Das Stasi-Schwein schreibt wieder seine Berichte (vox populi, sinngemäß)

Diese seit Jahrzehnten von diversen Leuten entwickelte Überzeugung, deren Entwicklung ich oft persönlichkeitsspezifisch tragikomisch gar nicht bemerkt habe, ich wäre Einavonnastasi, hat wenig bis nichts mit Ideologie und DDR usw. zu tun, sondern mit dem von mir unter anderem im letztem Posting erwähntem Phänomen der von Sloterdijk postulierten Notwendigkeit einer gewissermaßen Reanimation des Epoché-Menschen, die zudem dran wäre, zeittypisch usw.

(… das is‘ ’n Satz, boah… den lasse ich jetzt aber stehen… „Das Thema unseres heutigen Marketing-Seminars ist ‚Wir üben Authentizität‘, anschließend After-Work-Party mit DJ USP“…)

In den letzten Wochen musste ich immer wieder an eine Episode denken, die ich etwa 1986 erlebt habe. Einer meiner Vorgesetzten im Fernsprechamt wollte mich für die Freiwillige Zusatzrentenversicherung der DaDaeR werben – erklärte er.

Er hat sich sehr seltsam gebärdet, was allein schon die Tatsache bestätigt, das ich mir die Episode gemerkt habe. Der Tisch war voller Papiere, die sich in wirrem Durcheinander gegenseitig überdeckten, was bereits sehr ungewöhnlich war für diese sozialistische Führungspersönlichkeit. Der Mann war völlig aufgedreht, redete wie ein Wasserfall, was mir natürlich auffallen musste, weil das bekanntlich mein Part ist, und er druckste und eierte herum, wie ich es noch nie von ihm erlebt habe.

Was habe ich da unterschrieben, chch? – Der ist sooo süß, der Ost-Koske, der merkt gar nichts!

Nein, auch hier wirkt keineswegs Verfolgungswahn, vielmehr ich, wieder einmal, in diesem Kontext nachträglich das Gruseln bekommen habe. Einige Monde nach der Wende musste ich aus Printmedien erfahren, dass wohl etliche Mitarbeiter des MfS in den letzten Jahren unter dem Druck des sozialistischen Wettbewerbs gewissermaßen tote Seelen gesammelt haben, d. h., neugeworbene Inoffizielle Mitarbeiter gemeldet, die vom Glück ihres auserwählt worden Seins nichts ahnten.

Das ist wieder eine Stelle, an der Einem das Lachen im Halse stecken bleiben könnte, aber ich muss wider Willen immer wieder drüber grinsen. – Hier jedoch noch einmal der Hinweis, dass ich in der elften Klasse Besuch von einem Offizier der Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder bekommen habe, der mich als operativen Offizier werben wollte, aber unverrichteter Dinge wieder gegangen ist, nachdem ich erklärt hatte, süüüß, Filmregisseur werden zu wollen. Weiter war nichts! Bitte weiter sagen, wenn hier doch mal wer liest! Kuckuck?!

Warum dann ständig diese „Rückmeldungen“, mich betreffend und des Inhalts „Stasi-Schwein“ usw.? Könnte es sein, dass das etwas mit dem, igitt, Unbewusstem zu tun hat?

Hat es, und dazu möchte ich jetzt nicht nur schriftlich schnattern, sondern hebe hiermit auch an, dies zu tun. Zudem wird jedoch deutlich, warum ich mich mit Psycho auseinandersetzen muss, nämlich nicht, weil ich mich als Therapeut sehe und was dergleichen gequirlte rückwärtig ausgeschiedene Fäkalie mehr ist, sondern, weil ich Druck habe, Leidensdruck, zefix.

Ich war sehr enttäuscht, als ich in einem Printmedium gelesen habe, dass sich ein bekannter Therapeut gefragt hat, sinngemäß, warum man die, die von der Firma Horch und Guck usw., oft, wenn nicht immer, aus der Masse der im öffentlichem Raum agierenden Bürger heraus gekannt hätte. – Womöglich wirkt hier allerdings wieder meine hartnäckig therapieresistente Tendenz, insbesondere männliche Autoritätspersonen bis zu einer Art Götzenanbetung zu überheben, aber das wieder nur am Rande und nebenbei.

Ich hätte hierzu eine Erklärung. Es ging keineswegs nur oder gar vorrangig um äußere Merkmale, über die sich schon Etliche vor mir verstohlen mokiert haben, etwa die Tatsache, dass die Genossen Tschekisten immer wieder in Schaufenster gestiert haben, in denen gar nichts ausgestellt war, dass sie Jeans aus einheimischer Produktion trugen, die, besonders unauffällig, Bügelfalten aufwiesen, und was dergleichen zukunftszugewandte Sperenzchen mehr waren.

Wäre ich angehalten, diese sozusagen Aura zu verbalisieren, würde ich das Unausgesprochene wie folgt auszusprechen versuchen: „Ich bin hier nur körperlich anwesend, ich hospitiere quasi in der Realität. Ich wende mich dabei innerlich an abwesende Autoritäten. Verbindlich sind für mich nicht die im Hier und Jetzt zu beobachtenden und von mir in der Tat beobachteten Personen, sondern eine aus der Distanz wirkende, höhere, virtuelle Gruppe, die weitaus maßgeblicher für die Wirklichkeit ist als die hier von mir in dieser Wirklichkeit vorgefundenen Personen“. Usw. – Ich benutze bewusst das Wort „virtuell“, obwohl es im Zusammenhang mit DDR und Stasi anachronistisch erscheinen könnte.

Das könnte die Ausstrahlung sein, die ich zu haben scheine, weswegen ich eben immer wieder einmal für einen Stasi gehalten werde, obwohl ich mich immer wieder „nur“ in der Manier eines unter anderem von Sloterdijk beschriebenen Epoché-Menschen in einen geistigen Raum zu flüchten versuche.

(… eben kam übrigens wieder die Rückmeldung per Mental-Funk ‚Er hatte jahrelang Zeit zum Schreiben!‘inhaltlich zutreffende „Hallus“… gute Arbeit, von wem auch immer… fickt Euch…)

Einen Höhepunkt, bzw. „Höhepunkt“, dieser Entwicklung habe ich mit etwa 16 erlebt, als mein märchenhaftes Stiefmütterchen an einem Samstagnachmittag mein Tagebuch und etliche meiner Bücher aus dem Fenster geworfen hat, und zwar einfach so, ohne erkennbaren augenblicklichen Auslöser; sie stürmte völlig unvermittelt ins Zimmer und agierte kraftvoll-dynamisch als entwickelte sozialistische Persönlichkeit, hurra!

Es wirkt abgrundtiefer Hass auf alles Geistige, und der Versuch anderer Menschen, sich in einen geistigen Raum zurückzuziehen, wird als persönliche Beleidigung, ja, als Angriff erlebt. Ein Phänomen, das ich immer noch nicht in für mich hinreichendem Maße zu erklären vermag, dass ich jedoch, wie gleichfalls schon im Blog gepostet, für den Kern des Antisemitismus halte, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Ich halte das Phänomen des Weiteren für ein für die „Unterschicht“, die „unterdrückten Klassen“ usw. überaus typisches und weitaus wirksameres als defizitäre materielle Rahmenbedingungen. Dies musste im realem Sozialismus deutlich werden, da die materielle Basis real umgestaltet worden war, was ohne jeden Abstrich eine historische Leistung darstellt. Man hatte die materielle Basis umgebaut, fairer und menschenfreundlicher gestaltet, und trotzdem und erst recht, wie nach allen Revolutionen, Aufständen, Umstürzen usw., ging wieder alles von vorn los. Wieder gab es ein oben und ein unten; „Wo ist oben?“, Erwin Strittmatter; wieder gab es ein wir hier drin und ein die da draußen, im exemplarisch zugespitztem Fall als „Vorhut“ und „feindlich-negative Elemente“, und so weiter. „Ist bekannt!“ („Game of Thrones“)

„Lieber junger Freund! Es handelt sich hier um Überbleibsel der alten Gesellschaft, die wir im Zuge unserer stürmischen Entwicklung gesetzmäßig überwinden werden!“

Ach so… Na dann. Alles klar! – Und wenn sie nicht gestorben sind, überwinden Sie immer noch!!!

Kämpft man schön!

PS: Es hat mich übrigens echt gerissen, als ich gelesen habe, dass Herr Thomas Brussig auch dauernd für Einer von denen gehalten worden ist, hihi. Das verstehe ich sehr gut! Aber wenn es dem als zu Recht anerkanntem Verbalkommunikator so geht, was mache ich erhitzter Skribent mir dann ’ne Rübe, höhö… – „Verbalkommunikator“ wird nicht als Fehler angezeigt; „Faszinierend!“, um neuerlich Mister Spock zu zitieren. (… ich hatte hier tatsächlich einen Tag lang „fasszinierend“ stehen, chch… freud Euch des Lebens – es lebe die Libido… „Der war mal Alkoholiker!“, O-Ton Vox populi… war Alkoholiker… Mensch, Leute, echt jetzt… Alkoholiker ist man ein Leben lang, auch, wenn man dreißig Jahre trocken war… und das is‘ ’ne Krankheit, keine Charakterschwäche, zefix… Und: nein, ich bin kein Schlucki, und ich war auch nicht in der Entzugsklinik… schöne Grüße nach Eisenhüttenstadt… was immer „schöne Grüße“ sein mögen, sonntags mit Schleifchen… ich armes, armes Ich – Mitleid, Mitleid…)

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.