!“, wie es in den Ost-Zeitungen bzw. Organen vor der Wende hieß, wenn etwas mehr als einmal stattgefunden hatte. – Natürlich kommt per Mental-Funk auch andauernd: ‚Kabarett!‘ Das nervt mich besonders, weil ich Tiefes und Ernstes vorzulegen wünsche, dermaleinst als junger Autor, also mit voraussichtlich 70. Zudem will ich kein Kabarett machen, wie ich auch erst etwa fünfzig Mal zierlich einzufügen wusste, weil das Fach der komischen Alten überall besetzt ist an den Lust- und Unlustspielhäusern in diesem unserem Lande

I: Gut, dann lassen Sie uns mit Ihren Worten schließen – häff fann!

K: Bla.

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