„Sie haben ein Recht darauf, Ihre Fühler auszustrecken!“

Das bemerkte die von mir bereits mehrfach erwähnte Dipl.-Psych. M. in den heilend hallenden Hallen des heiligen Joseph in Big B Weißensee, etwa 1998, zu einem Mitklienten, während Herr Koske in der Hoffnung, dass es nicht allzu sehr auffallen würde, nach der rothaarigen Krankenschwester schielte.

Eine der Stellen in meiner Laufbahn als therapieresistentes Symptombündel, an der ich, ohne Ironie, Sarkasmus usw. gesagt, verblüfft war bis zum Zustand der Sprachlosigkeit, der bei mir bekanntlich sehr selten auftritt. ‚Merkt die nicht, dass eben jemand vor ihr sitzt, auf den diese Aussage noch viel mehr zutrifft?‘, dachte es in mir. Nee, merkte die nicht. – Es geht wohlgemerkt nicht um den üblichen Wettbewerb in medizinischen, sozialtherapeutischen usw. Einrichtungen, aber auch darüber hinaus, wem es am schlechtesten ginge.

(… ja ja, ich war neidisch und eifersüchtig und habe es nicht wahrgenommen – lasst stecken, Leute, bitte recht sehr…)

Etliche Lebenswelten später bemerkte ein Chefarzt in spe, dass er Einiges würde ändern wollen, wenn er Chefarzt wäre, und ich habe natürlich nicht realisiert, dass ich es hätte als beträchtlichen Vertrauensbeweis sehen können oder sogar müssen, dass er mir als Patienten derartige Überlegungen anvertraute.

Das ist das Eine. Das Andere ist, dass der Mann einer derjenigen Mitarbeiter der DynPsych war, der am häufigsten die Wendung „Ammon hat gesagt!“ verwendete, bis zum gebetsmühlenartigem herunter Leiern, um dann, als er Chefarzt war, milde formuliert, Etliches rückgängig zu machen von dem, was Ammon etabliert hatte in seinem Hause, indem er einen Zaun um die Lehre errichtet hatte, damit die Lehre sich etablieren konnte, wie es bereits sinngemäß im Talmud steht.

(… das war wieder sehr durchsichtig, Herr Koske…)

Diese Zäune scheinen häufig die mindestens unangenehme Eigenart zu haben, sich von Schutz- zu Gefängniszäunen zu entwickeln, oft unmerklich, und manchmal materialisieren sie sich als Mauern.

Ich muss jetzt anbringen, dass ich mich mitnichten als Chefarzt, als Nachfolger von Ammon usw. sehe, auch nicht im Unbewusstem, wie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Rückmeldungen aus den Kreisen der professionell im Freudeskreis Anna Lyse Werktätigen lauten dürften. Um es auf den Punkt zu bringen, geht mich die Klinik einen feuchten Kehricht an, aber ich habe das Recht, meine Meinung zu äußern; manchmal hatte man den Eindruck, nicht nur ich, dass die Dynamische Psychiatrie mittlerweile eine Art eigene Verfassung hätte. – Da ist wieder das Problem der Parallelwelten, siehe letztes Posting.

Hätte ich meine Meinung öfter geäußert, anstatt sie runter zu schlucken, was eben nicht vorrangig mit Untertanengeist und Duckmäusertum zu tun hatte, dann hätte sich nicht ein derart starker Gefühlsstau entwickelt, dass ich 2008 nach Sturztrunk als Fast-Abstinenzler und auf nüchternen Magen in der Ambulanz randaliert hätte.

Das soll keine Entschuldigung sein, das ist ein Erklärungsversuch! Oben erwähnte Dipl.-Psych. M. bemerkte in diesem Kontext, nicht zu mir, Klappe halten würde nichts bringen. – Q. e. d.

Egal, besagter Herr und Doktor, eben im Begriff, seine neue Leitungsfunktion einzunehmen, erklärte, sinngemäß, er wolle sich als Chefarzt bemühen, in dieser Klinik eine Klientel zu therapieren, die intellektuell und kreativ tätig und entwicklungsfähig wäre usw. Wie gesagt, sinngemäß, und er fügte hinzu, das Haus solle weniger oder gar nicht mehr Zuflucht sein für Leute, die nicht wüssten, wohin mit sich und ihrer Problematik.

Wieder war ich sprachlos, und wieder kamen Gedanken in mir auf wie ‚Merkt der nicht, dass ein solches Würstchen gerade vor ihm sitzt?‘ – Nee, merkte der nicht…

An dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich während meines Klinikaufenthaltes 1999 wochenlang agitiert wurde, neu anzufangen und demgemäß Wohnung und Job in Big B aufzugeben, was ich schließlich tat, was ein schwerer Fehler gewesen sein könnte. – An dieser Stelle würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Rückmeldung kommen: „Sie machen wieder alles rückgängig, Herr Koske – das ist was ganz Altes, bringen Sie das in die Gruppe!“ usw.

Das ist nicht witzig oder zynisch gemeint, vielmehr es für einen Klienten einer Psychotherapie eine der kontraproduktiven Situationen sein dürfte, wenn er weiß oder zumindest ahnt, was als Nächstes kommen dürfte von, symbolisch gesprochen, hinter der Couch. – Übrigens hat bereits Freud diese prekäre Situation beschrieben, wiederum sinngemäß.

So weit wieder der Bericht an den Großen Imaginären Führungsoffizier (GIF)… böse Hobbitse, böse Hobbitse

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