Schizo-News von ganz neulich

Im Traum am Sonntagmorgen bin ich minutenlang mit einem Rucksack auf dem Rücken durch eine Stadtlandschaft gewandert. Die war ziemlich verwinkelt, aber ein Alt-Neubaugebiet, kein Gründerzeitviertel oder dergleichen.

Dann habe ich bemerkt, dass ich über dem Rucksack eine AK 47 trug. Die haben alle wahrgenommen, es hat jedoch keiner reagiert, als wäre es selbstverständlich, dass jemand mit ’ner Kalaschnikow durchs Wohnviertel ziehen würde. Vermutlich war das Traumquartier ein Wohngebiet der Genossen Tschekisten.

Ein paar Stunden später bin ich dann in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, in den Waschsalon gegangen, um meine männlich-herben Dessous usw. vom Staub der Postmoderne zu befreien usf. Die Klamotten hatte ich in einem umgehängtem Einkaufsbeutel sowie in einem Rucksack.

Um die Ecke vom Waschsalon habe ich mir ’ne „AZ“ gekauft. Aus diesem Printmedium konnte ich entnehmen, dass am Sonntag sowohl Dr. Waalkes als auch Cat Stevens 70 geworden sind, dass eine Demo gegen Verhetzung stattgefunden hat und dass dieser Sonntag der zweite Jahrestag des Amoklaufs im OEZ war.

Damit dürfte mein Traum mit dem Rucksack und der MPi erklärt sein. Jaha, ich kann in die Zukunft sehen!

Das ist der „witzige“ Teil oder der zynische. Ernsthaft gemeint ist die Frage, an wen man sich wenden solle, wenn Einem solche Zufälle bzw. „Zufälle“ wie der eben oben beschriebene Dutzende, ja, hunderte Male widerfahren. Man geht zum Psycho-Club, um sich selbst als krank zu denunzieren? „Weil, so schließt er messerscharf/nicht sein kann, was nicht sein darf“? Dieses Zitat von Morgenstern trifft den Sachverhalt, obwohl ich es aus dem Zusammenhang gerissen verwende.

Ich bin in einem beschissenem Dilemma. Ich weiß genau, dass ich nicht spinne, simuliere, psychotisch reagiere usw. Das will oder kann aber niemand nachvollziehen, vor allem die Damen und Herren des Freudeskreises Anna Lyse nicht.

Das verstehe ich sehr gut. Wenn sie als „real“ auch nur in Betracht ziehen würden, was ich ihnen unzählige Male ebenso verbissen wie vergeblich zu verklickern versucht habe, dann müssten sie ihren Job aufgeben. Die Budenzauberer machen rund um die Uhr Therapie in vivo, nicht Therapie in Schutzräumen wie Kliniken, therapeutischen Stationen, psychoanalytischen Praxen usw., womit Letztere sich eigentlich erledigt hätte.

Vor allem aber fürchte ich, igitt, ganz tief drin, dass die Budenzauberer die wahre Erdkrume sein könnten, von der Jack London im „Martin Eden“ geschrieben hat. Die Gruppe, die ganz da, ganz im, igitt, Hier und Jetzt anwesend ist. Die Leute, die wissen, was läuft, und zwar im globalem Maßstab, nicht nur, was die angesagte Schuhmode usw. betrifft. Die Leid- und Zeitgenossen, die den Durchblick haben durch das, was man Zeitgeist usw. nennt.

Wie schon mehrfach beschrieben, halte ich das Bedürfnis, zu einer solchen Gruppe zu gehören, für ein Grundbedürfnis des Menschen. Meinen Widerstand gegen den Budenzauber sehe ich daher als Ausdruck meiner Spießigkeit, der neurotischen Fehlkonditionierung usw. Es gibt aber auch immer wieder Momente, in denen ich diesen Widerstand für schier heroisch halte, aber diese Momente sind selten.

Diese Notizen sind völlig sinnlos, aber, igitt, besser als nichts.

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