Zum ruckartigem Umkehren der Transportrichtung der Speiseröhrenperistaltik!*

Diese seltsamen „Schlafattacken“, man beachte die Anführungsstriche, wie ich ihnen vor dem Beginn dieser Niederschrift bzw. Niedertippe erlag, kenne ich schon aus meiner Schulzeit. Besonders krass kamen die 86 in meiner Zeit als Pförtner in der Klosterstraße** in Big B über mich.

Dort erlebte ich allerdings eine groteske, jedoch typische Verdrehung von Tatsachen. Immer wieder haben mir Leute unterstellt, ich wäre eingenickt, wenn ich es eben nicht war. Dagegen hat es mit wenigen Ausnahmen keiner bemerkt, wenn ich mich tatsächlich bittersüß entschlummernd aus der sozialen Realität des realen Sozialismus ausgeklinkt hatte. Auch ich war schon immer im Widerstand, *hüstel*…

Diese Unterstellungen haben mich immer wieder wütend gemacht, wobei ich diese Wut damals in keiner Weise ausagiert habe, weil ich das gar nicht konnte. Es bleibt die Frage, was da mit mir geschehen ist, wenn mir immer wieder, und noch dazu oft in freundlich-gönnerhafter Art, die mich noch wütender gemacht hat, etwas zugerufen wurde wie „Nicht schlafen!“ usw. Ich habe nicht geschlafen. Aber was war das für eine Ausstrahlung, die an meinem Glaskasten vorbei Eilende immer wieder sicher sein ließ, dass ich weg genickt wäre. In welchem psychischem Zustand befand ich mich, dass solche Wahrnehmungen hartnäckig rückgemeldet wurden?

Sokrates in Sloterdijks „Scheintod im Denken“, der derart in seine Gedanken versunken gewesen wäre, dass er wie in Trance gewirkt hätte. „Schon wieder full!“, hieß das bei mir an anderer Stelle, obwohl ich keinerlei mental illuminierende Substanzen appliziert hatte. Dann diese Erklärungen von Kreativitätstrainern, das Gehirn würde bei schöpferischer Tätigkeit in eine Art anderen Modus umschalten, usw.

Ja ja, Größenwahn… (???) Und ich betreibe wieder wüste Nabelbohrungen? – Nee. Diese kleine, banale Szene scheint mir etwas über meine Person weit hinaus Weisendes zu enthalten.

Diese Leute, die völlig im Hier und Jetzt sind, aber auf wenig konstruktive Weise, weil ohne jeden Bezug zu einer geistigen Ebene. Ich versuche dagegen, nur auf dieser Ebene zu „leben“, was natürlich nicht geht. Mein märchenhaftes Stiefmütterchen wirft meine Bücher aus dem Fenster usw. In dieser Ablehnung eines, stark vereinfacht gesagt, Bemühens um völliges Aufgehen im Geistigem sehe ich übrigens immer öfter den Kern des Antisemitismus. Damit könnte auch verständlicher werden, warum der nicht auszumerzen ist. Aber das ist wieder ein anderes Thema, über das ich Jude der Familie vielleicht an anderer Stelle überflüssigerweise, aber nicht völlig kunstlos referieren zu sollen glaube.

Diese Sensibilierung und Differenzierung im Bürgerlichen, die gewissermaßen zurückgenommen wird, mit dem bestem Wissen und Gewissen, in der ehrlichen Überzeugung, revolutionär zu handeln usw… Christian Hoffmann im „Turm“ ist angeblich ein Muttersöhnchen. In Wahrheit ist er bürgerliche, „überholte“ usw. Wahrnehmung und Reflexion seiner Person in einer Intensität gewöhnt, die nicht typisch war für unsere Menschen, über die drüber gebrettert wurde in dem Glauben, dies wäre fortschrittlich-proletarisch-zupackend usw.

Erich Mielke am 40. Geburtstag der DDR, nachdem Gorbatschow das Feld verlassen hatte – „Jetzt ist Schluss mit dem Humanismus!“. Eine winzige Episode, die vielleicht mehr über den realen Sozialismus sagt als 200 Seiten soziologischer Studien. Der Mann war beschränkt, ein Proll, und – stolz darauf. Er hat diese Rücknahme differenzierter „bürgerlicher“ Wahrnehmung von Welt und Menschen nicht als das Defizit wahrgenommen, das sie war, sondern zum Vorzug „umgedeutet“.

Das habe ich wieder alles sehr unausgegoren aufs Papier bzw. den Monitor gebracht. Aber erstens schade ich niemandem, zweitens liest hier eh‘ kaum Jemand, was ich zugegebenermaßen so hergestellt habe, und drittens musste das mal raus, auch das…

Bla.

PS: Rückmeldungen per Mental-Funk? – ‚Einfacher Arbeiter!‘, ‚Gar nicht mehr schreiben!‘. Ich dichte nicht, Klappe, die fünfhundertsechsundsiebzigste, sondern berichte. Wer macht das, wie geht das? Klappe, die fünfhundertsechsundsiebzigste? Wir bleiben dran, wir berichten – ich muss petzen, sorry!

** Auch als Lumpenproletarier bin ich durchaus in der Lage, und von Zeit zu Zeit zudem willens, mich gar manierlich zu artikulieren fürwahr, so dass ich nicht zwangsläufig formuliere „Zum Kotzen!“
** Das ist echte Ironie des Schicksals – da ist jetzt ’n Experimentaltheater drin, während ich seitdem gegen dieses angeblich psychotische Empfinden von inszenierter Realität anzugehen versuche…

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