KI – Dialog 4 (… nach der Schulzeit begann er eine Leere…)

K: HERKOS IMAUFLU (Herr Koske, immer auf der Flucht)
II: IMI META (Imaginäre Instanz auf einer Metaebene)

K: Und?

I: Tja…

K: Eben!

I: Du liebes bisschen…

K: Sie brauchen das jetzt nicht testen – ich halte „so was“ noch ’ne Weile durch…

I: Das bezweifle ich nicht! Aber da ich Sie ein bisschen kenne, bin ich bereit, ja, gezwungen, auch nur von Ihnen unternommene Versuche zu fördern, spielerisch tätig zu werden… oder jedenfalls einigermaßen zwangfrei…

K: Das ist doch auch nicht auf meinem Mist gewachsen! Das is‘ ’ne dürftige Parodie eines jüdischen Witzes! Da sitzen welche auf der Bank und stöhnen und ächzen und seufzen und jammern. Das geht so eine Weile, bis einer der Typen einen vollständigen Satz hervorbringt, nämlich „Hören wir doch auf, über Politik zu reden!“ Har. Har. – Ist ja eben nicht witzich!

I: Mit anderen Worten – Sie versuchen neuerlich, die Weltpolitik für Ihr momentanes Durchhängen verantwortlich zu machen?! Sehr originell – das hatten wir in der Tat noch nicht! – Ich nehme das doch korrekt wahr, dass Sie gerade einen totalen Hänger haben?

K: Ja ja. – Das hat aber auch mit meinem exzessivem Gerenne zu tun. Sogenannte normale Bürger, wer oder was immer die oder das sein mögen, würden von „Joggen“ sprechen. Ich bin am Samstag ’ne Stunde gelaufen – und paar Tage später „merke ich was“, muskel- und sehnentechnisch. Hihi. – Auch würde ich das etwas anders formulieren, was Sie eben angedeutet haben. Ich bemühe mich, Interesse an mehr als meinem Bauchnabel vorzutäuschen.

I: Sagen Sie, wie ist das eigentlich, wenn Sie sich in dieser eben wieder getätigten Art mental selbst kasteien? Fördert das die Durchblutung wie bei der Selbstmassage mit Saunareisig? Erleben Sie eine Art präorgastische zerebrale Effekte? Es ist mir unverständlich, und nicht nur mir, wie Sie wahrscheinlich wissen!? Und übrigens – ich erwarte ja keine Antworten, das waren jetzt rein rhetorische Fragen – hatten Sie das mit dem Laufen bereits erwähnt.

K: Schon klar, aber mir ist hinterher noch etwas dazu eingefallen. – Wie üblich, müsste man hinzufügen. Treppwörter. Das kam mir heute Nacht, als ich wieder die Welträtsel in meinem armen altem Kopp gewälzt habe, hin und her und immer ergebnislos. Man könnte mich bei diesem „Verlaufen“, das mir am Samstag gleich zweimal passiert ist, als „verwirrte Person“ und so sehen. Dabei hatte ich „so was“ schon immer! Der kleine Junge, der vom Vater im Wald oder in der Stadt stehen gelassen wird. Das geht wohl auch nicht mehr weg. Das bitter Tragikomische ist halt, dass die Leute ja keinen kleinen Jungen sehen, sondern einen sinistren Graukopf. – Aber ich wollte vom Bauchnabel weg! Ich habe mich gefragt, wie viele Leute wohl wegen ähnlicher Phänomene in Heimen und dgl. als senil und eben verwirrt gesehen werden, obwohl die scheinbare Verwirrtheit ganz ähnliche Ursachen haben könnte wie eben in meinem Fall angedeutet. Trallala.

I: Trallala…

K: Ja – diese Füllwörter sind halt Versuche, den dozierenden Opa in mir ein wenig abzuschwächen. Früher hat man „Tandaradei!“ gesagt, später „Yeah!“ usw.

I: Diese Gedanken zu Senioren usw. scheinen zugegebenermaßen durchaus adäquat, da Sie ja ganz eventuell ab nächster Woche eine Maßnahme als Alltagsbegleiter beginnen wollen.

K: Ja, das ist quasi angewandte Dialektik! Wer seinen eigenen Alltag nicht derart geregelt bekommt, dass er ihn als real und sinnlich erfüllt usw. erlebt, sondern nur „runterschrubbt“, der hilft eben anderen bei deren Alltag, ha! Wer nicht gruppenfähig ist, gründet ’ne Familie. Usw. – Nein, das ist nicht nur zynisch!

I: Sind das nicht zu hohe Erwartungen, immer noch oder schon wieder?

K: Zieht sich auch durch. Ich hatte schon als Vierkäsebreit das Empfinden, es würde was nicht stimmen, ich wäre nicht richtig dabei bei dem, was ich machen würde, ich würde bei allen kleinen Dingen des Alltags nur quasi durchrennen. Am Ende hat man natürlich das Gefühl, gar nicht wirklich gelebt zu haben, sondern gewissermaßen Leben absolviert.

I: Wieder Bauchnabel… – Sorry!

K: Nee. „So was“ ist die „Unterdrückung“, nicht irgend etwas Materielles in der Außenwelt usw. Bla. Und das wird eben besonders deutlich, wenn „das Materielle“ einigermaßen menschenwürdig gesichert ist, wie zum Beispiel im sogenanntem realem Sozialismus. – Korrekt, der Klient sieht sich wieder als Umstürzler, im Auge behalten!

I: Erwähnen Sie jetzt bitte nicht wieder die Polizeiwagen, aus denen Sie angeblich ordnungsmächtig beglotzt werden!

K: Ob ich die erwähne oder nicht – sie fahren ja… „Wenn ich da lang gehe, steht da das Opernhaus?“ – „Wenn Sie nicht lang gehen, steht es auch noch da!“ Har. Har. Wer weiß, was da wieder von wem wachphantasiert wurde… Ich war ja im Haus der ewigen Kindheit zum Gespräch, und jetzt denke ich über Bombendrohungen nach usw. Nein, das ist nicht witzig! Aus Angst vor der eigenen Aggression nutzen Leute diejenigen als Sündenböcke, die diese Aggression destruktiv rauslassen. Die -zig tausend Leute, die ständig auf köchelnder Wut drauf sitzen, sind das Problem, nicht die armen Schweine, die irgendwann mit ’ner Knarre rumtoben. Aber es wird noch viel Wasser viele Flüsse herunter laufen, bis diese „Ressourcen“ in den Focus der Betrachtung rücken, nicht das Erdöl usw. Ja – „Ich bin ’n guter Mann/so lasst mich schon ans Ruder ran!“, Gundermann. Störungsspezifische Größenphantasien, generiert durch Isolation und Verlassenheit! Ha! Ich habe mich durchschaut!

I: Das klingt nicht nur nach sauren Trauben, das klingt nach dem Gefühl, etwas tun zu wollen – und nichts tun zu können…

K: Das ist es ja gerade! Habe ich doch schon des Öfteren angedeutet! Vielleicht ist es menschliche Reife, mit der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts des Irrsinns in dieser Welt umgehen zu können und noch einsehen zu müssen, „alles selbst hergestellt“ zu haben. „Falsch abgebogen“ bin ich ja schon mit 10 oder so, das ist nichts Aktuelles und hat auch weniger mit dem politischem System usw. zu tun.

I: Gibt es denn Momente, in denen Sie nicht hochgespannt bis überspannt sind und, sorry, ein bisschen die Seele baumeln lassen können?

K: Die kommen überraschend! Gestern lag ein Buch unten im Gemeinschafts-Raum mit Küche und Waschküche, mit ’ner Haftnotiz „zu verschenken“. – „Haftnotiz“ hat übrigens nichts mit Strafvollzug zu tun…

I: Betrachten Sie mich als erheitert trotz fehlender passender Mimik – ich spare somatische Ressourcen!

K: Na ja – und ich habe das Teil mitgenommen und zu lesen begonnen und musste feststellen, dass es sich weg putzen lässt wie köstlicher Früchtekuchen, hallelujah! – Allein, es handelte sich um Meyers „Bis(s) zum Morgengrauen“. Har. Har. Wieder mal Klischees im Kopp gehabt, ohne sie zu prüfen. Allerdings spielt hier auch wieder die bekannte Diskrepanz zwischen Buch und Film ’ne Rolle. Aus irgendwelchen Gründen habe ich mal irgendwo die Verfilmung, igitt, ein Stück weit gesehen, und fand die nicht so berauschend…

I: Es müsste nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn Sie jetzt nicht eine passende Theorie zum Thema entwickelt hätten…

K: Ich mache ja nichts – dergleichen rauscht von selbst durch meinen zerebralen Zentralrechner. Die Autorin ist, sagen wir – volumenmäßig keineswegs defizitär ausgestattet. Hoffentlich ist das jetzt politisch korrekt! „So was brauchen Sie, Herr Koske, richtig was zum Anlangen, nicht immer Ihre Nymphchen und Elfchen, hähähä!“ Und nun hat sie die ganzen sehnsuchtsvollen Elfenmädchenträume, die sie nie ansatzweise realisiert erleben durfte, in den Roman gearbeitet – daher die Anziehungskraft der Geschichte. Auch daher – das mit dem Vampirischen ist womöglich ein Versuch, das Animalisch-Triebhafte in Erotik und Sex zumindest mal anzusehen, das man oft nicht so gern wahrhaben zu wollen scheint. Bla. – Ich habe bisher nur ’n paar Kapitel gelesen…

I: Das klingt doch aber sehr nach sauren Trauben! Und, obwohl das jetzt womöglich noch klischeelastiger rüberkommen könnte – der Kritiker als Kritiker, weil er selbst nicht schöpferisch zu sein vermag…

K: Stimmt nur bedingt! Sehen Sie mal den Erfolg von „Shades of Grey“ und vor allem den Erfolg der Verfilmung! Auch hier das Animalisch-Triebhafte, über Jahrhunderte „züchtig-anständig“ verdrängt. Und dann habe ich einmal mit Verblüffung, ja, Entsetzen, ohne Ironie usw. gesagt, etwas über eine Sexarbeiterin gelesen, die ihre Vagina sozusagen zur öffentlichen Besichtigung freigegeben hat – die konnte sich vor dem Andrang kaum retten! Man muss sich das mal vergegenwärtigen, da defilierten nicht Pubertierende an der nackten Frau vorbei, sondern vor allem – Ehepaare. Männer, die viele Jahre lang mit einer Frau verheiratet waren, hatten noch nie wirklich eine Vagina „studiert“! Das haben etliche übrigens ausdrücklich in anschließenden Interviews zugegeben. Mit anderen Worten – nix saure Trauben, oder nicht nur, meine „These“ hat was, meine ich. – Womit ich auch, ha, wieder bei meinem Lieblingsthema bin – die „Unterdrückung“ ist nicht „im Außen“, im Materiellem, die ist im Psycho-Club, in den Wahrnehmungsmustern…

I: Bla???

K: Genau – das war das Wort zum Mittwoch! Ich werde Euch alle erlösen! – Eben kam per Mental-Funk: ‚Lebe wohl!‘ Ich sollte wieder was ganz Anderes tun wollen, als ich jetzt getan habe. Aber wie gesagt – das ist lautstärkemäßig runter gedreht, was ich nicht verstehe.

I: Okay – jetzt grüßt doch wieder das Murmeltier! Wir sollten vielleicht an dieser Stelle einen Punkt machen.

K: .

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