Wie mir Professor Freud hilft, die Welt zu verstehen (2)

Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. (Quelle)

Ha! Das hat schon Freud „festgestellt“?! Und dann noch derart zugespitzt formuliert? Darf man denn das? Das ist doch der Umsturz!

Okay, im Ernst! – Aus gegebenem Anlass, über den ich an anderem Ort noch ausführlich girlandieren werde, liebe unübersehbare Nichtleserschaft, hier der Hinweis, dass ich, wenn ich „im Ernst“ sage, keineswegs gerade einen Mann penetriere, der Ernst heißt. Aber das natürlich wieder nur am Rande und nebenbei und zur Auflockerung der Stimmung.

Eine der Episoden, die in der DDR das Fass zum Überlaufen brachten, war das Verbot des „Sputnik“, das selbst der Obrigkeit neuen Typus Wohlgesonnene nicht mehr nachvollziehen konnten und wollten. Auch ich habe fast regelmäßig in diesem Digest gelesen, weil mir diese Lektüre in seltener Intensität das Gefühl vermittelte, an etwas Großem wenigstens konsumierend beteiligt zu sein, das über meine Person hinaus ging. Vor allem die wissenschaftlichen Beiträge habe ich mit fast derselben positiven Spannung gelesen, mit der ich populärwissenschaftliche Bücher in meiner Hoch-Zeit im Schülerwochenheim geradezu verschlungen hatte, denn auch ich war nicht immer ein durchgeknallter Spießer.

Einer dieser von mir gelesenen Beiträge war von dem armenischem Professor Lewon Badaljan. Auch hier ist wieder bezeichnend, dass ich mich an seinen Namen über vierzig Jahre später erinnern kann. Das dürfte mehr mit emotionaler Beteiligung zu tun haben und weniger mit Fleiß, Aufmerksamkeit, Intelligenz usw.

Badaljan ging als Wissenschaftler der Frage nach, sinngemäß bis stark vereinfacht gesagt, warum Kinder singen, tanzen, spielen, dichten, phantasieren usw. könnten und würden, während bei vielen Erwachsenen, leider vielleicht den meisten, von diesem kreativem Potential nur noch Rudimente zu bemerken wären.

Nach der Lektüre dieses Essays war ich geradezu aufgewühlt, als ginge es um existentielle Fragen des Lebens und Überlebens. Darum ging es eigentlich auch, das war und ist mein Thema, und eben nicht nur meines. Es gibt diesen Bestseller, in dem letzte Äußerungen von Sterbenden veröffentlicht wurden. Kaum Einer der Moribundi hätte es bereut, keine Villa am Tegernsee, keine Yacht, keinen Maserati usw. erarbeitet zu haben, sondern, dass er die Rockoper nicht komponiert, den Gedichtband nicht veröffentlicht, den Garten nicht angelegt hätte usw., von der oder dem sie geträumt hätten. Dies natürlich bildlich gesprochen, nicht immer konkret.

Es überrascht mich nun sehr, ohne Ironie gesagt, dass schon Freud etwas Ähnliches geäußert hat – haben wir nicht behandelt, *hüstel*.

Ich hatte letztens in einem meiner Postings vermutet, dass vielleicht die ganze Kultur den menschlichen, weil seelischen Bedürfnissen des Menschen nicht nur nicht entsprechend, sondern widersprechend wäre. Ich darf das, ich bin schizotyp. Dieser Widerspruch zeigt sich auch oder sogar besonders in diesen Zitaten von Freud und Badaljan, die man mit anderen Worten unter anderem mit der Frage zusammenfassen könnte, ob nicht eigentlich die Kinder die vollkommeneren Menschen wären. In diesem Kontext, denn natürlich können sich Kinder nicht selbst versorgen, bedürfen der Einbettung in ein Geflecht von psychischen Abhängigkeiten usw.

Was mich nervt, ist, dass ich keinen Vorschlag habe, wie man derartige Überlegungen im Alltag ein- und umsetzen könnte. Wie alle Gestörten habe ich auch konstruktive, adäquate Persönlichkeitsanteile, vergleiche vor allem Ammon. Daher glaube ich, dass derartige Vorschläge mehr bringen könnten als das, sorry, aber man muss das doch mal aussprechen dürfen, verbale Gekotze, das als angebliche Meinungsäußerungen durch tausend Kanäle dröhnt. Dergleichen drischt täglich auf Einen ein selbst dann, wenn man sich zu absentieren meint durch bewussten Verzicht auf Fernsehen und dergleichen. An dieser Stelle kann ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass der Kapitalismus weitaus mehr zur Proletarisierung, wenn nicht Verprollung, der Kultur beigetragen haben dürfte als der sogenannte reale Sozialismus, der angeblich für Arbeiter gemacht wurde.

Ich hätte ja einen Vorschlag… Alle LehrerInnen, PolizistInnen, SozialpädagogInnen, KindergärtnerInnen, GefängniswärterInnen, kurz, alle, die was mit Menschen machen, durchlaufen in ihrer Ausbildung gründliche Selbsterfahrung, einzeln und in Gruppen. Dadurch wird ihnen ein guter Einblick in ihre psychischen Prägungen und Konditionierungen ermöglicht, vor allem in die eigenen Bedürftigkeiten und blinden Stellen, sorry, psychischen Skotome, die sie andernfalls in ihrer beruflichen Praxis ausagieren dürften. Hier theoretisiere ich ausnahmsweise überhaupt nicht. Ich bin überzeugt, und ohne jeden Sarkasmus, denn das ist alles nicht lustig, dass dem eben oben Angedeutetem entsprechende Trainings zum Beispiel weit mehr zur Vermeidung von Amok-Läufen an Schulen beitragen könnten als etwa die Ausstattung der Lehrer mit Handfeuerwaffen.

Das ist, natürlich, alles totaler Quatsch! Selbstverständlich projiziere ich hier meine eigene Situation als Marginal-Person in „selbst verschuldeter Unmündigkeit“, Kant. Alter, jetzt geht es los, jetzt dreht der Typ völlig frei! Wenn ich Wohnung, Job, Auto, Frau, Kinder, Fernseher und die Haare schön hätte, die Beachtung der Reihenfolge könnte aufschlussreich erscheinen, würde ich ganz anders reden usw., bla bla bla…

Würde ich das? – Das bezweifle ich immer öfter. Ich habe mir sogar vorgestellt… – Ha, ich habe doch keine Phantasie, schon wieder ein Selbsttor! Ich habe mir vorgestellt, dass ich 80 Millionen Euro gewinnen würde, und mir dann, als Beispiel, eine Villa am See kaufen würde. Diese Villa müsste ein wirkliches Eigenheim sein, nicht eine auf die grüne Wiese gestellte Plattenbauwohnung mit Dach, die Einem heutzutage postmoderner Weise als Haus angedreht wird.

Was würde geschehen? Wäre ich happy, juchhu? Erst einmal würde ich abheben, natürlich! Ich würde mir drei Maine-Coone-Kater kaufen sowie einen PC mit fünfstelligem Preis, mit drei GTX-Karten mit jeweils 12 GB VRAM, boah. Sodann würde ich als typischer Ossi in meinem 100-Quadratmeter-Wintergarten Dutzende Kübel mit Bananenpflanzen aufstellen. Usw. Man beachte auch hier die Reihenfolge! Ich hätte jetzt die Möglichkeit, meine, milde formuliert, inadäquaten Wahrnehmungsmuster völlig auszuleben. Das würde konkret heißen, dass ich die Edelbude gar nicht mehr verlassen müsste, sondern mir wie diese Figur von Else Buschheuer alles kommen lassen könnte, von Nahrung über medizinische Versorgung bis zur Vertreterin für sexuelle Dienstleistungen. Ja, ja, scheiß Macho!

Irgendwann, ich fürchte, nach nicht allzu langer Zeit, würde ich dann allerdings folgerichtig, ja, zwangsläufig, psychisch noch heftiger dekompensieren, als ich es bisher, als Unterschichtler, Prekarier, Loser usw. usf., erleben musste.

Kurz gesagt, Psycho-Club wäre auch, oder gerade, in dieser Luxus-Schieflage das Wesentliche, weil das Wesen des Menschen ausmachend. Um Essen, Schutz vor unfreundlichen Umwelteinflüssen in Gestalt einer Unterkunft, rhythmische Gymnastik zur Weitergabe des genetischen Codes usw. müht sich jeder Bär und jede Vogelmutter und jedes Wildkaninchen, bla.

Würde ich die dicke Kohle dagegen, beispielsweise, für ein Museum der Geschichte der Prussen verwenden, für einen haushaltstauglichen High-Tech-Gerätepark zur Erzeugung von strukturierten Geräuschen wie meinen Soundpics, für den anwendbaren technischen Nachvollzug der Photosynthese* usw., siehe oben, Freud und Badaljan, dann sähe meine Innenwelt ganz anders aus, tandareidei!

Versteht das jemand? – Macht nix, ich behindere ja niemanden im Genuss seiner menschenrechtlichen und staatsbürgerlichen Bedürfnisse, hurra!

Hiermit hätte sich Old Ron wieder einmal relativ angemessen entladen, und das ist ja auch was Gutes, nich‘?! Um aber einmal einen würdigen Abschluss zu versuchen, hier noch ein freudiger Spruch!

Auf die Dauer kann der Vernunft und der Erfahrung nichts widerstehen. Quelle

Hoffentlich, Herr Professor! Hoffentlich!

* Kohlendioxid ist nicht nur ausreichend vorhanden, sondern bekanntlich mittlerweile selbstgemacht zu viel, und Sonnenenergie wird es in der gegenwärtigen Darreichungsform nach dem gegenwärtigem Stand der Forschung noch einige Milliarden Jahre geben. Nach der Entwicklung von Anlagen zur, Achtung, Intelligenz-Wortspiel, synthetischen Photosynthese hätte sich demnach nicht nur das Problem der versiegenden fossilen Brennstoffe erledigt, sondern das Energie-Problem überhaupt. Dies war nun nur ein Gedanke eines Gehirns. Es ist nicht einmal wirklich mein Gedanke, vielmehr ich ihn gecovert habe von Daniel Boone, dem Biologie-Lehrer meiner körperlichen Pubertät. Warum war der so gut, mit Sicherheit nicht nur nach meiner Meinung? Weil er was von Biologie verstand? Das auch! Vor allem aber hatte er, was ich leider, wie üblich, erst viele Jahre später begriffen habe, einen intuitiven Zugang zur Gruppendynamik der vor ihm gruppierten Schüler. Des Weiteren verfügte er über eine Kenntnis des Unbewussten, die bewusste Vertreter der siegreichen Arbeiterklasse naturgemäß nicht erreichen konnten. Womit ich, immerhin, beim Thema wäre, siehe oben.

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