Paradoxes Marketing

Fast immer gelingt es mir, dem von rasenden Werbetrommel-Bataillonen erzeugtem gewittrigem Dröhnen* zu widerstehen und Bücher nicht zu lesen, Filme nicht zu sehen usw., die gerade in, angesagt usw. sind, sondern erst das Abklingen der Dröhnung abzuwarten. Das hat was! Die Wahrnehmung nach der Werbepause der eben angedeuteten besonderen Art kann dann Spuren eigener Meinung enthalten.

In Dave Eggers „Circle“ bin ich auch nicht rein gekommen, nachdem die erste Verkaufsförderungs-Euphorie der Rezensenten abgeklungen war. Gestern jedoch habe ich mir „Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?“ aus einer der Stadtteilbibliotheken geliehen, die mit meinem plötzlichem leibhaftigem Erscheinen ständig rechnen müssen; ein bisschen Größenwahn muss sein in dieser unserer dynamischen usw. Postmoderne! Ich habe das Buch in einem Zug gelesen und musste mich zusammen reißen, um nicht laut zu lachen – was sollen denn die Leute denken?

Da kidnappt Einer, und nahezu gewaltfrei, mehrere in der öffentlichen Wahrnehmung oder auch nur in seiner eigenen prominente Leid-, Streit- und Zeitgenossen, unter anderem einen Astronauten, einen Kongressabgeordneten und auch, Gipfel der Realsatire, die eigene Mama, gnihi.

Er unternimmt dies jedoch nicht, um Geld zu erpressen oder was dergleichen kriminellenergetische Interventionen mehr sind, vielmehr er von den an Pfeiler eines riesigen verlassenen Militärkomplexes geketteten Quasi-Geiseln authentische Auskünfte zu teilweise existentiellen Fragen zu erzwingen versucht.

Wenn einem solche Plots einfallen, kann man Schriftsteller werden, Herr Koske…Schnauze, Über-Ich!

Die Pointe ist für mich, natürlich, denn ich bin anders als all‘ die Andern, eine von den Intentionen des Autors und mit einiger Sicherheit auch von der Wahrnehmung der meisten Leser sehr abweichende. Was uns der Autor sagen will, hat, will Uns bedünken, bereits Thomas Mann im „Zauberberg“ erörtert, und zwar besser.

Ich bin wieder bei einem meiner Lieblingsthemen! Seit dem „Fallen des Vorhangs“, Th. M., gab es kein wirklich neues „Stück“; zu den im grausig-grotesk mehrfachem Sinne gewaltigen Inszenierungen in Braun und Rot muss ich nichts sagen.

Bla.

* Ist das nicht poetisch? Sollte jetzt nicht ein kleiner literatloser Preis zum hier Essen drin sein?

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