Unzulässige Psychologisierung des unerhörten* K…. (???)

In einem meiner letzten Beiträge habe ich neuerlich behauptet, die vom Bürger Genossen Schabowski „versehentlich angeregte“ Mauer-Öffnung wäre eine typische Fehlleistung in durchaus klassisch-freudianischer Lesart. Natürlich ist mir klar, dass Etliche diese Behauptung mindestens fragwürdig finden würden. Meist kommen in diesem Zusammenhang Vorwürfe von schrecklicher Vereinfachung und bedenklicher Neigung zum Populismus usw.

Ich bleibe aber dabei. Im Moment großen psychischen Drucks, denn natürlich wusste Schabowski, dass quasi die halbe Welt gespannt auf seine Antwort wartete, kam unter allen anerzogenen und antrainierten Wahrnehmungsmustern die verdrängte Wahrheit hervor, dass es, mit Verlaub, vollkommen idiotisch ist, im 20. Jahrhundert eine Stadt einzumauern. Dieses „Hervorkommen“ vollzog sich durchaus in der Art einer psychischen Fehlleistung, wie sie zuerst Freud erforscht und beschrieben hat.

Zudem war Schabowski insofern eine Ausnahme, als er einer der wenigen zu sein schien, die „auf dem Parkett der Welt“, Zitat u. a. „Silly“, eine gute Figur zu machen versprachen. Ein „normaler“, „durchschnittlicher“ Funktionär, bitte Anführungsstriche beachten, hätte wahrscheinlich gar nicht geantwortet, sondern etwa erklärt, er müsse erst wo anrufen. – Nee, is‘ nich‘ lustich…

Des Weiteren war Schabowski eine der wenigen sozialistischen Führungspersönlichkeiten, die eine glaubwürdige geistige Wende vollzogen, moralische Schuld eingestanden und deren Aufarbeitung nicht darauf beschränkt haben, Memoiren zu veröffentlichen, in denen nachgewiesen werden sollte, dass alles nur für den Weltfrieden gewesen wäre. Schließlich war er der einzige hohe Funktionär der DDR, dem es gelang, nach dem Machtverlust erfolgreich in seinem erlerntem Beruf zu arbeiten.

Zusammenfassend gesagt, scheint er in der Tat „vorbereitet“ und „besonders geeignet“ gewesen zu sein für derartige Fehlleistungen…

Bla.

* Korrekt – „unerhört“ im mehrfachem Sinn. „Ach.“ (Prof. von Bülow)

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