Der Klient „beantwortet“ die „halluzinierten“ Vorwürfe – 2. Teil

‚… der is‘ nur bei sich selbst, der is‘ nur bei sich selbst…‘

Ja, das könnte aber daran liegen, dass in entscheidenden Momenten meines Lebens keiner weiter da war; jaharhar, das ist wieder witzig. Ist es nicht nur. Zudem, oder gar vor allem, mag es zwar sein, dass ich gewissermaßen zu oft und zu viel im Bauchnabel bohre, aber viele Menschen scheinen das gar nicht zu tun, vielmehr sie immer da draußen und bei Anderen sind. Bla.

‚… wehr Dich, Junge…‘

Ja, es gibt auch sozusagen positive Rückmeldungen per Mental-Funk. Das ist mir klar spätestens, seit ich hier zumindest am Anfang mitgemacht habe, um dann meiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, abhauen. Leutinnen und Leute haben glaubwürdig berichtet, dass sie durch ihre Stimmen immer wieder im konstruktivem Sinne gelenkt und geleitet worden wären, und ich war nicht nur neidisch und eifersüchtig, sondern habe das sogar ausnahmsweise wahrgenommen. Ja, sehr witzich…

Wie denn wehren? – Ich kann ja die Leute nicht einmal identifizieren, die da, als Beispiel, an meiner Tür vorbei laufen und etwas absondern wie: „Wir müssen leise sein, hier wohnt ’n Irrer!“

Ich hatte eben in Unterhosen, süße rosa Höschen mit Goldkante, genau, und mit Schaum vor dem Mund meine Haut malträtiert, was unter anderem die durchaus geplante Verkürzung der Behaarung des Gesichtsschädels bewirkt hatte. Ich kann doch in einem derartigem Aufzug nicht vor die Tür treten, um der rückmeldenden Bürgerin mitzuteilen, dass ich die lila Fische, die durch mein Zimmer fliegen, zumindest momentan durchaus im Griff hätte. Vor allem aber ist dieser einer der wenigen Fälle, in denen ich mir nicht hinreichend darüber im Klaren bin, ob das jetzt halluziniert bzw. „halluziniert“ war oder real.

Das ist übrigens ’n Straftatbestand – Verleumdung und üble Nachrede; nur so als Wink mit dem Zaunsegment, hähä, böse Hobbitse, böse Hobbitse!

Desto älter ich werde, und dies ist ein Vorgang, den ich wirklich nicht zu steuern vermag, vielmehr sich Schimmeln und Abschlaffen usw. in der Tat von selbst ergeben, desto mehr Gefallen finde ich an dieser durchgekauten, aber dennoch und trotzdem eines tieferen Sinnes nicht entbehrenden Formulierung „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!“

Dass ich mich oft nicht gewehrt habe, lag weniger an Feigheit oder dergleichen, sondern resultierte vor allem aus der tiefen Resignation, in die ich mich während meiner körperlichen Pubertät fallen ließ, ohne das hinreichend wahrnehmen und verbalisieren zu können und zu wollen. „Wir waren doch eigentlich damals schon Rentner!“, sagte der Klassenkamerad Jahrzehnte später, der während unserer polytechnisch allgemeinbildenden Oberschulung dutzende Male vergeblich versucht hatte, mich zu rocken. Ich, nicht wir, würde ich heute sagen, mi mi mi.

Es ist zudem einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Schizophrenen und Schizotypen, dass bei letzteren die sogenannte Ebene der Realitätsprüfung adäquat ist, d. h., zu Deutsch gesagt, merke ich meistens, dass ich spinne.

Ein weiteres Vorurteil gegenüber Bekloppten, das nicht auszuräumen scheint – da sie geisteskrank wären, müssten sie zwangsläufig geistesschwach sein. Wenn jemand wie ich, als Beispiel, reichlich Texte absondert, die von Ironie, Sarkasmus usw. geradezu überfüllt sind, dann kann der nicht geisteskrank sein, vielmehr, ich liebe diese Rückmeldung, spielt der den Simulanten.

Mitnichten, herzliebste Leutinnen und Leute, mitnichten! Der Intellekt ist oft größtenteils intakt, und man sieht, bzw., har har, hört sich selbst beim Abdrehen zu und kann nichts dagegen tun. Man gewöhnt sich aber in 32 Jahren auch daran, wie an einen Rollstuhl oder ein Glasauge; man gewöhnt sich an alles. Eine Ausnahme habe ich erlebt mit der eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit, die ein weiterer Grund für den Abbruch meines letzten Studienversuchs war.

Bla. – Dann fällt mir noch ein Artikel ein, den ich vor vielen Monden in dem im mehrfachem Sinne ausgezeichnetem Printmedium „taz“ gefunden habe… äh… – und gelesen. Da hatte ein Reporter wallraffgierig investigatief recherchiert und war zu dem Ergebnis gekommen, sinngemäß, dass Obdachlose meist keine Nonkonformisten wären, sondern gescheiterte Spießer, die durch ihr Scheitern zu noch unerträglicheren Spießern geworden wären.

Abgesehen davon, dass ich mich ein bisschen für die je nach Standpunkt des Betrachters berühmte oder berüchtigte oder berühmt-berüchtigte Ausnahme halte, ist da was dran, wie Uns bedünken möchte. An dieser Stelle hat die Arbeiterbewegung, als sie noch den Fortschritt und die Zukunft verkörperte, versucht, den sogenannten Massen etwas wie Solidarität anzuerziehen.

Meist aber werden Marginalpersonen wie die eben in der Erwähnung des „taz“-Artikels erwähnten schier entzückt sein, jemanden erleben zu können, der noch weiter unten ist, wie etwa ein Bekloppter. ‚Der war Tatsache mal Dauerpatient, der war Tatsache mal Dauerpatient, uäääh!‘ Auch hier drängt sich mir allerdings wieder die Frage „Wo ist oben?“ von Erwin Strittmatter auf.

‚… bilditt sich ein, er is‘ ’n Vatersohn – der is‘ so was von Muttersöhnchen…‘

Ich habe nie behauptet, ein Vatersohn zu sein, vielmehr ich mehrfach erklärt habe, vor allem in diesem Internet, immer mit dem Elternteil sozusagen symbiotisch verschmolzen zu sein, der gerade anwesend war, zumindest körperlich. Es ging nicht anders, das war die einzige mir zur Verfügung stehende Bewältigungsstrategie in meiner Prägungsphase, in der extrem isoliert gewesen zu sein ich, typisch tragikomischer Weise, selbst erst mit 40+ realisiert habe. – Kloster ist Gruppe, Daminunterrn! „Ja, ich kann ohne Symbiose nicht leben/ja, ich kann ohne Symbiose nicht sein!“; frei nach Wencke Myhre, und es muss aber keiner mit schunkeln.

Des Weiteren habe ich dann erklärt, dass mein Vater gewissermaßen Überhang gehabt hätte, weil er mir nicht nur seine schwere Traumatisierung nachhaltig übergestülpt hat, sondern auch im konstruktivem Sinne etwas mitgegeben, etwa die Liebe zu Büchern, zu Katzen, zur Natur, zu Spaziergängen und Wanderungen usw.

Dann fällt mir dazu ein, dass Begriffe wie Vatersohn und vor allem Muttersöhnchen häufig, milde formuliert, oberflächlich verwendet zu werden scheinen. Es geht nicht um das angeblich Übersensible usw. usf. eines angeblichen Muttersöhnchens, sondern um eine Art innere Verbandelung, durch die Delegationen und Aufträge weiter gegeben werden, und in den allermeisten Fällen verhängnisvoll wirkungsvoll, weil unbewusst.

Schließlich muss ich in diesem Zusammenhang immer wieder an eine Küchenfrau denken, von der ich im Schülerwochenheim in Iron Hut City ein bisschen kennengelernt zu werden gezwungen wurde. Ich war noch nicht in der Phase, in der ich meine Schülerkarriere durch missglückte Kurvendiskussionen gefährdete, aber das war halt ’ne richtige Frau, und mich gruselte es, was ich, natürlich, nicht wirklich wahrnahm. Ja ja, Sexismus; Schwanz ab, ist ja gut bzw. schlecht.

Die Frau hatte nie etwas von nachholender Ich-Entwicklung oder Hilfs-Ichfunktionen gehört, was sie auch gar nicht konnte, weil es die Begriffe noch gar nicht gab, aber sie hat die mit diesen Begriffen verbundene Begleitung praktiziert, denn „Pädagogik“ heißt „(Knaben-)Begleitung“, indem sie mich im doppeltem Sinne zu füttern versucht hat. Das hat zwar nichts gebracht, weil ich Knochenkalle vor allem nicht ein Kilogramm zugenommen habe, aber sie hat bemerkt, dass ich ein Defizit hatte, was Mutter und Mütterlichkeit anging, und hat versucht, es abzustellen.

Einer der wenigen Bekannten meiner Eltern, ein Handwerksmeister, hat das in meiner Vorschulkindheit versucht; jedes Mal, wenn ich zu Besuch war, hat er mir zwei oder drei riesige Stullen gemacht und mich gezwungen, sie aufzuessen, hihi. – Mir scheint, Muttersohn geht anders, aber ich bin halt schizotyp; wir bitten um Verständnis.

Äh… – ach ja: bla.

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