Das war jetzt wohl eine „Antwort“…

Zumindest eine Art Antwort auf meinen gestrigen Versuch, im Blog den Spuk zu beschreiben. – Zu meinem gestrigem Posting kam übrigens kurz nach dessen Upload eine Rückmeldung, ‚Netter Versuch, Gollum!‘ Ein Kommentar erübrigt sich.

Ich war heute im Traum möglicherweise in einer Klinik oder dergleichen. Ich unterlasse es zu erwähnen, ob ich bestanden habe.

Dann war da ein Gespräch mit einer jungen Frau, die offensichtlich für eine Mitarbeiterin der WG stand, in der ich zuletzt als überall Fremder hospitiert habe. Das war eine Grundszene – Verdrehung ins Gegenteil. Die Frau schien überzeugt, dass ich high life in the city praktizieren würde, das Leben in vollen Zügen genießen, womit nicht Fahrzeuge des ÖPNV oder der Deutschen Bahn gemeint sind. Das Gegenteil ist der Fall, natürlich. Es gibt Tage, viele Tage, an denen eigentlich nichts passiert ist, an deren Ende ich aber dennoch froh bin, sie überstanden zu haben.

Etliche Therapeuten arbeiten bewusst mit solchen Szenen, die unendlich variiert werden. Natürlich erinnert das an Freuds berühmte Maxime „Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten“. Wer nicht durcharbeitet, wiederholt und wiederholt und wiederholt, und – rrrrrumms… Vertreter der Dynamischen Psychiatrie würden hier monieren, es gäbe als Viertes und Vollendendes noch „Wiedergutmachen“. Dazu sage ich jetzt hier nichts. Ich war ohnehin noch nie wirklich dynamisch.

Einige therapeutische Schulen sprechen gar von Skript, als von einer Art Lebensdrehbuch, dem man folgen würde, leider eben meist unbewusst.

Der „Plot“ meines Skriptes scheint sich in einem frühem Erlebnis zu zeigen. Als etwa Sechsjähriger wollten mich einige Gleichaltrige verprügeln, weil ich angeblich einem ihrer Kumpels ein Loch in den Kopf geworfen hätte. Das hatte ich nicht nur nicht, vielmehr man mir im angesprochenem Zeitraum ein Loch in den Kopf geworfen hatte.

Das wiederholt sich, immer wieder. Ich bin wochenlang besoffen – ich habe keinen Tropfen getrunken. Ich bin von der Stasi – ich war nicht einmal Kandidat der SED. Und so weiter und so fort. Nein, es geht nicht ums Jammern – wo soll ich denn noch hin und mein Leid klagen? Also mülle ich das Netz zu. Hier liest eh‘ kaum wer, so dass ich die allseitige Entfaltung kapitalistischer Persönlichkeiten nicht behindere.

Als solcher Kandidat, der nicht einmal Kandidat war, habe ich mich übrigens 1988 an der Humboldt-Uni für Soziologie beworben, süüüß! Ist das, was ich hier gerade betreibe, eigentlich schon Gedankenflucht oder noch freie Assoziation? Egal! – Die Nossinnunnossen müssen sich scheckig gelacht haben. Es gibt aber sicher einige Leute, die vermuten, dass Koske und Soziologie zusammen passen könnten. Damit habe ich jetzt sarkastische Untertreibung der Sonderklasse praktiziert.

Aber das war noch nicht die Pointe. Die bestand darin, dass ich beim Eignungsgespräch abgelehnt wurde mit der Begründung, ich hätte zu wenig praktische Erfahrung. Erst einige Zeit nach der Wende ist mir aufgefallen, was das für ein Quatsch war. Ich hatte zum Zeitpunkt der Bewerbung bereits in einem halbem Dutzend Jobs gearbeitet und war damit deutlich über dem Durchschnitt des DDR-Bürgers.

Dieser Widerspruch ist mir überhaupt nicht gekommen. „Mauer im Kopf“ scheint mir gar nicht der passende Ausdruck für dergleichen. Da wirkt, glaube ich, noch irgend etwas Anderes.

Warum schreibe ich das jetzt auf? – Ja, lieber so was schreiben als gar nichts, zefix! Kein Tag ohne Word-Datei oder wie die alten Lateiner sagten, *hüstel*… Wenn ich das wirklich einmal Tag für Tag beherzigen würde! Ich tippe allerdings mit OpenOffice, aber das merkt ja keiner. Außerdem werde ich goldlockiger Jüngling vielleicht doch noch erlöst, ach.

So weit wieder die üblichen zynischen Witzchen, die sich in den letzten Jahrzehnten als halbwegs brauchbares Überlebensmittel erwiesen haben. – Krass, „Überlebensmittel“ wird nicht als Fehler angezeigt. KI im Schreibprogramm? Wir bleiben dran, wir berichten.

Aktuelle Rückmeldungen von der Hauptabteilung Budenzauber? Das Übliche! ‚Gar nicht mehr schreiben!‘ Leuchtet ein – ich dichte wieder nicht, ich berichte nur wieder.

‚Jetzt will er wieder hierbleiben!‘ Das heißt, ich sollte wieder irgendwo hin wollen und habe es vermasselt. Allein diese Rückmeldung habe ich jetzt etliche tausend Male erlebt. Hier wirkt eine irre Art Dialektik. Wenn ich etwa nach wochenlangem zugetextet Werden mit Rückmeldungen wie ‚Will nich abeitn! Will nich abeitn, weilla Abitua hat!‘ und dergleichen entnervt aufgebe und auch nur die Website des Jobcenters aufrufe, kommt sofort im gequält stöhnendem Ton ‚Jetzt willa wieda abeitn!‘

Dieses angeblich psychotische Dilemma erinnert in der Tat an Koans. Merkwürdige „Symptomatik“, oder sagte ich das bereits?

Eben kam übrigens ‚Jetzt willa wieda ’n Roman schreim!‘Hat was, ohne Ironie!

Mal sehen, wie lange ich das noch durchstehe. 32 Jahre lang tue ich es schon. Ich frage mich, ob alle die Leute, die mir tanten- und onkelhaft schulterklopfend „Ratschläge“ geben, dergleichen auch nur 32 Wochen ertragen hätten.

Ich mache nicht mit! Selbst in Jefremows rot-utopischem Roman „Das Mädchen aus dem All“ gibt es eine Insel des Vergessens, auf der die leben, die nicht mittun wollen beim großem Werk. Wo ist bitte diese Insel?

So. – Noch was? Nee.

Dieser Beitrag wurde unter Budenzauber, Nabelbohrungen, Traumtanz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.