Unzulässige Psychologisierung des unerhörten K. (3)

Immer wieder gibt es Momente, in denen ich denke, jetzt würde es hacken, jetzt wäre es so weit, dass ich völlig abheben würde usw. – Was hier „usw.“ heißen soll, weiß ich auch nicht, aber es klingt gut.

Beispielweise habe ich vor etwa einem Mond geschrieben, dass ich Weinstein für einen Psychopathen halten würde und so weiter. Ich hatte kurz nach dem Posten dieses Postings postpostinguale Angstattacken, wie sie für Spießer typisch sind, die mich erwägen ließen, den Beitrag aus dem Netz zu nehmen, Alter. Nicht, dass ich mir einbilden würde, hier würden Entscheidungs- und Leistungsträger lesen! Aber ich weiß aus meinem bisherigen Lebens-Slalom-Lauf, dass ich einerseits zwar immer wieder Glück hatte, andererseits aber in typisch tragikomischer Ausprägung ein Pechvogel bin, was jetzt wieder voll die krasse Dialektik ist, boah.

Ich habe diesen Beitrag jedoch nicht aus meinem Blog-Haus gekehrt. Erst recht nicht, als ich ein paar Tage später in den Medien eine Nachricht des Inhalts fand, sinngemäß, Heike Makatsch hätte Weinstein scharf verurteilt, unter anderem mit der Behauptung, er wäre ein Psychopath. Ha! Ha!!! – Ich habe nichts mit Frau Makatsch am Hut, ich fand es nur voll süß, als bei einem sehr frühem Interview, das sie mit Dieter Bohlen führte, dauernd ihr weißes Höschen unter dem Rock blitzte. Ja ja, scheiß Macho, und das am Weltfrauentag, Schwanz ab!

Aber im Ernst! In einem meiner zahllosen inneren Monologe, die ich in Vollzug des motus animi continuus führe und die zum Glück niemand hören kann und hört, wie ich jedenfalls hoffe, denn man weiß ja nicht, wie weit die in ihren Geheimlaboren sind, *hüstel*, habe ich immer wieder darüber schwadroniert, dass der berühmte Satz aus der sogenannten alternativen Szene „Mit der Technik auf dem Mond, in der Liebe im Neandertal!“ wahrscheinlich nicht nur in Zweierbeziehungen gültig wäre. Vielmehr würde er zum Beispiel auch dergestalt wirken, dass immer noch und immer wieder auf Staatsebene agierende und ausagierende Führungspersönlichkeiten an Hordenführer aus der Steinzeit erinnern würden. Ich nenne jetzt keine Namen, denn ich bin klein und mein Herz ist rein.

Nun habe ich eben, und es gibt keine Zufälle, folgende Aussage gefunden:

Seine wahre Familie heißt CDU, nicht Kohl. Er fühlte sich in einem archaischen Sinne als der Clanchef eines Stammes, der sich CDU nennt. (Quelle)

„Das hat mich umgehauen“; Caulfield, Ur-Jugendlicher. – Der Drang, in die Gruppe integriert zu sein, die man als maßgeblich für das Soziotop empfindet, dem man angehört, scheint in der Tat ein grundsätzlicher Antrieb des rezenten Hominiden auf dem dritten Planeten des Systems zu sein. Ich werde das in meinem nächstem Bericht an mein Command Center ausdrücklich erwähnen.

Noch etwas zu Dr. Kohl; ja, über Tote nur Gutes, bla. Ein Parteifreund hat sich laut gefragt, sinngemäß, wohlgemerkt ein Parteifreund, nicht ein politischer Gegner, warum sich Kohl derart lange halten konnte, unabhängig von den Glückstreffern, die auch in dem von mir zitiertem Blogbeitrag erwähnt werden.

Zum einen hat das wohl, und jetzt hebt Old Ron ab, damit zu tun, dass nach den Bewegungen im XX. Jahrhundert Deutsche sich nach Kontinuität und Bestand sehnen, was auch den Erfolg von Frau Merkel verursachen dürfte. Mutti wurde, worauf zum Beispiel Pispers hingewiesen hat, von 60 oder 70 Prozent potentieller Wähler bei Umfragen abgelehnt, um dann von ebenso viel Prozent der Wähler wiedergewählt zu werden. Nach den katastrophalen Ab- und Umbrüchen diese Sehnsucht nach Stillstand, von der an Stellen gesprochen wird, an denen man dergleichen nie erwartet hätte.

Aber dann – seine ganze Erscheinung! Was war ein wahrhaft existentielles Schlüsselerlebnis vieler Deutscher auch oder gerade nach dem 2. Weltkrieg? – Hunger. Und nun stellt sich dieser Koloss hin und füllt den Raum mit sich und leckt sich fortwährend die Lippen, als hätte er eben einer besonders edlen Bratensoße genossen! Ein Paradebeispiel und Vorbild für alle, die es geschafft haben. – Diese unzulässige Psychologisierung (?) hatte ich vor Jahren schon einmal in einem meiner rückgebauten Blog-Häuser vorgenommen. Ich bin jetzt „nur“ wieder überrascht, ähnliche Wahrnehmungen im Blog meines Zitats zu finden.

Gottfried Keller im „Fähnlein der sieben Aufrechten“, sinngemäß, man solle froh sein, derartige unerwartete Übereinstimmungen zu finden, denn die würden darauf verweisen, dass der sie Erlebende im Fluss der Zeit wäre, im Strom überpersönlicher Abläufe integriert usw. Das sagt wohl einer der „Sieben“ zum jugendlichem Helden, wenn ich mich recht entsinne.

Na ja, der erst ca. 50 Mal erwähnte Dr. R. hat 1984 im Hirschkindergarten einen Spruch von Heraklit an die Wandzeitung gepinnt. Nein, es gab keinen sozialistischen Wettbewerb um den besten Symptombündler!

Die Wachenden haben eine gemeinsame Welt, doch jeder Schlummernde wendet sich nur an seine eigene.

Darum geht es, nicht um vermeintlichen Größenwahn und subtile Trittbrettfahrerei – werde ich im eben angedeutetem Sinne noch einmal wach? Gibt es ein Leben vor dem Tod? Wir bleiben dran, wir berichten, *hüstel*…

Bla.

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