Solomonica de Winter – „Die Geschichte von Blue“

Andere haben ihre Begeisterung nach der Lektüre ausführlich beschrieben, weshalb ich das nicht auch noch tun muss. – Wie war das? Es wäre schon alles gesagt, nur noch nicht von allen? Karl Valentin, wenn ich mich recht entsinne, und ich muss die Frage anhängen, wer sonst.

Mein für mich wichtigster Gedanke in diesem Zusammenhang ist der, dass ich eine meiner Thesen bzw. „Thesen“ bestätigt gefunden habe. Kunst scheint immer auch der Versuch, Bereiche der Wirklichkeit zu integrieren oder zumindest zu verstehen, die nicht den eigenen Prägungen, Konditionierungen, Erfahrungen usw. entsprechen. Das heißt, es geht um Heilen im Wortsinn, um heil machen, ganz machen. – Hat das jemand verstanden? Mir doch Wurscht!

Noch nie habe ich diese These bzw. „These“ derart intensiv bestätigt gefunden wie durch dieses Buch. „Intensiv bestätigt?“ – Egal, ich bin kein Diplom-Autor!

Die Autorin ist aus gutem Hause, aus behüteten und sicheren Verhältnissen oder wie auch immer man das nennen mag. Ich glaube, es wird klar, was ich meine. Nicht unerwähnt kann man in diesem Kontext lassen, dass beide Eltern erfolgreiche Schriftsteller sind. Das ist unabhängig von Neid und Missgunst ein völlig anderer Ausgangspunkt als bei Leuten, die sich ihrer Lebenswelt gemäß verrückt vorkommen, weil sie Künstler werden wollen.

Umso erstaunlicher ist das Ergebnis. De Winter schreibt geradezu farbenprächtig, und genauer als die darin Lebenden es könnten, über eine Lebenswelt, die ihrer eigenen nicht nur nicht entspricht, sondern dieser geradezu konträr entgegengesetzt ist. Siehe meine eben oben angedeutete These vom ganz machen durch Kunst.

Interessant bzw. „interessant“ für mich ist, dass ich hier ein meisterinnenhaftes Beispiel für reifes, weil symbolisches Handeln zum Beispiel durch Kunstproduktion statt Ausagieren erlebe. Die Autorin schreibt, wo zum Beispiel ich zu „leben“ versuche. Ich könnte Abenteuer erleben, indem ich Reisen, Fallschirmspringen, Segelfliegen usw. würde. Stattdessen bin ich arbeits- und obdachlos geworden, und das ist mein „Abenteuer“.

Bei der typischen Neurose befriedigt der Organismus ein Bedürfnis, das im Bewusstsein nicht erkannt wird, auf verhältnismäßige Arten und Weisen, die mit dem Selbstbild übereinstimmen und damit bewusst akzeptiert werden können. Fast wörtlich zitiert von einem Therapie-Pionier, dessen Name mir entfallen ist. Wie gesagt habe ich Angst vor Alzheimer, aber ich vergesse die immer wieder.

Ich bin passiv-kontemplativ bis zum unsichtbar sein Wollen. Ein Epoché-Mensch aus dem realem Sozialismus, wie mehrfach verwundert angemerkt. Ich handle nicht aktiv, mir geschieht alles. Ich trainiere nicht in einer Extremsportart, als Beispiel, um an Grenzen zu kommen, sondern „gerate“ durch Arbeits- und Obdachlosigkeit an Grenzen. Usw.

Soweit wieder die Theorie…

De Winter agiert nicht aus, ganz unten, am Rand usw., sondern schreibt über Menschen ganz unten, am Rand usw. Eine Lösung zweiter Ordnung, symbolisches Handeln statt konkretes bzw. konkretistisches usw. Es gibt etliche Leute, insbesondere Leutinnen, die behaupten, Männer würden überhaupt nie erwachsen, wären bindungsunfähig usw. Letzteres trifft in meinem Fall zu. Jedenfalls ist die Autorin, die dieses Super-Buch mit 17 geschrieben hat, weitaus reifer als, zum Beispiel, ich.

Natürlich frage ich mich, ob ich das auch sagen würde, wenn die Autorin eine grauhaarige Dicke mit Hornbrille und spätestpubertären Hautirritationen im Gesicht wäre und nicht diese biblische Schönheit. Ja, ich bin ein sexistischer Frauenfeind und Antisemit, ist ja gut bzw. schlecht! Schwanz ab, weg Sperren!

Zudem erinnert sie mich äußerlich sehr an meine Ex. Ich lüge hier allerdings wie gedruckt, denn ich hatte noch nie eine Partnerin, wie Mitglieder der dauerhaft kommentierenden virtuellen Diensteinheit DAUKOVIDI aktuell herausgearbeitet haben. Ich erwähne zudem nicht, wen von Beiden ich für schöner halte.

… soll noch Einer sagen, Literatur würde nichts bewirken, ha…

Dies der heutige Klugschiss von unten!

PS: Ich habe den Roman zum zweitem Mal gelesen. Beim erstem Mal war ich vom Marketinggetöse derart zu gedröhnt, dass ich nicht richtig in das Buch hinein gekommen bin. Das passiert mir immer wieder, obwohl ich eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt sein sollte. Man ist im Alter mental nicht mehr so elastisch!

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