Herr, die Not ist groß – die nicht gerufenen Geister werd‘ ich auch nicht los!

Störungsspezifischer Größenwahn – wir berichteten*… Heute aber wurde mir nicht nur geträumt, dass ich in Iron Hut City wäre, sondern ich war auch im Kinderzimmer der gut dekorierten Wohnung des Versuchs einer Familiensimulation K. Am Fußende meines Bettes kauerte ein ängstlicher, dicklicher, nicht mehr ganz jugendlicher Bürger, den ich ebenso hartnäckig wie vergeblich darauf hinzuweisen versuchte, dass sich unter meinem Bett noch ein Rollbett befände. Chch – „Rollbild“! Das Unbewusste wieder, Wahnsinn!

Nee, nichts mit Erotik! Auf dem Rollbett hat in der sogenannten Realität mein sieben Jahre jüngerer und bis zum Karikaturistischem das Gegenteil von mir darstellender Stiefbruder gepennt, mit dem ich des Öfteren albern-pubertär herum geknutscht habe, weil ich halt ’ne schwule Sau bin und das nicht wahrhaben will. (???) – Oder weil ich was ausgetragen habe, das unausgesprochen und damit umso wirksamer in der „Familien“-Atmosphäre waberte, weil das meine „Funktion“ war, das Unbewusste auszuagieren?

Ich bin nicht der Erste, der feststellt, dass es in jeder Familie jemanden zu geben scheint, der auf diese und ähnliche Weise was austrägt usw. und tabu ist usf. Ich fühle mich aber wohl in dieser Rolle, ich will mit diesen Herrschaften gar nichts mehr zu schaffen haben; hagestolzierend vergrämt und unversöhnt werde ich einsam entschlafen, ach, süßer Schmerz…

Sowohl im Wohnheim als auch hier in der Pension habe ich eine Ahnung erlebt von Ankommen, Landen usw., und in beiden Häusern ist die Chefin lesbisch; ich habe schon lange den Gedanken, dass die Ehe meiner leiblichen Eltern eine Art Schein-Ehe gewesen sein könnte, weil beide eigentlich eher gleichgeschlechtlich Liebende waren und das nicht ausleben konnten, „durften“ und wollten… Bla.

Das Gruselige ist, dass beide leibliche Eltern Krebs hatten und dass das eine Bestätigung für Reichs These sein könnte, Krebs hätte ursächlich mit Sexualfeindlichkeit, und damit Lebensfeindlichkeit, zu tun.

Außerdem kann ich den noch ungeheuerlicher erscheinenden Gedanken nicht unterdrücken, dass die Genossen Rotarmisten, mit denen mein Vater einige Zeit lang als Kompaniekind mitgezogen ist, worüber er, Überraschung, nur wenige Male und nur in Andeutungen gesprochen hat, dem hübschem Knaben nicht nur Brot reingeschoben haben könnten; das würde Einiges erklären.

Eben ist mir beim Schreiben noch was gekommen; schön, dass mir auch was kommt, aharhar. „Zynist!“ (O-Ton vox populi) Ich habe immer geglaubt, meine subtile Leistungsverweigerung im Fach Russisch könnte pubertärer Widerstand gegen die väterliche Autorität gewesen sein; mein Vater hat perfekt Russisch gesprochen. Jetzt fällt mir ein, dass auch diese Verweigerung noch „tiefer“ begründet sein könnte, nämlich in den eben oben angedeutetem Umständen.

Schließlich musste ich an einen Bericht im Internet denken, den ich natürlich nicht mehr finde. Ein Therapeut, der zuletzt als Nachfolger von Dr. Höck Chefarzt im Ost-Berliner Haus der Gesundheit war, berichtete betroffen von der Reaktion seiner Kollegen auf Selbstdarstellungen von Kriegskindern bei einer Konferenz oder dgl. Ein Kollege wäre gar empört aus dem Saal gelaufen (ha, das ist ja wie in der Großgruppe in der Menterschwaige, sind ja auch nur Menschen, bla), hätte sich aber am nächsten Tag entschuldigt; er hätte selbst als Kind aus der Nähe von Königsberg flüchten müssen, und es wäre bei diesem Vortrag alles wieder hochgekommen, was er kaum ertragen hätte.

Das war ein erfahrener Therapeut mit jahrzehntelangen Erfahrungen – was soll man dann von Ottilie Normalverbraucherin erwarten??? Auch halte ich es für möglich, dass diese Kindheitserfahrungen mehr oder weniger bewusst die Berufswahl des Mannes entschieden haben könnten. Das war eine der Empfindungen, die ich hatte, als ich ins HdG und nachher in die stationäre Abteilung in Berlin-Hirschgarten gekommen bin – hier ist alles ansprechbar, hier wird der Druck rausgenommen, weil alles aus den Seelenkellern benannt werden kann. Bekanntlich ist etwa Angst die Spitze genommen, wenn man sagen kann, wovor man Angst hat, und kritisch wird es, wenn man zu dieser Benennung nicht in der Lage ist und Angst vor der Angst bekommt.

Zudem wird wieder deutlich, dass immer erst eine gewisse Zeit Frieden gewesen sein muss, während der ein gewisses Level allgemeiner Wohlfahrt erreicht sein sollte, damit derartige wie die eben angedeuteten Aspekte von Psycho-Club überhaupt angesehen werden können.

Dieses schamlose Nestbescheißen des Ost-Koske Ron muss unterbunden werden!!! – Ich würde gern Sabine Rennefanz fragen, ob sie nach ihrem Buch Morddrohungen bekommen hat, aber ich habe ja keine Eier, wir berichteten.

Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, denn ich stehe nicht auf Blondinen, es sei denn, sie sind rothaarig! Auch Bürgerin Rennefanz ist totale Tabus angegangen, 70 Jahre danach, aber sie ist eine anerkannte Schreibwerktätige, ich jedoch bin auf verlorenem Posten. Allein – ich liebe es, oh schöner Schmerz, ach, edle Tiefe! Heule heule heule…

Wahrscheinlich, Überraschung, habe ich die Prüfung nicht bestanden, denn ich habe dieses Rollbett nicht vollständig hervor gerollt bekommen.

Womöglich habe ich aber den Sinn der Prüfung erfasst, denn am Freitag habe ich ’n Termin bei der für die Beherbergungsbetriebe verantwortlichen Amtsfrau, übrigens ’ne coole Bürgerin, auf sympathische Weise nicht dem Mainstream entsprechend, und da ich doch sooo einsam und beziehungslos bin, ich armer und verlassener kranker Alter, soll ich in ein Zweibettzimmer oder so.

Das könnt Ihr vergessen! Huhu?! Dann heißt es vielleicht auch noch, man wolle mir nur helfen, obwohl man wieder einmal am Sein und Unwesen des K. voll daneben ballert. Aber, wie gesagt – ich habe wahrscheinlich eh‘ nicht bestanden…

Dann kamen noch mehrere krasse „Prüfungen“, unter anderem, glaube ich, mit der Ringstraße in Wien, auf die ich von einem Dach herunter blickte, von dem aus die Prachtpromenade ein bisschen was Französisches hatte, aber auch was von Maya- oder Aztekentempelstraße.

Sehr wahrscheinlich habe ich alles nicht bestanden, was soll es…

* Da ich gerade bei Größenwahn bin – Goethe war ’ne Totgeburt, er musste wiederbelebt werden; könnte das eine oder gar die Triebkraft für diese außerordentliche Lebensleistung sein? „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss…“ Ich darf das, ich bin schizo (?) – Der wütende Spießer verunglimpft einen Halbgott, genau; man kennt das! Alles klar!

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