… mit meiner inneren Gruppe einen Betriebsausflug gemacht…

Trifonow hat von doppelter Befrachtung von Prosa gesprochen bzw. geschrieben. Das habe ich mit ca. 16 gelesen und mir schien, dass mit dieser These oder diesem Aphorismus, oder wie immer man diese Aussage nennen mag, auch etwa „Der Seewolf“ gewissermaßen gemeint sein könnte. Das Buch ist auf den ersten Blick ein Abenteuerroman, was ich nicht weiter erörtern muss. „Darunter“ oder „dahinter“ aber findet eine Auseinandersetzung zwischen Philosophien statt, und „Philosophien“ hier sowohl im akademischem als auch im lebenspraktischem Sinne. Zudem schien mir, dass die „Ghost“ ebenso wie „Der Zauberberg“ trotz fast nicht ausgeprägter denkbarer Unterschiede der Autoren eine pädagogische Provinz im Sinne Goethes wären, bei deren Durchquerung der Held eine bemerkenswerte innere Entwicklung vollzieht.

Okay, das mit der Philosophie ist nicht ganz auf meinem Mist gewachsen. Ich hatte im Nachwort gelesen, dass Jack London selbst ausdrücklich erklärt hätte, dieses Buch wäre für ihn auch eine Auseinandersetzung mit dem Dualismus oder der Dialektik von Individualismus und Sozialismus. „Sozialismus“ hier nicht im heutigem Sinne, sondern vor allem im eigentlichem Wortsinn, als Gegensatz zum Individualismus. Dieser Gegensatz hat London, was nicht überraschen kann, nicht nur als Schriftsteller umgetrieben, sondern auch als Mensch. Ich war übrigens auch hier, *hüstel*, schon immer im Widerstand, indem ich Londons Selbstmord angezweifelt habe, was jetzt immer mehr Wissenschaftler zu tun scheinen; dies aber wieder nur am Rande und nebenbei.

Die gewissermaßen Doppelbödigkeit, von der Trifonow geschrieben hat, schien mir dann viel später noch deutlicher beim Ansehen bzw. Lesen von „Dreamcatcher“ und „Duddits“ nach bzw. von Meister King.

Ich musste erst 40+ werden, um einzusehen, dass auch King ein Meister ist, obwohl er „nur“ „U“ schreibt, nicht „E“. Es ist mir bekannt, dass allgemein bekannt ist, dass diese Trennung vorzüglich, und immer noch, im deutschem Sprachraum vorgenommen wird, aber ich wollte zeigen, dass auch ich des prekären Sachverhalts gewahr geworden wäre, und hiermit hätte ich gezeigt.

Auf den ersten Blick, und dies natürlich gar im Wortsinn, sind Buch und Film Werke des Horrorgenres. „Dahinter“ oder „darunter“ aber ist, im eben oben erörtertem Sinne, der eigentliche „Horror“, und zwar die Einsicht, dass nach der Freundesgruppe der Kindheit und Jugend, vorsichtig ausgedrückt, nichts Vergleichbares mehr erlebt worden ist. Das aber scheinen viele Menschen zu kennen. Nein, ich projiziere nicht meine Situation oder Wahrnehmung, im Gegenteil bin ich ab etwa 12 in gewissem Sinn und Maße geistig weg getreten und zunehmend als Hospitant durch die sogenannte Realität geschlittert und geschlottert. Es ist auch mir auch heute noch nicht klar, ob dies auf die Symptomatik einer Störung des schizoformen Spektrums zurückzuführen war oder auf meinen zumindest halbbewussten Entschluss, in der Manier von Oskarchen Matzerath, den ich gar nicht kannte, nicht mehr mitspielen zu wollen, oder auf beides. Ich heble das vor allem von den Genossen Erziehungsberechtigten auferlegte Lebens- und Wachstumsverbot aus, indem ich es mir selbst auferlege und verschärfe. Dieses innere Ausscheren aber konnte nicht wirklich auffallen, weil meine Abweichung in gewissem Maße der Norm entsprach, da es ein ganzes Ministerium von Beobachtern gab, das die Atmosphäre der Gesellschaft bestimmte.

Was die Störung angeht, hat meine damalige Klassenleiterin wohl Einiges wahrgenommen; während eines Klassenausflugs hat sie heftig mit dem Zaunpfahl gewunken, um nicht zu sagen mit der Maschendrahtrolle. Allein, was hätte sie tun sollen? Es gab keine adäquate Therapie. Selbst Ammon mit seiner Dynamischen Psychiatrie, damals Avantgarde, hatte eben erst angefangen mit Versuchen, seine theoretischen Konstrukte in der Praxis zu erproben. Aber immerhin – ein bisschen bin ich gesehen worden; etliche andere Lehrer dagegen fühlten sich angegriffen und provoziert, obwohl ich eigentlich „nur“ bereits heftig abgedriftet war, wie es etwa Hesse im „Unterm Rad“ beschreibt. Das ging allerdings nicht so weit, dass ich im Unterricht Gesichte gehabt hätte wie Giebenrath, aber viel fehlte wohl nicht mehr. Hier zeigte sich zudem wieder eine gewisse „Rettungsfunktion“ von Literatur.

Das Kollektiv meiner Klasse vom viertem Schuljahr bis zum erstem Halbjahr des zehnten Schuljahres war die Gruppe, in der ich in meinem bisherigem Leben am längsten anwesend war, aber eben nur anwesend, nicht wirklich integriert. Ich war überwiegend freundlich geduldet, ich wurde mitgenommen, wie auch Schüler, die in der Zehnten noch nicht fließend lesen konnten usw. Ich war ja „nur“ emotional beeinträchtigt, und das war Psycho-Club und konnte weg.

Mit dieser sozusagen Vorgeschichte musste diese Serie voll rein knallen, und ich komme jetzt quasi, gnihi, zum Thema; vergib mir, herbe Dame Welt, ich kann nicht anders.

Ich habe mir in den letzten Tagen alle Folgen der Serie „Stranger Things“ rein gezogen, auf die ich zufällig (?) gekommen war, und das war mein stärkstes Filmerlebnis der letzten etwa 20 Jahre, hallelujah!

Den Horror habe ich dabei oft als etwas Akzidentielles gesehen, das allerdings die Wirkung oft folgenden befreienden Lachens verstärkt. Wirklichen Horror habe ich in meinen „Traumprüfungen“, und der ist dort fast immer etwas Atmosphärisches, nur ganz selten Mord und Totschlag mit fliegenden Fleischfetzen usw. Ich wiederhole mich, aber das ist altersbedingt, wie ich wiederholt anzumerken nicht vermeiden zu können überzeugt war. Ich halte es allerdings nicht für ausgeschlossen, dass jetzt wieder Leute glauben könnten, ich hätte „Horrorvisionen“, weil ich zu viele Horrorfilme sehen würde; korrekt, das kam gerade per Mental-Funk, aber Leute sind halt so und zum Glück bin ich kein Leut.

Film ist immer auch eine marktwirtschaftliche Unternehmung, mit der verkauft werden soll, weshalb es manchmal an ein Wunder grenzt, das dennoch und erst recht Meisterwerke entstehen.

An manchen Stellen hat man den Eindruck, und sicherlich man, nicht nur ich, dass die Dialoge von Woody Allen geschrieben wurden. Was mich überhaupt seit langem wundert, ist die traurige Tatsache, dass Noni noch nie bei Allen mitgespielt hat. Oder hat sie? Bin ich wieder desorientiert als Universal-Marginalperson, ach?

Endlich wieder einmal Noni!!!„Ooopa???!“ Aber der Hammer ist gerade, ich bitte meine polterprollige Phrase zu entschuldigen, dass die jugendlichen Helden alle oder fast alle von Laien dargestellt werden, die jedoch die Profis in vielen Einstellungen an die Wand spielen, mit Ausnahme eben von Frau Ryder sowie von David Harbour als Chief der örtlichen Polizei. Muaha – sorry! Der ist besonders sehenswert, liebste zu Recht zahlreiche Nichtleser; einen solchen Sheriff hatte es noch nicht in Filmen des jetzt leider von D. T. gebeutelten großen und coolen und grotesken Landes. Ein bisschen (Big) Lebowski mit Festanstellung…

Die Lektüre des Briefes von Chief Hopper an „Eleven“ aka „Elfie“, den er ihr nicht zu geben wagte, der ihr aber in der bisher letzten Folge als eine Art innerer Monolog vorgelesen wird, nachdem der Chief tödlich verunglückt ist (?), ist ab sofort auf Platz 1 meiner inneren Liste der Filmszenen zur Übung emotionaler Intelligenz für Schizoide und Schizotype. Das Fragezeichen, weil man nichts Genaues nicht wirklich weiß; sehr wahrscheinlich ist das ’n Cliffhanger und der Chief ist in Gefangenschaft beim Russen. Es ist eine weitere Staffel in Arbeit, yippieman wird das wohl noch aussprechen dürfen.

Ich war nicht überrascht, als ich feststellen konnte, dass die Serie, unter anderem, mit dem Screen Actors Guild Award für das beste Schauspielensemble ausgezeichnet wurde, ich war vielmehr heimlich stolz darauf, auch wieder einmal ein wenig verstohlen im Mainstream geplantscht zu haben, ha! Es könnte sein, dass Leben in Gruppen vielleicht doch das bessere Leben ist, und so weit wieder die Theorie.

Ach ja – so war Kintopp einmal gedacht; als etwas Zauberhaft-Märchenhaftes, das dennoch und erst recht immer wieder die sogenannte Realität erschreckend genau spiegelt, etwa im Sinne des Satzes von Dr. Feuchtwanger, Bücher wären zugleich Lügen und höhere Wahrheiten. Das Atmosphärische ist das Entscheidende, das sich schwer in Worte fassen lässt, dieses Bunte, von innen heraus Leuchtende, das für die „Kindheitsstimmung“ in Spielberg-Filmen charakteristisch zu sein scheint auch dann, wenn er nicht Regie geführt, sondern „nur“ produziert hat, und das in dieser Serie quasi konzentriert ist. Dass auf Teufel bzw. Demogorgon komm raus zitiert wird, war selbst für mich augenfällig, der ich die meisten Filme nicht kenne, bei denen sich Regisseure und Produzenten bedient haben.

So. Das musste einmal gesagt werden, ha! – Warum ich das aufschreibe? Es ist dies beileibe nicht als Rezension oder Kritik gedacht, vielmehr als manische Niederschrift bzw. Niedertippe eines unerwartet in süßem Entzücken Verzuckendem; wir bitten um Verständnis.

Ich kann nicht anders, ich platze sonst! Geltungsdrang, therapeutisch schwer erreichbarer Narzissmus – man kennt das! Lasst dem alten Ost-Koske doch die kleine Freude, ach!

Bla.

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