Unzulässige Psychologisierung des unerhörten K. (2)

Heute wäre er 63 geworden, und ich bin überzeugt, dass er nicht einem Schlaganfall infolge Überarbeitung erlegen war, sondern einer Art Voodoo-Tod, der sich in etlichen seiner Verse ankündigt. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Dieses Lied zeigt wieder einmal, wie sehr das Unbewusste auch in den bewussten Teilen der siegreichen Arbeiterklasse wirkt, oder gerade in ihnen, weil seine Leugnung das Unbewusste regelmäßig stärker werden lässt. Gundermann beschreibt in poetischen Worten, die jeder verstehen kann, ein oder das Grundproblem jedes Frühgestörten, das heißt, eines nicht geringen Teils der Bevölkerung, diese Gummileine. Er verbildlicht sprachlich das sich nicht Lösen Können, nicht wirklich ins Freie kommen, weil die ersten Bindungen und Ablösungen im Leben nicht angemessen erlebt oder weil sie gestört wurden. Das war natürlich nicht typisch für unsere sozialistischen Menschen. Vielmehr handelte es sich um Überbleibsel der alten Gesellschaft, die wir im Zuge unserer gesetzmäßigen Entwicklung überwinden werden. Wenn wir nicht gestorben sind, überwinden wir immer noch, quod erat demonstrandum…

(… der hat echt die Wende verpennt, der Typ, höhöhö… – fickt Euch…)

Auch hier bin ich mir sicher, nicht psychomäßig zu phantasieren, sondern zumindest ein Stück der Wahrheit erfasst zu haben. Auch hier wieder ergibt sich die Frage, wem das etwas nützt, außer natürlich mir ein bisschen, weil ich mich ein bisschen entladen habe, bla.

Für mich ist und bleibt Gundermann ein echter Volksdichter, ohne jede Ironie gesagt, ich muss das ja immer hinzu fügen. Vielleicht ist er der beste deutsche Liedermacher, wie ein Musikreporter geradezu euphorisch erklärte, nachdem er zufällig in ein Gundermann-Konzert geraten war. Die Pointe kommt kunstgerecht zum Schluss mit dem Hinweis, dass der Mann nicht nur ein erfahrener und erfolgreicher Fachjournalist war, sondern ein sogenannter Wessi. Hähä.

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