Grund- und zielloses Durchkommen. Oder so ähnlich.

Freudlos von Freud erfüllte Fehlleistungen häufen sich, zum Beispiel schreibe ich „Uns so weiter!“ statt „Und so weiter!“. Und so weiter. Ich scheine in der Tat an der Kantehoffentlich geht das nicht wieder nach hinten los…

Bla. – In den Medien habe ich eben eine Meldung gefunden, dass man, „die da“, „die da oben“, ha, ernsthaft über ein Grundeinkommen nachdenken würde, was mich, ohne Ironie usw., verblüfft hat. Nach Äußerungen wie „Das Internet ist für uns alle Neuland!“, Dr. Merkel, oder „Wir sind kein Psycho-Club!“, Dr. Gysi, hatte ich eigentlich aufgegeben, daran zu glauben, und zwar unbewusst und deshalb umso wirksamer, dass Äußerungen und Handlungen von Politikern etwas mit dem zu tun haben müssten, was Menschen in den Gruppen umtreibt, die von eben diesen Politikern vertreten werden sollen. Das ist nicht nur lustig, denn genau in diese „Lücke“ springen dann die Leute von der AfD usw. – Ich beeile mich hinzuzufügen, dass Frau Merkel aus den zum Teil heftigen Reaktionen auf ihr mindestens seltsames Statement eindeutig gelernt zu haben scheint. Ja ja, auch Politiker sind nur Menschen, ach herrje…

Eigentlich habe ich seit drei Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen…

Allerdings tritt hier das, ohne Ironie, persönlichkeitsspezifische Paradoxon auf, dass ich noch nie so wenig Geld zur Verfügung hatte, nämlich monatlich etwa 117 Euro plus ca. 20 Euro vom 1-Euro-Straßefegen, und jetzt zum erstem Mal im Leben was zurückzulegen beginne. Aber das ist sehr subjektiv, das ist eindeutig mein Problem, ich bin nur bedingt realitätsdienstfähig (brd), und das scheint nicht therapierbar.

Wo ist das Problem bei Arbeitslosigkeit und den Folgen? – Mein Problem ist nicht, dass ich seit vielen Monaten keinen Döner und kein Eis mehr gegessen habe, selbst bei, um zum „Luxus“ zu kommen, gebrauchten Büchern und DVDs rechnen muss, erst recht nicht mehr beispielsweise ins Kino gehen kann, die üblichen Versuche der Kontaktanbahnung und Partnerwahl endgültig abhaken muss und so weiter und so fort. Dem Himmel sei Dank habe ich endlich meine realen Lebensbedingungen meinen lebensgeschichtlich bedingten inneren Barrieren angepasst, hurra! Das wirkliche Problem von Arbeitslosigkeit scheint mir darin zu bestehen, dass selbst Ottilie Normalverbraucherin durch das heraus Fallen aus Rahmen und Mustern des normalen Lebens als Arbeitnehmerin gezwungen ist, sich mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz auseinandersetzen, die bisher durch von außen erfolgte Strukturierung ausgeblendet wurden; was soll das Ganze, was will ich eigentlich in und mit diesem Leben usw. usf.

Konkret heißt das bei mir, dass ich weniger sauer bin, und zwar allerdings auf mich, nicht auf Flüchtlinge, die Regierung, die usw.*, weil ich einsehen muss, einen großen Teil meines Lebens verplempert zu haben, indem ich mich in Hilfsarbeiten abgerackert habe, um, im Unbewussten, meine Eltern zu bestrafen, so dass ich jetzt unabhängig von Krankheit mit 50+ kaputt bin. Vielmehr kriege ich voll ’n Hals, weil ich die Zeit nicht genutzt habe, um Litauisch zu lernen, Blender zu lernen, einen Roman zu schreiben usw.

Zumindest in diese Richtung geht auch, über meine Person hinaus, mein nur scheinbar boshaftes Gysi-Zitat. Zu meiner anhaltenden Verblüffung, nicht ironisch gemeint, hat Gerhard Schröder als Bundeskanzler in einer Rede vor Arbeitnehmern des integrierten Hüttenwerkes in Eisenhüttenstadt sinngemäß erklärt, diese Arbeitnehmer könnten stolz sein auf das, was sie geschaffen hätten und im mehrfachem Sinne in Betrieb halten würden, und zwar auch schon vor der Wende. Ich hätte nie gedacht, dass der Mann dergleichen äußern würde.

Natürlich war die DaDaeR auch eine in der Geschichte einzigartige Bemühung, und man hat dabei, in großen Teilen, die Befreiung von Unterdrückung realisiert, für alle adäquate Wohnung, Werktätigkeit, Nahrung, Kleidung usw. zu erreichen. Aber das war eben die Basis, von der aus man zu der Ebene hätte übergehen sollen, die den Menschen als Menschen ausmacht, die geistige Ebene, die Ebene von Kontakt, Beziehung, Bindung, Kommunikation usw., mit der ein Mensch das gewissermaßen Säugetierische im Sinne Fromms** transzendiert.

Der Liedermacher Gerhard Schöne hat das, und lange vor der Wende, in einem seiner Songs auf den Punkt gebracht mit den sinngemäßen Worten, man hätte nun eine Lehrstelle, ein Moped, eine Freundin – war da noch was? Schöne selbst hat das Problem gelöst, indem er gläubig geworden ist; schön für ihn, nicht zynisch oder „witzig“ gemeint.

Mit anderen Worten und lapidar oder banal oder wie auch immer gesagt – ein bisschen mehr „Psycho-Club“ scheint für die Befreiung von vernunftbegabten Wesen mindestens angebracht, wenn nicht notwendig. Wie ich schon mehrfach anmerkte, verblüfft mich immer wieder aufs Neue das Paradoxon, dass unsere kapitalistischen Menschen sehr viel von dem tun scheinen, was vielleicht hätte getan werden sollen, um aus dem „realen Sozialismus“ einen realen Sozialismus zu machen. Der Markt der Übungen für bessere Selbstwahrnehmung, für höhere Kommunikationsfähigkeit, für mentale Fitness überhaupt boomt, von Eso bis seriöse Therapie.

(… und nun wieder, schon zur Tradition geworden – ich sehe mich nicht als Retter, als Gesellschaftstherapeut, als Eurokanzlerin usw. usf., auch nicht im Unbewusstem… bitte weiter sagen… danke…)

So weit das Wort zum Karfreitag vom unterem Rand der Gesellschaft! Kämpft man schön!

** Hier wünscht der Klient gelobt zu werden für seine ausgezeichnete Selbstwahrnehmung.
** Nun schon zur Tradition geworden hier der Hinweis, dass ich natürlich den Sozialphilosophen meine, nicht den Produzenten des nach ihm benannten Spezialgummis zur Befruchtungsvermeidung.

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