Ich halte den Druck der Marktwirtschaft nur schwer aus

Heute zum Beispiel muss ich bis um zehn Uhr gekackt haben; sorry, man muss das doch mal aussprechen dürfen. Der Klempner kommt, wieder einmal, und geht nicht nur in den Keller, um zu lachen.

Seitdem ich hier eingezogen bin, habe ich einige Monde lang mindestens drei Mal in der Woche die Verstopfung beseitigt, die eine Mitmenschin oder ein Mitmensch durch Unmengen feuchter Tücher in einem der Kabinette zur Entsorgung von Stoffwechselprodukten verursacht hat, die sich auf dem Gang der Pension befinden; auf dieser Etage drei, nebst einem keramischem Sitz in einem Bad mit unverbaubarem Grünblick auf den Hof.

Nun bin ich weder Hausmeister noch Klempnergehilfe, aber viel krasser ist, dass womöglich ich, was mich natürlich echt überrascht hat, als der Verursacher des Tuchstaus angesehen wurde.

Ich habe vor einigen Monden, als ich ohrologisch unverstöpselt vor dem Spiegel stand, um mein ungewöhnlich schönes Gesicht zu bewundern, meine Zimmernummer gehört, demonstrativ laut gesprochen von einem Mitbewohner, der eben vor der Sanitärkapsel gestanden ist.

Ausstrahlung von Schuldgefühlen, die nicht verursacht werden durch eine tatsächliche Übertretung ungeschriebener und geschriebener Gesetze, sondern durch den Verstoß gegen neurotische Gesetze, oder auch nur den Versuch des Verstoßes, wie „Du sollst nicht versuchen, kreativ zu sein!“, „Du sollst keine Freude am Leben haben!“ usw. – Das war nicht die einzige Gelegenheit, bei der ich diesen sozusagen Mechanismus hier im Haus erlebt habe. Dass ich in diesem Kontext von „Mechanismus“ spreche, ist typisch männliche Denke, genau…

Ich armes, armes Ich… – Darum geht es überhaupt nicht, vielmehr ich immer wieder fasziniert bin, was Einige allerdings, und nicht zu Unrecht, leicht grotesk finden dürften, wie sehr das Unbewusste auch oder gerade jenseits der Couch wirkt. Auch würde Dr. Anna Lyse jetzt darauf verweisen, dass Küchen- und Klokonflikte darauf hinweisen würden, dass etwas unter der Decke wäre in der Gruppe, wobei sich allerdings natürlich die Frage aufdrängt, wo denn hier ’ne Gruppe wäre, bla. Aber das jetzt rüber zu bringen, ist noch unmöglicher als in therapeutischen Kontexten, und überhaupt ist das alles Psycho-Club und kann weg…

(… ich habe auf die Uhr gesehen – etwa fünf Minuten hat es gedauert, bis ‚Kuckuck!‘ kam… ich bin beeindruckt, Frau Weltgeistin, ich bin beeindruckt, sehr gute Arbeit… Sie werden befördert zur Oberweltgeistin; liegen Sie bequem auf der Sonnenbank…)

(… ‚Er dichtet doch nich‘, er dichtet doch nich‘!‘Ihr könnt mich mal… ich weiß, kleiner Arsch ist schnell geleckt… aber gut, dass wir drüber gesprochen haben…)

Soweit wieder der Anscheißerbericht an den Großen Imaginären Führungsoffizier (GIF)! Ich gehe jetzt wieder spazieren, damit die Leute denken, ich würde arbeiten gehen, aharhar. Wer aber sind „die Leute“? Korrekt – immer die Anderen! Und – denken Leute? Wir bleiben dran, wir berichten!

PS: Im Augenblick bin ich wieder in einer „No-Answer-Phase“, was Emailverkehr und dgl. angeht; das hatte ich auch schon des Öfteren, und die Weltgeistin beeindruckt mich dermaßen, dass ich sie zur Beförderung zur Haupt-Weltgeistin vorschlagen werde bei… – ich weiß auch nicht, bei wem. Es muss ja immer noch‘ ne Meta-Ebene geben! Meta, bleib auf Deiner Ebene!

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3 Antworten auf Ich halte den Druck der Marktwirtschaft nur schwer aus

  1. Herr Ösi sagt:

    „Heute zum Beispiel muss ich bis um zehn Uhr gekackt haben.“

    Ich sehe vor meinem geistigen Auge Legionen von Schriftstellern, die verzweifelt, manchmal Jahre und Jahrzehnte tüftelnd, nach dem idealen, optimalen, einzigartigen Satz zum Beginn eines Romans suchen, den sie aber nie finden werden.

    Und du, scheinbar mühelos und ungewollt, schreibst ihn einfach hin … 😉

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