„Arrogante Wessis“ und so. Zur „Umdeutung“. Von Ost-Koske.*

Das scheint nicht immer, aber häufig, eine Umdeutung, mit der die bessere Fähigkeit, und Bereitschaft, sich abzugrenzen, benannt bzw. „benannt“ werden sollte. Sozusagen komplementär dazu scheint die angeblich menschlichere Gemeinschaft von Ossis in Wahrheit eine deutlich symbiotische Gruppierung im regrediertem Zustand gewesen zu sein, was Biermann auf den Punkt gebracht hat mit der sinngemäßen Behauptung, die DDR wäre ein großer Kindergarten gewesen…

Allerdings scheinen Wessis oft nicht zu realisieren, dass es Menschen gibt, die Dinge tun, weil sie überzeugt sind, dass sie getan werden müssten, und nicht, um die Frage zu stellen, was sie dafür kriegen; diese Beobachtung habe mit Sicherheit, immerhin aber nicht mit Staatssicherheit, aharhar, nicht nur ich gemacht.

Das scheint mir jedoch nicht die einzige sozusagen gängige Formulierung, die mindestens fragwürdig sein könnte.

Zum Beispiel ging die Bezeichnung „Wendehals“ meiner natürlich ungeheuerlich arroganten Meinung nach am Problem vorbei. Die Betreffenden haben sich mitnichten gewendet, vielmehr sie den Fokus ihrer Wahrnehmung auf andere Sachverhalte gerichtet haben.

Es geht darum, und das ist womöglich ein menschliches Grundbedürfnis auf einer geistigen Ebene, zu der Gruppe gehören zu wollen, die man im eigenem Soziotop als maßgeblich ansieht. Das hieß vor der Wende, in die Partei eintreten, unterschreiben, wenn ein Genosse Tschekist kommt usw. Nach der Wende hieß das dann, als Beispiel, Immobilien makeln, ein Finanzberatungsunternehmen gründen usf.

Das Wesentliche in diesem Kontext könnten jedoch nicht die sachlichen Inhalte der täglichen (Werk-)Tätigkeit sein, sondern halbwegs tragfähige Gruppenstrukturen mit halbwegs geklärten Beziehungen.

Apropos Beziehungen – besonders dieses Wort ist fast immer negativ besetzt; fast immer ist man empört, wenn man über die Beziehungen spricht, die Andere angeblich oder tatsächlich hätten usw.

Ich sage nicht, dass es der einzig sinnvolle Lösungsversuch wäre, aber ich erlaube mir anzumerken, dass man auch versuchen könnte, sich Fragen zu stellen wie: „Warum habe ich eigentlich keine Beziehungen? Warum scheine ich überhaupt unfähig, Kontakte zu knüpfen außerhalb der mir durch die Umstände zugewiesenen Personenkreise wie Mitschüler, Kameraden Gefechtsschlampen, Kollegen usw.? Und, vor allem, diese Kontakte zu halten! Wann und wo ist mir verboten worden, auf andere Menschen freundlich-offen zuzugehen, so dass ich schon gar nicht mehr spüre, ob und wann ich das überhaupt will usw.?“

Scheiße aber auch – dann stehe ich, voll ausgelastet, mit der Hand an der Nase vor dem Spiegel, nix mehr mit „Die Flüchtlinge!“ und „Merkel muss weg!“ usw. usw. usf.

(… schon wieder Psycho-Club – der hatse echt nich‘ alle…)

Ich sagte, ich könnte, und „ich“ ist hier nicht nur als gewissermaßen rhetorische Figur, sondern als Person gemeint, insofern ich als solche erlebbar scheine, *hüstel*. „Sie sind nicht sichtbar geworden, Herr Koske – kommen Sie in die Tanztherapie!“Das wird es sein, genau!

So weit wieder die Theorie! – Der heutige Klugschiss to go wurde Ihnen präsentiert vom alten Kind Ron aus Iron Hut City!

* Ich hatte erst „Undeutung“ getippt; alter Falter – freud Euch des Lebens!

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