Immerhin – ich bin rein gegangen…

Da. Immerhin ’ne Viertelstunde. Vielleicht gehe ich nochmal hin. Es gibt da Bild- und Texttafeln, siehe Ausschnitt, und mindestens ein Dutzend Displays mit Kopfhörern. In Endlosschleifen erlebt man die Betroffenen, Überlebende im mehrfachem Sinne, bei ihren Monologen in die Kamera, die man über die Kopfhörer mithören kann. Viele sprechen Litauisch, vielleicht alle, aber es werden deutsche Untertitel eingeblendet; ich habe nur drei Kopfhörer aufgesetzt, jeweils für die Dauer nur weniger gesprochener Sätze, weil ich es nicht länger ausgehalten habe, vielmehr ich die Zähne zusammen beißen musste, um nicht loszuheulen. Gottchen nee – süüüß! Klein ewig Sohnimatz will doch noch Papa verzeihen – wird wohl nix mehr…

Ja, mein Zynismus ist eine Bewältigungsstrategie, mag sie auch noch so dürftig erscheinen. Das habe ich gerade dort gemerkt, denn die greulich-grandios oral history Praktizierenden hatten oft diese seltsame scheinbare Unbeteiligtheit in der Stimme, die ich von den stereotypen Textbruchstücken meines Vaters über seine Vertreibung kenne, damit sie überhaupt sprechen konnten.

Tja, und jetzt weiß ich wirklich nicht, ob ich gesponnen habe, ob die Sonne zu sehr knallte usw…

Mir schien, dass schon wieder was im Busch war. Ich meine, man merkt das ja auch als mit emotionaler Intelligenz nur dürftig Ausgestatteter, wenn plötzlich, sobald man sichtbar wird, das Gespräch verstummt, die Leute leicht bemüht locker zu plauschen vorgeben usw. Auch schien mir, dass ich von unten etwas gehört hätte wie, der, also ich, würde angeben, ostpreußische Vorfahren zu haben usw.

Was war geschehen? – Ich hatte einfach nur gefragt, ob die Ausstellung noch laufen würde und ob ihr Besuch kostenlos wäre, was der Mann an der Pforte bejahte; der war das auch nicht, der nachher unten stand. Hierauf bin ich in die erste Etage sowie majestätisch huldvoll durch die Räume geschritten, wie es meine Art ist, denn ich bin was Besseres.

Wie gesagt – ich bin mir nicht sicher, ob das real oder Schizofiction war. Wie mehrfach angemerkt, denn ich pflege alles mehrfach anzumerken, denn das ist Kundenpenetration*, wie wir Werber sagen, *hüstel*, ist ein entscheidender Unterschied zwischen Schizophrenen und Schizotypen, dass bei Letzteren die sogenannte Realitätsprüfung adäquat ist; zu Deutsch, ich merke, meistens, siehe eben oben, dass ich „spinne“.

Sollte ich nicht gesponnen haben, würde das eine Menge sagen. Da sind wirklich erschütternde Zeitdokumente versammelt, die selbst, oder gerade, dem sogenanntem Laien zeigen könnten, warum Leute wie ich, unter anderem, zu diesen seltsam überall Fremden wurden, die sie sind, ich armes, armes Ich. Aber diese Informationen werden – gesammelt, sortiert, geordnet, verwaltet… Möglicherweise sind diese Informationen auch anders nicht auszuhalten. Nichts Genaues weiß man nicht – empfehlen Sie mich bitte nicht weiter!

Bla.

* Damit ist nicht gemeint, dass man bei Männchen oder Weibchen seiner Gattung aufzuhucken versucht – sorry! Man muss das doch mal aussprechen dürfen!

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