Über das latente Wirken meiner eigentlich nicht vorhandenen Phantasie

Auch in meinem neuem Job werde ich oft nicht sichtbar… Hihi. – Sorry! Das heißt, ich sitze oft im Hinterzimmer, bzw. in einem der Hinterzimmer, das als Lager für die Artikel genutzt wird, die nach ihrer Durchsicht im Verkaufsraum angeboten werden. Es gibt auch noch im Keller ein Lager, an dem ich mich vorbei zu eilen bemühe, wenn ich im Keller bin, um dort zu husten oder zu lachen, denn ich will schließlich noch ein bisschen von dem Geld haben, das ich im Monat März dazu verdient habe.

Ich sitze dort, im Hinterzimmer, und sortiere vor allem Spielzeug, oder ich zähle nach, ob die auf den Packungen angegebenen Puzzle-Teile für Puzzles vollständig sind. Vor allem dieses Zählen ermöglicht mir ein adäquates Urteil über das Maß, in dem meine intellektuellen Fähigkeiten bereits altersbedingt eingeschränkt sind, *hüstel*…

„Ooopa?!!!“ Okay, okay! Ich bin beeindruckt – ohne Ironie! Was es da alles gibt, insbesondere an Tisch-Spielen und an Puzzles! Wenn ich zu meiner Zeit so was … – „Ooopa?!!!“

Das ist alles bunt, dass es Einem vor den Augen flimmert, und es sind Ideen verwirklicht, auf die man erst mal kommen muss, und selbst als Neuware sind diese Produkte durchaus erschwinglich auch für finanziell dürftig ausgestattete Mitmenschinnen und Mitmenschen. Hier im Laden gibt es sie ohnehin für die buchstäblichen paar Pfennige selbst dann, wenn sie, fachkaufmännisch formuliert, „wie neu“ sind, was nicht selten der Fall ist.

Gestern musste ich leider ein „Harry-Potter-Spiel“ wegwerfen, weil ein Spielstein fehlte, und ich habe vorsichtshalber dreimal gezählt. Es gibt offenbar professionelle Spiele-Entwickler auch im sozusagen Offline-Sektor, die jeden Werktag lang derartige Spiele planen, entwickeln, testen und prüfen usw. Natürlich bin ich neidisch und eifersüchtig, denn Neid und Eifersucht sind nun einmal gewissermaßen die emotionalen Grundwerte des wild gewordenen Spießers, aber das nur wieder am Rande, um diesbezüglichen Rückmeldungen per Mental-Funk zuvor zu kommen.

Tja – ich im Spielzeugwarenladen (?)… Äh – als Verkäufer, meine ich! Den Gedanken hatte ich schon einmal, und zwar unter Nutzung meiner erstaunlichen Einsicht, dass ich da, ohne Ironie, etwas nachholen könnte, in Klammern, und hiermit verlasse ich die ironiefreie Zone, Ammon hat gesagt.

Gleichfalls seit Längerem gehen Gedanken in mir um etwa des Inhalts, dass zum Beispiel Gorkis „Mutter“ deshalb ein Bringer* war, weil er sich mit dem Buch etwas erschrieben hat, das er nicht erleben durfte. Versteht das jemand? – Mir doch Wurscht! Ja ja, ich bin so was von eifersüchtig; lasst stecken, Schwestern und Brüder, ha, im Geiste, aua…

Natürlich spielen da wieder Klischees hinein! Der grauhaarige alte Knochen im Buchladen; „Die unendliche Geschichte“ beginnt mit einem solchem, wenn ich mich recht entsinne. Meine Lektüre des, aua, Buches ohne Ende, weil von Ende liegt 20 Jahre zurück, aber irgendwas is‘ ja immer. Der Spielwarenhändler in „Die Blechtrommel“. Alexander in „Fanny und Alexander“ bei seiner, hihi, Exkursion in den Keller. Usw.

Die Anmutung, wie es in der Werbung heißt, sorry, in der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, kann man sich wie in „Grand Budapest Hotel“ vorstellen, wenn man möchte, aber wer möchte das schon. Das Fossil wieder, in seiner Epochenverschleppung nach von Rezzori, ts ts ts. Nein, kein Tippfehler – das audiovisuelle Kommunikat heißt nicht „Grand Hotel Budapest“.

Was uns der Künstler damit sagen wollte? Seht doch gefälligst selbst nach, nämlich den Film an, ph! Ich habe mir, boah, den Streifen acht Mal hintereinander rein gezogen, Alter, dann hat mir der Besitzer der DVD diese weg genommen, worauf ich den Film im Shop zwei Türen weiter für 2.50 erworben habe, gnihi. Auch das Alter hält schöne Momente bereit, oder hatte ich das schon erwähnt?

Na ja… – Und im Sortier- und Zählhinterzimmer entfalten sich in meinem Kopf, denn ich mache ja nichts, mir geschieht alles, etliche kleine Szenen, die ich deshalb hier nicht in der Weise nachvollziehbar wiedergeben kann, wie ich es mir wünsche, weil es dabei, wieder einmal, weniger um den sozusagen sachlichen Inhalt geht, sondern um dieses Atmosphärische, das sich in Worten schwer erfassen lässt.

Ich müsste jetzt „nur noch“ solche Wachphantasien ernst nehmen, dann könnte ich ganz vielleicht richtig dichten.

… jammer, jammer, jammer… ist ja schon gut – ich verstumme… äh – nicht für lange, nicht zu früh freuen…

PS: Doch noch etwas zu diesem gewissermaßen Drang nach dem Absolutem an völlig abseitiger Stelle! Wieder musste ich konstatieren, dass ich auch bei diesem Job am liebsten ganz da bleiben würde, alle anderen Lebenswelten völlig ausblenden, in denen ich leibhaftig erscheine usw., und das habe ich schon als Vierkäsebreit immer wieder erlebt. Muss das aber unbedingt als irgendwie pathologisch oder jedenfalls abweichend gesehen werden? – Mitnichten, wie mich dünken möchte und denn auch in der Tat deucht! Dergleichen war einmal normal. Der Handwerker, siehe etwa Strittmatter, wohnte über seiner Werkstatt oder seinem Laden und dgl. und hatte hinten raus vielleicht noch bisschen Land und paar Verschläge mit allerlei Viehzeug und so. Selbst der Großbürger, siehe etwa „Buddenbrooks“, hat diese Variation der Einheit von Ort, Zeit und Handlung, in Klammern Aristoteles, in der sogenannten Realität als etwas Selbstverständliches wahrgenommen; die Comptoirs waren ebenso im Haus oder zumindest auf dem Grundstück wie die Warenspeicher, oder zumindest immer ein Teil derselben, desgleichen aber auch die Schlafräume, die Salons, die Herren- und Rauch- und Spielzimmer, die Küchen, die Bediensteten-Unterkünfte… Bla.

* Zitat Herr Herrndorf. Muaha! Meine Überzeugung verstärkt sich immer mehr, dass „Tschick“ noch besser ist als „Die neuen Leiden des jungen W.“ oder „Der Fänger im Roggen“. – „Falls das jemanden interessiert…“, wie H. Caulfield gesagt hätte. Im nächsten Leben habe ich auch ’ne Jugend, ha!

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