Mit August Bebel ins 21. Jahrhundert

„Bewegung? Bewegung???“ – Frau Wagenknecht, ich schenke Ihnen zum nächsten Weihnachtsfest dieses Büchlein von Klemperer; dann verkloppt mich zwar der Oskar, proletarisch-zupackend, aber egal, Hauptsache Körperkontakt!

Immer dasselbe – die wirklich menschliche Ebene wird ausgeklammert; „Wir sind kein Psycho-Club!“, sagt ihr Kollege Genosse Dr. Gysi. Dass in Deutschland kein Aufstand, bzw. „Aufstand“, zustande kommt, scheint mir nicht daran zu liegen, dass alle Leute, wie ich, klar, Duckmäuser und Untertanen oder auch „nur“ resigniert sind usw., sondern weil es in D immer noch Leute gibt, in deren Leben noch der erste Weltkrieg hinein wirkt, beispielsweise, subtil, aber tiefenwirksam. Es hat in D im XX. Jahrhundert mehr Bewegung und „Bewegung“ gegeben als in fast allen anderen Ländern; daher die auch oder gerade psychische Immobilität. Siehe etwa Pispers; so und so viel Prozent der Wähler lehnen Mutti ab, aber ebenso viel wählen sie wieder, chch, sorry! Es waren 60 oder 70 %, die genaue Zahl ist in diesem Kontext nicht wichtig. Das ist jedoch nicht „schizo“, wie Pispers meint, wobei er, wie üblich, und da ist wieder der „Psycho-Club“, „gespalten“ im Sinne von „dissoziativ reagierend“ meint, sondern dahinter steckt die Sehnsucht nach Kontinuität in einer Welt, in der immer schneller und immer heftiger alles um und um gewirbelt wird, weswegen immer einmal wieder heftig Zäune und Mauern gebaut werden, im wörtlichem und im übertragenem Sinne. Sehnsucht nach Stillstand, von der ausgerechnet Herrndorf schreibt. Etwas soll bleiben in einem globalem Dorf, in dem nichts bleibt, wie es ist, und nichts ist, wie es scheint. Bla.

Wirklicher Fortschritt wird nicht gehen ohne etwas wie „therapeutische Kultur“, Zitat Maaz; wäre toll, wenn sich das mal rumsprechen würde… (Hier ist ja der Haken, d. h., mein Dilemma; da ist ja der „Budenzauber“, aber es hat sich als sinnlos erwiesen, das auch nur erörtern zu wollen). Dass man endlich, endlich, endlich, nach Jahrtausenden Technik, Technik und nochmals Technik, mit dem leidenschaftlichem Engagement, mit derselben genialen Kunstfertigkeit in Kopf und Hand usw. usf., mit der man etwa Auto-Motoren baut und wartet, sich einer Kultur des Kontakts, der Beziehung und Bindung widmet. – Mich muss das beschäftigen, denn ich bin eine Kontaktniete und eine Bindungsnull usw., und zwar keineswegs nur aus eigenem Verschulden, ich habe da Druck, und auch das ist dialektisch, was ich jetzt nicht lustich gemeint habe.

Was wollte uns der verhinderte Dichter damit nun sagen? – Er sieht sich, im Unbewusstem, als Parteivorsitzender! Einsamkeit und Verlassenheit generieren Größenwahn… Alles klar! Kämpft man schön!

PS: Aber hier noch die Umdeutung der Woche: „Ick fühl mir nich‘ isoliert, ick seh mir als Einsamkeitsforscher!“

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