Nachtmahl im Chemieraum. Sowie weitere Gruselgrotesken.

Ja ja – ‚Kabarett‘… Aber warum nicht wieder einmal Träume aufschreiben? Besser als nichts – und besser als nichts Schreiben. Zwar kommt nichts raus beim Schreiben, aber ohne Schreiben kann ich nicht, ich habe es -zig Male versucht, ich armes, armes Ich.

Das Besondere war, dass die Träume heute tatsächlich lustig waren, jedenfalls zum Teil. Ich entsinne mich an mehrere Szenen, die allerdings nur einen Bruchteil des Traumgeschehens darstellen. Zuerst stand ich vor einem Schrank wie dem, in dem ich in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, meine Wäsche aufbewahre, und hatte nichts anzuziehen, was angeblich eine typisch weibliche Aussage ist. Das fand ich bereits im Traum ein bisschen komisch, obwohl der Schrank im Traum irgendwie im Freien stand. Allein – passt schon! „Frau Koske trägt die Post heut‘ aus/ ich hab‘ ihn schon gesehen.“

Ich bestehe die Prüfung, natürlich, nicht, ich finde vor allem keine Unterhosen, obwohl der Schrank weitaus „gefüllter“ ist als in der sogenannten Realität.

Dann etwas mit einer Gaststätte oder dergleichen, die in der Weise, wie es in Träumen oder Filmen möglich ist, gleichzeitig das Chemie-Kabinett der Schule ist, in der ich von der vierten bis zur zehnten Klasse lerne bzw. hospitiere. Ein Kellner verweist auf zahlreiche gefüllte Teller und Platten und schwenkt einige schwungvoll in Richtung der Gäste, die hinter den Schulbänken sitzen. Unter anderen sitze ich dort, während ich gleichzeitig die Szene beobachte; auch dies eine typische Traumkonstellation. Der Kellner ruft in der Manier eines Marktschreiers sinngemäß, fast wörtlich: „Hier haben wir Schniesel, Schnusel und Schnösel, und dann auch noch Schnüselsuppe!“

Ich erwache abrupt und kichere in den Raum hinein, in dem zur Zeit in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, die Tage vergehen, die auf Erden mir gegeben sind.

Wie gesagt – ‚Kabarett!‘ Dieser innere Zuruf, im Sprachgebrauch sogenannt normaler Menschen, wenn ich nach deren Wahrnehmung nicht gerade den Simulanten spiele, „akustische Halluzinationen“ genannt, erfolgt mit nervender Regelmäßigkeit seit Monaten.

Soll heißen, „ernstes“ Schreiben kriege ich nicht gebacken, ich bin komisch. Das macht mich wütend, obwohl ich durchaus weiß, dass es vielen Künstlern ähnlich geht, zum Beispiel Woody Allen, dessen trotzdem unternommene Versuche in der Manier Ingmar Bergmans nicht eben seine Meisterstücke darstellen. Aber wenn es einem Genie derart ergeht, was soll ich Würstchen dann jammern?

Trotzdem werde ich mich weiter an „Ernstem“ probieren, schon aus der „fanatischen Bosheit des Spießers“ heraus, Zitat Dr. Marx. Allerdings habe ich die bei etlichen Mitmenschinnen und Mitmenschen weitaus ausgeprägter erlebt, aber das am Rande.

Dann etwas mit einer Katze, die von der Alltagsbegleiterin gelockt wird, mit der ich im Wohnheim für marginale Männer sehr gute Gespräche geführt habe. Aber hier ist alles weg; ich sehe nur dieses Bild, wie die Frau vor dem Schnurrefix hockt. Seltsamerweise hat die wohnheimliche Favoritin ihre in der sogenannten Realität sehr schönen langen silbernen Haare in meinem Traum dunkelblond gefärbt, was vermutlich auf meine latente Misogynie verweist, har har…

Schließlich sitze ich an einem Tisch, und das könnte einer der Tische sein, an denen im Wohnheim werktags die Morgenrunden stattfinden. Ich zelebriere diesen Witz bzw. „Witz“, in dem jemand etwas „gerecht“ verteilt in der Art, dass er A etwas gibt, dann sich, dann B etwas gibt, dann sich usw. Das finde ich merkwürdigerweise im Traum lustig, aber der rechts neben mir sitzende Mann sagt in dem Ton, in dem man einen Tobenden zu beschwichtigen versucht: „Ist gut, Adolf!“

Das ist natürlich eine Verarbeitung der fürchterlichen Schuldgefühle, die mich jedes Mal übermannt haben, wenn ich von meinen Wutattacken gepackt wurde, zumal Hitler auch im Wohnheim war, was mir leider erst sehr spät eingefallen ist, andernfalls ich einige „Rückmeldungen“ besser verstanden hätte. Mindestens merkwürdige Rückmeldungen, denn zur selben Zeit habe ich gehört und „gehört“, dass ich auf Lenin machen würde… Dergleichen packt jedoch auch ein schwer an chronischer Chamäleonose Erkrankter wie ich nicht. Könnt Ihr Euch mal einig werden? Thx.

Ich kann nichts dagegen tun, mehrfach wöchentlich auf der Straße zu erleben, dass Leute, die ich noch nie gesehen habe, etwas zischeln oder brabbeln, wenn ich an ihnen vorbei gehe oder jogge. Wie soll ich denen begreiflich machen, dass diese „Anmerkungen“ im Vorübergehen größtenteils Übertragungen und Projektionen sein dürften? Das ist zwecklos; außerdem ist das Psycho-Club und kann weg.

Mein Vater hat immer wieder erzählt, in diesen stereotyp verwendeten Textbausteinen, wie sie für Kriegskinder typisch scheinen, dass sein Vater jähzornig gewesen wäre. Ich kenne meinen Großvater gar nicht…

Zudem fällt mir ein, dass die damalige stellvertretende Heimleiterin einmal sinngemäß angemerkt hat, dass ich in diesen Wutanfällen jedenfalls sichtbar werden würde. Na, Prost Mahlzeit!

Es ist ja nicht nur so, dass A. H. „als Mensch nicht auffindbar“ gewesen wäre, wie entweder Fest oder Fromm geschrieben hat, sondern dass dieses Phänomen einer gewissen Identitätsschwäche nach dem „Fallen des Vorhangs“, Thomas Mann, auch und gerade gewissermaßen am anderen Ende eines angenommenen Spektrums bearbeitet wurde, z. B. in der Prosa von Kafka oder in Musils „Mann ohne Eigenschaften“ usw. Bla.

Sollte mit dieser Traumprüfung getestet werden, ob ich wieder ins Wohnheim zurück könnte? – Der Budenzauber läuft ja immer neben und oft konträr dem, was in der sogenannten Realität passiert, in der momentan nicht nur ich überzeugt bin, dass ich gut aufgehoben wäre, wo ich gerade bin. Außerdem kommt seit Wochen per Mental-Funk: ‚Jetzt willa wieder hierbleiben!‘, was heißt, dass ich irgendwo hin wollen sollte, was aber wieder nicht gefunzt hat, weil ich wieder die entsprechende (Traum-)Prüfung nicht bestanden habe.

Tja – sehr witzig, das alles… „Die“, wer immer „die“ sein mögen, machen immer weiter mit ihrem Budenzauber, und ich mache auch immer weiter. – Auch ’n Lebensinhalt!

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26 Antworten auf Nachtmahl im Chemieraum. Sowie weitere Gruselgrotesken.

  1. Gisela Schall sagt:

    … Auch wenn die Sache an sich ernst ist – ,
    so hat Er mich doch während einer Arbeitspause mit den Schilderungen einiger Seiner Traumgeschehnisse und auch einiger Seiner Realitätsphasen sehr erheitert. Seid bedankt und habt einen erfolgreichen Tag edler Ritter!… *kicher*

    … Weitermachen!!! …

    LG

    • Herr Koske sagt:

      Teuerste!

      Wie schmerzlich lange verstrichen ist der tiefste aller Momente, da sowohl bereits eben oben Genannter als auch im Folgendem Endesunterzeichnender in seinem kargem zwar, aber doch auch gehaltvollem Bloghause nicht mehr die zierlichen Schriftzüge einer edlen Menschin aus dem Stammesgebiet der Macronesier vermittels sinnreich geschliffenen Lupensystems in sein empfindliches zerebrales Sehzentrum einzuschlürfen vermochte?! – Oder so ähnlich…

      Möge das Große Energiefeld Sie behüten!!!

      (… äh… – mir gehts gut… habe nachher um fünf ’n Termin beim Züchator… alles easy…)

      Jawohl!
      Corporal K. bittet, nach unten wegtreten zu dürfen!

  2. Gisela Schall sagt:

    nochmal… test test test…

  3. Gisela Schall sagt:

    da… nix…!

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