(… Sie machen alles rückgängig, Herr Koske…)

Zum Beispiel hat mich mein unmittelbar vorgesetzter Vorfahre, als ich etwa zehn war, dazu gezwungen, mir jeden Morgen den Oberkörper kalt abzuduschen und mich dann heftig ab zu frottieren. Das positive Ergebnis war, dass ich nach dieser feucht-unfröhlichem Dienstanweisung bis heute nur noch ein einziges Mal wegen Erkältung krank geschrieben war. Das negative Ergebnis war, und ist, dass das größte menschliche Organ, die Haut, gewissermaßen versiegelt wurde. Das dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass ich den permanenten Mangel an Körperkontakt selten bemerkt habe, ich armes, armes Ich…

Das habe ich nun, *hüstel*, rückgängig gemacht; ich tupfe jetzt besonnen oder sogar versonnen, und wie ich schon mehrfach anmerkte, hält auch das Alter kleine Freuden bereit.

Letztens habe ich nämlich gelesen, in diesem Internet, dass es gar nicht gut wäre für die Haut, wenn man jeden Tag duschen würde, was ohnehin blödsinnig erscheinen muss, weil ich kaum transpiriere, vornehm, wie ich bin, und mir außer im pulsierendem Verkehr der Metropole kaum Verschmutzung droht; äußerlich, denn innerlich bin ich natürlich schwarz, ha, böse Hobbitse…

Die Haut ist die Grenze und zugleich sozusagen Schnittstelle zwischen Ich und den Anderen, zwischen Innen und Außen. Daher sind Borderliner keineswegs suizidal, weil oder indem sie schnippeln, was eines der Klischees ist, die im Zusammenhang mit Psycho-Club leider üblich zu sein scheinen. Im Gegenteil geht es um sich lebendig fühlen, sich der Grenze zwischen Ich und Welt zu vergewissern, was unter anderem notwendig erscheint, weil drüber gebrettert wurde über diese Grenzen, oft durch Misshandlung und Missbrauch.

Mein Vater hat nicht geschnippelt, aber er hat mit schmerzlichem Genuss bis aufs Blut Pickel gequetscht, was ich, wie zahlreiche kleine Gesten des Alltags und dgl., schon früh nachgeäfft habe, weil ich ja ein Muttersöhnchen bin, aharhar.

Warum schon wieder dieses schamlose Nestbescheißen? – Ich glaube immer öfter, mein Vater war der Borderliner, ich bin schizotyp oder eventuell ’n Aspi. Gegen Letzteres spricht mein Humor bzw. „Humor“ – aber den habe ich mir sozusagen antrainiert, im Laufe von Jahrzehnten.

Ich bin während meiner Schulzeit nie verprügelt worden, außer von den Genossen Erziehungsberechtigten, befreit von Unterdrückung, aber viel schlimmer war für mich das Erleben einer täglichen Gruppensituation auf dem Schulhof der Penne.

Die jungen Männer haben sich in den Hofpausen im Kreis gruppiert und sich wie Bälle Wortgruppen zugeworfen, und obwohl sie deutsch sprachen, und durchaus verständlich, habe ich kein Wort verstanden, weil es gar nicht um den Inhalt ging, sondern um den gewissermaßen mit dem sprachlichem Inhalt unternommenen Versuch des Austarierens von Nähe und Distanz, von Kontakt und Beziehung, von augenblicklichen Plätzen in der Hackordnung im Männchen-Grüppchen usw. – Böhmische Dörfer für Ost-Koske, und leider oft auch heute noch.

Das war aber Aspi in Reinkultur, vielleicht aber auch Ausdruck einer Störung des schizoformen Spektrums. Ganz zu schweigen vom Schaukeln im Sessel während meiner ersten sieben Lebensjahre, das ich geradezu manisch praktiziert habe, trotzdem meine Mutter körperlich in der Wohnung anwesend war, was wiederum auf eine innige Bindung an die Mutter verweist, aharhar. Ja ja – Zynist. Der Zynismus, zu Recht zahlreiche Abwesende, war und ist mein (Über-)Lebensmittel Nr. 1.

Mittelkürzlich habe ich, in diesem Internet, Etliches von einer und über eine Frau gefunden, die erst relativ spät die Diagnose Asperger gestellt bekommen hat, und ich war verblüfft, völlig im Ernst gesagt, als ich gelesen habe, dass sie über Jahre hinweg mühsam trainiert hat, Leuten ins Gesicht und vor allem in die Augen zu sehen, vor allem im Gespräch. Das verstehe ich sehr gut – das habe ich nämlich gleichfalls getan. Ich kann inzwischen Leuten in die Augen sehen, aber es ist einer der unangenehmsten, aua, Augenblicke des Alltags.

Natürlich habe ich auch in diesem Kontext die üblichen tragikomischen Mätzchen erleben müssen. Ich bin auf dieses Thema gekommen, weil mich die Chefin des Wohnheimes, in dem ich etliche Monde leibhaftig erschienen bin, immer wieder zurechtgewiesen hat, ich möge sie doch beim Gespräch ansehen, und die Frau ist schwer sehbehindert. Ich kann machen, was ich will, es wird immer tragikomisch…

Na ja… – Wünscht Herr Koske sein Leben als Universal-Marginal-Person neuerlich aufzuwerten durch „interessante“ Diagnosen? Das ist alles Quatsch; ich bin jetzt 57, körperlich, und es ist, wie es ist, trallala. Aber was mich halt immer wieder ein bisschen aufregt, sind Unfähigkeit und Unwillen vom Leuten zu begreifen, dass ich gar nicht mehr Kontakt will, derzeit jedenfalls nicht. Das ist meine frühe Konditionierung, für die ich nichts kann und der ich kaum ausweichen konnte, bla…

‚Er dichtet doch nich‘!‘üben, üben, üben… vergleiche Sloterdijk… mir geht es einfach besser, wenn ich meinem Schreibzwang erliege und Text in die Tasten dresche… muss ja keiner lesen… macht ja auch kaum wer… ganz vielleicht wird doch noch was draus, und ich belle trist und tippe nicht nur tagebüchenes Zeug…

Wie geht es nun weiter? – Gar nicht! Aharhar! Heute bin ich schon ab zehn Uhr im Laden; normalerweise ja von fünfzehn bis achtzehn Uhr und ab April dann von vierzehn bis achtzehn Uhr, jippie! Gestern aber kam ein Zeichen, und über das, was ich jetzt anzudeuten mich bemühe, habe ich erstaunlicherweise noch nie gesprochen oder geschrieben, was womöglich wieder als typisches Symptom gewertet werden könnte.

Ich lese, als Beispiel, ein Wort oder eine Wortgruppe, und die wird plötzlich, für einige, aua, Augenblicke, gewissermaßen mit Bedeutung aufgeladen, als wäre sie für ein paar Momente sozusagen Leuchtschrift. Jaha – Schizo! Beziehungsweise, ich kann es mir nicht verkneifen, es ist einfach zu „schön“, „Spielt den Simulanten!“ Das geht, Überraschung, seit 1986; „Immer wieder Montag/kommt die Erinnerung/dibbedibbedibb dibb, dibb!“, und ich habe es mittlerweile tausende Male erlebt.

Gestern habe ich den Effekt, oder was auch immer, den ich eben oben zu beschreiben mich bemühte, beim Lesen des Wortes “Schluss“ in einem Buch erlebt…

Was wollte mir die Weltgeistin, quasi als, aharhar, Vorstandsvorsitzende einer semiotischen Guerilla damit sagen, möglicherweise? – Während ich sozusagen an der Oberfläche gerade einen Fuß in die Tür kriege, jedenfalls, um im abgenutztem Bild zu bleiben, einen kleinen Zeh, aharhar, ist in der Tiefe, im, igitt, Unbewusstem schon längst wieder Pumpe und Schicht im Schacht und Ende Gelände…

Dafür spricht auch, dass ich per Mental-Funk massiv Feedbacks erhalte wie: ‚Will nich‘ arbeiten, weilla Abitur hat!‘ oder ‚Will nich‘ arbeiten, weilla ’n Kompjuta hat!‘ und was dergleichen pseudospiritistisch-quasipsychotische Sperenzchen mehr sind.

(… „Er dichtet doch nich‘, er dichtet doch nich‘… gute Arbeit, von wem auch immer… oder hatte ich das schon gesagt… )

Das habe ich, Überraschung, auch bereits -zig Male erlebt. Auch ist es mir nach einigen Tagen dieses Arbeitsversuches gelungen, zweimal an Kolleginnen vorbei zu laufen, ohne wahrgenommen zu werden; einmal war eine Kollegin echt überrascht, als ich vor der Ladentür und vor ihr stand, worauf wiederum ich verdattert war, weil ich trotz meiner defizitären emotionalen Intelligenz sehr wohl bemerkt habe, dass ihre Reaktion echt war.

Andererseits habe ich mich letztens bei einem meiner Stadtgänge wieder einmal „verlaufen“, indem ich in eine Sackgasse geraten bin, was mir, Überraschung, ebenfalls etliche Male in den letzten Jahren passiert ist, und da kam ich an einer Baustelle vorbei und ein Bauarbeiter kam aus einen Haus und grüßte mich freundlich, ja, irgendwie ermunternd und einladend, was wiederum, siehe eben oben, echt war, keine Veräppelung oder so was.

Mit anderen Worten, das wird, günstigenfalls, irgendwann irgendwo wie von selbst gehen; aus der Spur kommen im wörtlichem und im übertragenem Sinne, und – landen…

Es kann aber auch sein, und ich wiederhole auch das bewusst und absichtsvoll, dass hier Freuds Wahrnehmung zutrifft, Hysterie wäre das Zerrbild einer Kunstproduktion. Siehe meinen gestrigen Eintr…- siehe mein gestern gepostetes Posting, *hüstel*; Elisabeth George muss zumindest ähnliche Phänomene wie ich erlebt haben, aber die macht Kunst draus

Was tun, wie schon Dr. Uljanow fragte? – Nun, ich gehe in ein paar Minuten in den Laden; nicht nach Strittmatter!

So weit die egomanische Früh-Tippe des Spät-Koske! – Komm gut in den Tag, herbe Dame Welt!

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