KI – Dialog 3 (… Herr K. probt Schritte zu mehr „Normalität“… und so…)

K: HERKOS IMAUFLU (Herr Koske, immer auf der Flucht)
II: IMI META (Imaginäre Instanz auf einer Metaebene)

K: Herr Koske, Wir begrüßen Sie zu einer neuen Woche in Ihrem Leben am Rande!

I: „Wir“? Pluralis Majestatis? Oder sprechen Sie jetzt auch alles mit Ihrer inneren Gruppe durch? – Ja, Wir hatten Stuhlgang, chch…

K: Was überspielen Sie jetzt wieder?

I: Das Übliche! Wieso packe ich es überhaupt, früh aufzustehen? Lohnt sich das noch in dieser Welt? Gibt es ein Leben vor dem Tod und welche Dresscodes wären dann verbindlich? Aber um wieder, *hüstel*, konstruktiv umzudeuten – nach der geflissentlichen Rezeption erster Morgen-Meldungen aus der Politik kann man doch gleich mal gut kacken! Sorry für meine Ausdrucksweise, aber diese verbalen Fäkahlschläge sind durchaus typisch für den posenden Polterproll…

K: Schon wieder ’n bisschen Größenwahn, schon wieder ’n bisschen Nabel der Welt. Und so. – Finden Sie nicht?

I: Ich hatte eher an Woody Allen gedacht, der aus „so was“ immer noch „was macht“… Warum soll ich noch Hausaufgaben machen, nachdem wir durchgenommen haben, dass das Weltall explodiert usw. Har. Har.

K: Machen Sie Hausaufgaben? – Ja ja, außer dem, was Sie gegessen haben! Ist ja schon gut!

I: Nö. Ich habe seit der fünften Lektion des Fernkurses Kreatives Schreiben nix mehr gemacht, trotz Bewertung mit „1 minus“. Das war im frischem Monat Januar, um mich in heinlichem Ausdruck zu üben. Das Thema war, *heftig hüstel*, „Dialoge“…

K: Ah. – Wieder Papa bestrafen. Oder immer noch.

I: Ich weiß nicht… Mir ist eingefallen, dass ich schon in der Schule alle Hausaufgaben „Nur husch husch!“ gemacht habe, wie gewisse Genossen Erziehungsberechtigten das zu formulieren pflegten. Ich war nicht wirklich dabei, nicht wirklich „da“, nicht wirklich „geerdet“ usw. Sozusagen Pflichterfüllung auf der Flucht.

K: Und damit sind Sie durchgekommen?

I: Bis zur Zehnten schon. Aber es gab immer Lehrer, die wahrgenommen haben, dass ich unter meinen Möglichkeiten geblieben bin und die mich das auch haben spüren lassen, obwohl ich immer zur sogenannten Leistungsspitze der Klasse gehört habe.

K: Demnach erleben Sie schon Kontinuität, nur eben nicht auf sonderlich konstruktive Weise? – Sorry!

I: Passt schon! Ihre Rückmeldungen kann ich durchaus rein nehmen, weil Sie schön weit weg sind, weil überhaupt nur imaginiert… – Man muss das doch mal aussprechen dürfen!

K: Gut, dass wir drüber gesprochen haben! Aber wie geht es nun bei Ihnen weiter, quasi mit der „Schule des Lebens“?

I: Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich bei Rentenantritt die Pubertät abschließen sowie als junger Autor vor eine erstaunte Weltöffentlichkeit treten werde.

K: Okay – mit so was war zu rechnen! Allerdings muss ich zugeben, dass ich dieses Mal nicht wirklich konkrete Antworten erwarten konnte, weil ich gar nicht konkret gefragt habe. Also – was sagt „Frau Doktor“, was sagt die Jobcenter-Managerin, was sagt der Diensthabende der Hauptverwaltung Budenzauber? Und hat sonst noch wer was zu sagen, und wenn ja, was?

I: Frau Doktor sagt, sowohl die Gumprechtschen Kernschatten als auch die lausigen Lymphozyten wären weniger geworden. – Also, „lausig“ hat sie natürlich nicht gesagt! Diese Benennung ist einer meiner weit über die Grenzen meines Schreibtisches hinaus bekannten paradox zwanghaften Versuche, Kreativität vorzutäuschen. „Sei spontan!“ usw. Die Jobcentermanagerin hat mich eingelullt und mir eine Adresse gegeben, an der ich morgen leibhaftig zu erscheinen teuflisch entschlossen bin, ha! Alltagsbegleitung, ambulant. Könnte gut gehen! Es gibt aber schon mehrere Bewerber. Der Klient Koske muss lernen, im spätkapitalistischem Existenzkampf zu bestehen usw., hurra! Die Mental-Funksendungen sind nach wie vor in Quantität und Lautstärke gewissermaßen runter gedreht und ich bin nach wie vor misstrauisch. Da muss was dahinter stecken – da muss noch ’n dickes Ende kommen, trallala! Mein Rücken sagt fast nichts, wenn ich wie am Samstag ’ne volle Stunde renne, meldet sich jedoch, wenn ich wie heute ’ne halbe Stunde durch die Stadt latsche. Ich bin mir nicht hinreichend darüber im Klaren, ob ich das dialektisch oder paradox finden soll oder muss. Das ist zwar auch nichts Neues, aber ich erwähne es der Vollständigkeit halber.

K: Sie wurden eingelullt? Geht jetzt Ihre Regression echt bis zur Schnullerbacke?

I: Ha – vortrefflich formuliert das! … äh… – ich kann das nicht erklären… Zeit meines Lebens bin ich immer wieder auf Frauen getroffen, und das wohlgemerkt auch schon lange vor dem Beginn einschlägiger Drüsenproduktion, in deren Gegenwart mir „irgendwie blöde in der Birne“ wurde. Auf ausdrücklich angenehme Weise! Ich höre auf zu zappeln, die Spannung lässt nach, körperlich und psychisch, die Fluchtimpulse ebben ab und ich stelle schier still vergnügt das Schnattern, Plappern und Schwadronieren ein, mit dem ich drohenden Kontakt abzuwehren versuche. Wahnsinn! Eine Art angenehmer Schwindel macht sich in meinem Gripskasten bemerkbar. – Ich kann es nicht besser beschreiben! Womöglich handelt es sich wieder einmal um eines der seelischen Phänomene archetypischer Art, von denen C. G. Jung gesprochen und geschrieben hat… Ich hatte mal ’ne Astronomielehrerin, deren Unterrichtsstoff ich immer zu Hause nacharbeiten musste, obwohl ich brennend an Astronomie interessiert war. Ich war in ihrem Unterricht wie besoffen.

K: Muss ich nach der Haarfarbe der Frauen fragen? – Nochmal sorry!

I: Nee nee – das scheint mit Erotik und Sex usw. eben nichts zu tun zu haben!!! – „Usw.“? Was soll das sein? Egal! – Ich habe dergleichen, wie eben schon angedeutet, bereits etliche Male als Vierkäsebreit erlebt, schon in der Vorschulzeit. Eine Art süßliches Weggetretensein ohne Jaktation oder Zufuhr mental illuminierender Substanzen. Womöglich wieder eine Art spontane nachholende Ich-Entwicklung, denn es scheint ja um etwas „Tiefes“, ganz Frühes zu gehen, bla.

K: Und versuchen Sie wenigstens, dergleichen zu genießen? Für ein paar Augenblicke Lebenszeit ohne Hatz und Flucht und Kasperei?

I: Nee, ich habe Schuldgefühle…

K: Das ist jetzt aber keine Nachricht! Das ist „Hund beißt Mann“, nicht „Mann beißt Hund“

I: Ich freue mich jedoch immer, wenn ich weiß, warum ich Schuldgefühle habe! – Oder hatte ich das schon gesagt? Das Alter, aber das habe ich auch schon gesagt. Die Frau im Amt war halbseitig gelähmt und ich habe mich geschämt, was keineswegs ungereimt erscheinen kann, weil die arbeitet und ich fauler Schmarotzer in sozialen Netzen zappele.

K: Wenngleich es auch für mich zunehmend ermüdend ist, dergleichen anzumerken – das ist wieder Ihr mentales sich selbst fertig Machen, von dem ich mich abgrenzen muss…

I: Sie haben natürlich Recht – „fauler Schmarotzer“ is‘ ’ne Tautologie… *hüstel*…

K: Okay, ich begebe mich in die nächste Dauerschleife unserer Dialoge, indem ich mich neuerlich bemühe, das Konstruktive zu betonen, zefix! – Sie sind am Samstag gleich ’ne Stunde am Stück gerannt?

I: „In der Tat!“, wie Teal’c immer zu sagen pflegt! – Ich habe mich verlaufen, *pubertierisch mädchenhaft kicher*. Ich muss hinzufügen, dass mir das dann ein paar Stunden später bei einem Stadtgang im normalem Tempo gleich noch einmal passiert ist. Man braucht wohl keine freudvollen Übungen mit Anna Lyse, um das zu deuten. – Vielleicht schaffe ich es in diesem Leben doch noch, raus aus der Spur und ins Freie zu kommen, ach…

K: Ich denke, das kann man mal so stehen lassen, das hat etwas verhalten, aber solide Enthusiastisches!

I: Ja, ich lege mich bisschen hin…

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8 Antworten auf KI – Dialog 3 (… Herr K. probt Schritte zu mehr „Normalität“… und so…)

  1. Gisela Schall sagt:

    „I: Ich freue mich jedoch immer, wenn ich weiß, warum ich Schuldgefühle habe! – Oder hatte ich das schon gesagt? Das Alter, aber das habe ich auch schon gesagt. Die Frau im Amt war halbseitig gelähmt und ich habe mich geschämt, was keineswegs ungereimt erscheinen kann, weil die arbeitet und ich fauler Schmarotzer in sozialen Netzen zappele.“

    Mir erscheint das allerdings ungereimt. Diese Frau arbeitet und ist halbseitig gelähmt. Das liegt nicht in Deiner Verantwortung und deswegen gibt es meines Erachtens keinen Grund, Dich zu schämen. – Du suchst eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Das bedeutet, Du bemühst Dich aktiv für eine Änderung Deiner Situation. Deshalb bist Du kein fauler Schmarotzer. Das ist für mich Realität. Hier und jetzt, so wie es eben ist.
    (Wer anderes behauptet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er/sie sich eventuell auch mal in einer solchen Situation wiederfinden könnte. Nichts ist unmöglich..♫•*¨*•.¸¸♪, alles ist möglich…)

    „Könnte gut gehen! Es gibt aber schon mehrere Bewerber. Der Klient Koske muss lernen, im spätkapitalistischem Existenzkampf zu bestehen usw., hurra!“

    Meiner Meinung ist das eine MÖGLICHKEIT, nicht ein Kampf, warum auch? Es gibt viele Möglichkeiten. Warum sich den Stress eines Kampfes antun? Wer sich manchmal verläuft, lernt neue Landschaften kennen. Und die sind manchmal schöner, als das, was auf der Zielgeraden liegt…

    „Sozusagen Pflichterfüllung auf der Flucht.“
    Wenn Du den Heimatplaneten gefunden hast, gib mir bitte Bescheid.
    Ich flüchte dann mit. LG und einen freundlichen Abend

    • Herr Koske sagt:

      … Gefühle sind Gefühle… die sind eben da oder nicht… und wenn ich an Straßenfegern vorbei laufe, bin ich auch beschämt und denke, ich sollte froh sein, wenn ich den Job kriegen würde… das kann ich nicht abstellen; wenn ich es könnte, wäre ich ’n Yogi oder wie der Job nun wieder heißt…

      Ja. Na ja… – Ich gebe ja grundsätzlich Bescheid…

  2. Gisela Schall sagt:

    (Eine der nettesten Familien, die ich in meiner Jugendzeit kennenlernen durfte und mit deren Tochter ich befreundet war, war eine Familie, deren Familienvater bei der Müllabfuhr gearbeitet hat. In dieser Familie habe ich Wärme und Zusammenhalt gespürt und mich wohl gefühlt. Das war so etwas wie ein Geschenk für meinen weiteren Lebensweg.)

    „… Gefühle sind Gefühle… die sind eben da oder nicht… “
    Ja – allerdings denke ich, dass „Scham“ in dem von Dir genannten Zusammenhang eine „Kreation“ des Verstandes ist.

    Nun frage ich mich, warum Du einerseits beschämt bist und andererseits froh sein könntest, wenn Du den Job eines Straßenkehrers bekommen würdest. Ohne diese Menschen wäre es schlimm bestellt in dieser Gesellschaft. Ich bin froh und dankbar, dass es solche Menschen gibt, die sich darum kümmern, dass es in den Strassen sauber ist. Sie machen einen großartigen Job. Vielleicht ist das nun aber nicht DEIN Job. Vielleicht bist Du eben für etwas anderes „angedacht“… ? LG

    • Herr Koske sagt:

      … eigentlich muss ich dazu nichts sagen (es ist ohnehin alles gesagt, siehe Zitat Valentin im Header)… es ging mir mitnichten darum, irgend einen Job abzuwerten, zefix, sondern um die Frage, wie lange ich nun eigentlich noch dgl. zelebrieren will, bei dem ich mit 20% fahre… oder so… Pflicht runter schrubben – irgendwann kommt das Wesentliche… aber was ist das Wesentliche… finde ich es für mich… gibt es das für mich oder war das von Anfang an ’ne Schimäre, als ich Hilfsarbeiten als Provisorium und Intermezzo gesehen habe… oder bin ich schon so lange weg vom „Hauptweg“, dass ich auf den gar nicht mehr zurück kann… Du musst jetzt nicht versuchen, Antworten darauf zu geben, das ist Energieverschwendung; ich muss selbst drauf kommen… und übrigens sind mir diese Gedanken zum erstem Mal gekommen bei der Wahrnehmung einer – Verkäuferin in einem Mini-Supermarkt vor ca. 15 Jahren… die strahlte dermaßen deutlich aus, dass sie ihren Platz (gefunden) hatte, dass da Leute irgendwelche Kinkerlitzchen gekauft haben, um eigentlich ein paar Minuten Kontakt zu der Frau zu haben… – das habe keineswegs nur ich so wahrgenommen…

      (… das war das Wort zum Freitag vom Koskator…)

  3. Gisela Schall sagt:

    „es ging mir mitnichten darum, irgend einen Job abzuwerten, zefix“
    Das habe ich auch nicht so verstanden. LG

    • Herr Koske sagt:

      … ich habe jetzt verstanden, dass ich mich verständlicherweise missverstanden fühlte, dass dies jedoch ein Missverständnis war…

      (… nach wie vor ringt der Klient um den Karl-Valentin-Orden in Weißbierdosenweißblech – wir bitten um Verständnis; die nicht vorhandene Redaktion…)

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