„Hält sich für ’n Schriftsteller, weilla Tagebuch führt, hähä!“

Das kam vorgestern Abend per Pseudo-Hallu von unten. Pseudo-Hallus bedeuten, dass da tatsächlich Leute sind und auch tatsächlich reden, aber ich nicht das höre bzw. „höre“, was sie reden, sondern etwas gegen mich Gerichtetes. Ich nehme immer wieder an und bin mir manchmal sogar sicher, dass das gemacht wird und gar manches Mitglied des Freudeskreises Anna Lyse würde dies als psychotisch sehen. Rational ist mir klar, dass dieses Geschehen nicht geschehen kann, denn entgegen immer einmal wieder angedeuteter Meinungen halte ich mich nicht für den Nabel der Welt. Aber ich erlebe das alles und noch viel mehr trotzdem in der eben angedeuteten Weise, und das geht seit 32 Jahren. Um auch das gleich zu relativieren, beeile ich mich hinzuzufügen, sehr wohl davon unterrichtet zu sein, dass es viele Leute gibt, denen es entschieden schlechter geht.

Ich schreibe dergleichen trotzdem immer einmal wieder auf, obwohl ich -zig Male erfahren musste, dass dieses Petzen nichts ändert. Das ist wahrscheinlich in der Tat die „fanatische Bosheit des Spießers“, von der Marx gesprochen hat. Dr. Gysi hat eben dazu ermuntert, sinngemäß, Marx gewissermaßen befreit von Verfälschungen durch ostblockierte Ideologen zu betrachten, und das ist ja mal was Neues, da ist noch keiner drauf gekommen. Aber auch ich arbeite dran, ha! Hier sieht sich der Klient, im Unbewussten, neuerlich als Vorsitzender von irgendwas. Die geflissentliche Hinzuziehung geneigter Fachschwestern, rothaarig angenehm, scheint jedoch nicht vonnöten.

*Hüstel* Sehr witzig, Herr Koske! – Man wird diesem kleinem Scheißer die Witzchen schon noch austreiben, hähä…

(… ich führe gar kein Tagebuch… und ich halte mich auch nicht für einen Schriftsteller… schön wäre es, wenn ich mal in Gelassenheit etwas Ganzes schmieden könnte, „Tonio Kröger“ – genau, das mannhafte Zitat musste jetzt sein… egal… wahrscheinlich meinte die mein dürftig möbliertes Blog-Häuschen… es war ’ne Sie… in den allermeisten Fällen erfolgen die Rückmeldungen per Mental-Funk oder durch Pseudo-Hallus mit männlichen Stimmen, was die klassischen Analytiker als externalisiert-verselbstständigt drohendes und strafendes Über-Ich deuten dürften… aber das zählt heute nicht mehr, heute ist alles Hirnbiochemie, ha…)

Mittelkürzlich hatte ich über die in meinem Alter mindestens seltsame Erkenntnis geschrieben, dass ich mir immer etwas vorgemacht hätte mit dem Glauben, ich hätte nie, wie viele andere Kinder, imaginäre Freunde gehabt. Vielmehr musste ich nun erkennen, mich häufig ausschließlich an imaginäre Kommunikationspartner zu wenden.

Heute hatte ich einen Traum mit einem echtem Gespenst, wie ich ihn nicht einmal als Vorschulkind erlebt habe. Es scheint in der Tat nie zu spät für eine Kindheit, ha! Ich habe versucht, meine Zimmertür von innen zu schließen und das funktionierte nicht. Dann aber tippte mir wer auf die Schulter, und als mich umdrehte, sah ich da eine Art schwarzen Rauch mit den Konturen eines Menschen wabern und weben und schweben.

Bezeichnend ist, dass ich schon im Traum diese rauchige Erscheinung entschieden weniger gespenstisch empfand als die Atmosphäre der ewigen Prüfungsszenen, die ich nie bestehe. Außerdem ist mir kurz nach dem Erwachen der Witz eingefallen, in dem ein Sohn seinen Vater fragt, was paranoid und was schizophren wäre. Der Vater antwortet, paranoid wäre man, wenn man die Klotür abschließen würde, obwohl man sich sich sicher sein könne, allein in der Wohnung zu sein, schizophren aber wäre es, wenn man dann jemanden von außen an die Klotür klopfen hören würde. Har har – Lachen einstellen, nach unten weg treten!

*Hüstel* – Um das nicht verschließen Können der Tür zu deuten, braucht man keine freudigen Übungen mit Anna Lyse auf der Couch…

Bla. – Wieder nicht gedichtet, wieder nur berichtet; ich komme nicht mehr raus aus der Spur… Unrockbar, der Typ, aber es gibt Schlimmeres, siehe oben.

In der Nacht zu gestern wurde mir geträumt, dass mich jemand in einen kleinen Laden hier in der Straße einladen würde, wobei mit „Laden“ eine Kneipe oder dergleichen gemeint ist und zudem sich in der sogenannten Realität an der geträumten Stelle keine solche Männer-Tränke befindet. Ich habe mich als sensibles Mädchen heftig gesträubt, wie ich es in der sogenannten Realität wahrscheinlich gleichfalls getan hätte.

Dies war einer der seltenen Fälle, in denen Traumprüfung und sogenannt reales Leben unmittelbar aufeinander folgten. Gestern hat mich in dem Bereich, über den man sich geeinigt hat, dass er die Realität wäre, ein ehemaliger Nachbar aufgesucht, um mir ein paar Euronen zurückzubringen. Das fand ich sehr anständig, zumal ich längst verdrängt hatte, dass ich Kohle hatte rüber wachsen lassen. Sie nannten ihn Euronald, gnihi! Ein Marginalpersonen-Begleitungsbeauftragter jedoch hat mich darauf hingewiesen, dass ich mit dem Mann doch einen Kaffee rein drehen könnte; Kaffee deshalb, weil der Mann ein Alkoholproblem hat. Das habe ich aber nicht gemacht und ich wollte auch erst gar nicht ins Foyer schlurfen, um den Geldrückgeber zu treffen. Siehe Traum! Unrockbar, nix zu machen mit Ost-Koske…

Tja… – Was soll der Scheiß, mit Träumen aufschreiben usw., in einer Welt, in der es immer öfter knallt und an allen Ecken und Enden? Nun, ich bleibe dabei, dass das „nach Innen gehen“ konstruktivere Lösungen ermöglichen oder jedenfalls befördern könnte als, wieder einmal, diverse Daumenschrauben anzusetzen usw. Aber das ist Psycho-Quatsch, und den will keiner, und ich projiziere ohnehin, denn ich bräuchte nur ’ne Frau und ’ne Wohnung und ’n richtigen Job, dann würde ich das alles anders sehen, bla bla bla…

Blubb.

(… „richtig schreiben“ kann ich nicht, aber ganz ohne, wie ich es gerade wieder einmal, zum zweihundertfünfundachtzigstem Mal oder so, versucht habe, geht auch nicht… macht ja nix, den Scheiß liest eh‘ kaum wer, so dass von Behinderung des gesellschaftlichen Fortschritts mitnichten die Rede oder Schrift sein kann… trallala…)

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