Das Neuland wird 30*

Es ist alles wie immer„Erinnern, wiederholen, durcharbeiten!“, und wer nicht durcharbeitet, wiederholt und wiederholt und wiederholt, und – rrrrrumms!!! Ja ja, liebe Vertreter der Dynamischen Psychiatrie – es kommt dann noch als Viertes und nicht nur Abschließendes, sondern gewissermaßen Abrundendes „Wiedergutmachen“! Ist ja schon gut – ein Hund hat gebellt, die Karawane zieht weiter! Äh… – Aitmatow? Egal – zum Thema, Ost-Koske!

Dabei hat mich der Chef sozusagen gewarnt. Er fragte beim Einstellungsgespräch, oder beim Gespräch zur Vereinbarung des Einstellungsgesprächs, egal, wie ich denn mit Leuten klar kommen würde, die gern bestimmen würden, auch dies wieder sinngemäß zitiert. Hähä.

In der Tat wiederholt sich was, wie soll das auch anders sein, denn man kann sich über Psycho lustig machen, wie man will, es ist trotzdem und erst recht da, und das Unbewusste wirkt umso nachhaltiger, desto mehr es geleugnet wird, wie unter anderem der reale Sozialismus in der DaDaeR gezeigt hat. Kafka wurde bis zuletzt völlig ausgeblendet, infolgedessen man überall kafkaeske Situationen erleben konnte usw. Jaha, Nossinunossen – auch oder gerade das ist Dialektik, da müsst Ihr durch, hähä! Herr Koske – zum Thema!!!

Eine Kollegin wies mich darauf hin, dass einige Kunden in Ruhe das Angebot besichtigen wollten, wobei es stören würde, wenn ich so laut reden würde; auch dies wieder sinngemäß, versteht sich. Natürlich quassele ich zuweilen; der arme alte einsame Mann hat ja sonst keine Ansprache, Gottchen nee! Es ist, natürlich, Kontaktabwehr, aber lassen wir das jetzt.

Um auch das anzumerken, ist die Kollegin sehr erfahren und kennt sich echt aus, und ich habe gerade einmal acht Tage lang je drei Stunden auf Probe gearbeitet. Ich werde also den Teufel tun und auf den Putz hauen; ich bin so altertümlich konditioniert, wir berichteten erst ca. 100 Mal. Es ist ein Unternehmen des zweiten Arbeitsmarktes und die Bürger leitenden Mitarbeiter kennen ihre Pappenheimer. Wenn ich Personalchef wäre, würde ich nach der erschütternden Lektüre meines Lebenslaufes, sehr milde formuliert, mich keineswegs mit Begeisterung einstellen, wenn überhaupt. Das habe ich so hergestellt, das war nicht die Stasi oder Erich usw.

Aber… Die betreffende Kollegin unterhält bzw. „unterhält“ sich selbst derart laut, dass man es durch geschlossene Türen hindurch hört usw., bla. Mit anderen Worten – was ganz Altes. Dergleichen habe ich schon des Öfteren erlebt in meiner Job-Wanderung. Das Problemfeld Selbstbild-Fremdbild, die Unfähigkeit, und mangelnde Bereitschaft, die Aktionen Anderer als Re-Aktionen auf die eigenen Aktionen wahrzunehmen, die man nicht wahrnimmt usw. Man stelle sich vor, so was würde an Schulen vermittelt – das wäre dann wirklich Lernen fürs Leben.

Herr Koske – zum Thema!!!

Der Höhepunkt bzw. „Höhepunkt“ dieser Reihe von Erlebnissen war meine Tätigkeit bzw. „Tätigkeit“ in der Materialwirtschaft des vormals Fernsprechamtes in der Tucholskystraße in Big B. Da hatte die Chefin im Laufe der Jahre, ich drücke mich vorsichtig aus, eine Mannschaft eher leiser und zurückhaltender Männer um sich geschart, hihihi.

Ich fand mich mit dem Phänomen konfrontiert, das mir aus meiner Therapie-Vorablektüre bekannte Konstrukt „neurotisches Arrangement“ gewissermaßen live und in Farbe in der sogenannten Realität und mich dabei völlig ratlos zu erleben, weil unfähig, meine diesbezügliche Wahrnehmung angemessen zu äußern.

(… an dieser Stelle würde Dr. F. sagen, er hätte einen Freund, der Klempnermeister wäre und somit überhaupt nichts mit „Psycho“ zu tun hätte, hähähä… lassen Sie mich Ihnen hier zurufen, mein Herr und Doktor: „Angenehmen Ablauf beim nächsten Durchlauf!“… ich kenne das doch – ich habe einen gewissen Teil meines Lebens verspült… abgesehen davon aber hinkt dieser Vergleich gewaltig… Psychoanalytiker und Klempner haben Wesentliches, ja, Existentielles gemeinsam, denn beide sehen und greifen in Tiefen, in die keiner gern sieht und greift, in die aber von Zeit zu Zeit gegriffen werden muss, damit nicht die ganze Scheiße hoch kommt… sorry, ich bin Unterschicht – oder hatte ich das schon erwähnt…)

Natürlich bin ich irgendwann hochgegangen, Türen knallend, männlich, boah, und habe kernig-schimpansisch getönt; so sindse, die Männchen, furchtbar!

Fazit – Auflösung des Arbeitsvertrages im gegenseitigem Einverständnis, denn eigentlich sind wir mit Ihrer Arbeit zufrieden, *hüstel*. Das war der Gipfel meiner tragikomischen Laufbahn als Werktätiger – ich sollte an eine EDV-Fachschule, wo ich PC-Handling und Programmierung an der Quelle, vom Start an und von der Pieke auf gelernt hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette! Auch deswegen bin ich im mehrfachem Sinne ausgestiegen – es drohte verbindliche Integration, aber das war doch alles nur provisorisch und vorübergehend, das wirkliche und wahre usw. Leben würde erst noch beginnen, hach ja, so was gehört doch in die Einrichtung.

(… zwei der leisen und zurückhaltenden Männer haben mir nach meinem männlich-herbem Auftritt quasi auf die Schulter geklopft – endlich spricht es mal jemand aus usw., aber dafür konnte ich mir auch keinen Blumentopf kaufen oder wie man da sagt, wenn man voll volkstümlich ist usw….)

Was hat das alles nun mit dem 30. Geburtstag des World Wide Web zu tun, heute von Google gedoodlet und in meiner Überschrift, sorry, Headline angedeutet???

’ne Menge, wie Uns bedünken möchte… In diesem Artikel, als Beispiel, wird darauf verwiesen, dass der Vater, Erfinder oder wie auch immer des WWW warnen würde vor „Hassreden“, „böswilligen Inhalten“ usw., und er ist nicht der Erste oder gar Einzige, der das versucht.

Mir scheint jedoch, dass dieses verbal ins Internet Kotzen, um es wieder einmal prollig polternd, aber leider zutreffend zu formulieren, viel mit dem eben oben von mir Angedeutetem zu tun haben könnte. Um es vereinfacht, vielleicht schrecklich vereinfacht auszudrücken, gelingt im Netz, oft gar anonym, was in der sogenannten Realität nicht gelingt, vor allem Abgrenzung. Hier kann man alles aussprechen, alles raus lassen usw., was man in der sogenannten Realität oft nicht einmal auszudrücken vermag, oder nicht adäquat, siehe meinen materialwirtschaftlichen Abgang.

Ich habe mich in den 35 Jahren meiner Bemühungen um Integration als Werktätiger bzw. Arbeitnehmer als unfähig erwiesen, mich im Alltäglichem zu offenbaren, wie es Connie Palmen in ihren grandiosen Sätzen zum Thema formuliert. In anderen Lebensfeldern ist diese seltsame spezielle Sprachlosigkeit jedoch ebenfalls aufgetreten, die als Feigheit oder dergleichen zu bezeichnen am Problem vorbeigehen dürfte.

Hier im Netz kann ich es, zum Beispiel jetzt eben im Blog, und dergleichen hat aber auch einen entladenden, entlastenden, kurz, durchaus konstruktiven oder jedenfalls „positiven“ Effekt – hat es nicht?**

Ich muss aber an der Stelle einflechten, dass ich mitnichten die Absicht habe, mit Türen zu knallen; auch finde ich besagte Kollegin insgesamt sympathisch, vor allem, weil sie ein bunter Vogel ist, der von der Einheitsplastikpuppenästhetik des Mainstreams abweicht. Mal sehen, wie sich das alles entwickelt, nicht wahr; ich bin doch auch älter und, hüstel, gesetzter geworden und zudem untersetzter…

(… „Einheitsplastikpuppenästhetik“ wird nicht als Fehler angezeigt – auch das Alter hält schöne Momente bereit, wir berichteten gelegentlich…)

Natürlich hat das auch etwas von Anscheißen; seitdem ich mit dieser Niederschrift bzw. Niedertippe begonnen habe, kam denn auch ein halbes Dutzend Male per Mental-Funk so was wie ‚… weilla Berichte schreiben kann…‘, aber immerhin scheint der elend breit getretene Scheiß mit „Stasi“ endlich durch zu sein.

Ich vermag meine Ansprüche oder auch nur Wahrnehmungen nicht, oder eben nicht angemessen, in konkreten Situationen der sogenannten Realität rüber zu bringen – und schreibe alles auf. Etwas zumindest Ähnliches haben jedoch Inoffizielle Mitarbeiter mit ihren Berichten an ihre Führungsoffiziere getan, alles für das Wohl des Volkes, wenn man den Sachaspekt zugunsten des Beziehungsaspektes zurücksetzt, was aber Psycho-Club ist und daher weg kann.

(… ich zerbreche mir für die Stasi-Ärs… äh… – für die Genossen Tschekisten immer wieder den Kopf, und kriege immer wieder die Hucke voll für die Brüder, ph… „Herr Koske, Sie dürfen den Genuss durchaus zulassen, den Sie in ihrer Selbstwahrnehmung als Märtyrer finden!“… aaah – danke, Herr Dr. Freudlos… ich mache das mit den auch nur denkbaren Rückmeldungen wie immer gleich selbst… das spart Energie und ich kann es sowieso besser… hättättättätätä…)

Um meine, insbesondere moralischen, Ansprüche oder gar „Standards“ in der sogenannten Realität durchsetzen zu können, muss ich über ein stabiles Über-Ich verfügen; d. h., über eine stabile moralisch-ethische seelische Instanz. Die wird gebildet durch Verinnerlichung entsprechender Vorgaben durch Autoritätspersonen in der insbesondere frühen Kindheit, also vor allem, da wir in einer patriarchalischen Gesellschaft leben, von Vätern. Väter waren aber im XX. Jahrhundert oft abwesend, im wörtlichem und im übertragenem Sinne; aus bekannten Gründen, weil sie sich vor allem jahrelang nach Auswärts kommandieren lassen haben, wie Erwin Strittmatter sinngemäß formulierte, fast wörtlich.

In diesem Sinne war die Armee der „Anscheißer“, der IMs der Stasi, Ergebnis und Ausdruck der vaterlosen Generation; ein Begriff westlicher Soziologie, wohlgemerkt, wenn man denn in der DaDaeR überhaupt von Soziologie sprechen konnte.

Mein „Führungsoffizier“ ist seit ca. 1978 mein Tagebuch, und jetzt ist es mein Blog; aber das ist Psycho-Club und kann weg…

Kurzum – per Asperger ad Asterix!

** Nix gegen Mutti, nich‘, coole Braut – bis auf die Parteizugehörigkeit, versteht sich, *hüstel*…
** Neuerliche kleine Übung im englischem Fragesatz, by the way…

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